Brochure Work – Experiment with Association
In diesem Projekt habe ich mehrere analoge Collagen gestaltet und diese in einem Büchlein zusammengefasst. Ich habe mich bewusst für das Medium Collage entschieden, da das analoge, haptische Arbeiten mir erlaubt, intuitiv zu arbeiten und Assoziationen zu erforschen. Durch Schneiden, Überlagern und Zusammenfügen entstehen neue Bedeutungen, die nicht geplant, sondern im Prozess entdeckt werden. Ausgangspunkt waren Begriffe und Konzepte, die ich visuell übersetzen wollte, ohne sie eindeutig festzulegen.
Die Collagen Love und Pain sind eigenständige Arbeiten, die sich jeweils mit dem gleichnamigen Konzept auseinandersetzen. Love versteht Liebe nicht nur romantisch, sondern als Sinnlichkeit und Verbundenheit – offen, verletzlich und abhängig von Gegenseitigkeit. Die Collage arbeitet mit Assoziationen von Nähe, Natur und Körperlichkeit und lässt bewusst Raum für persönliche Interpretationen. Pain handelt von Macht, Materialisierung und Besitz. Damit verbunden ist Verlust, Verletzung und Ohnmacht. Der Schmerz wird nicht konkret verortet, sondern fragmentiert dargestellt, wodurch er universell und gleichzeitig distanziert wirkt.
Der Hauptteil des Büchleins besteht aus der mehrseitigen Collage „I wash my hands in innocence“. Diese Arbeit setzt sich mit Umweltzerstörung auseinander, insbesondere mit der Frage nach Verantwortung. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Natur oft für Profit zerstört wird, während die Entscheidungsträger*innen – meist mächtige Menschen oder Unternehmen – kaum Konsequenzen tragen müssen. Die Collage beginnt mit Bildfragmenten von Umweltzerstörung und industriellen Eingriffen und entwickelt sich visuell weiter hin zu Symbolen von Reinheit und Unschuld, wie gewaschenen Händen.
Inspiriert wurde dieses Motiv durch das Gemälde Nicolaes Maes – Christ before Pilate, in dem das Händewaschen als Akt der Schuldabgabe dargestellt wird. In meiner Arbeit steht dieses Symbol für das bewusste Wegsehen und die Verlagerung von Verantwortung. Die Inspiration durch das Gemälde von Nicolaes Maes half mir, historische Bildsprache mit aktuellen Problemen zu verbinden. Das Motiv des Händewaschens steht dabei für ein zeitloses Muster: Schuld wird sichtbar, aber nicht getragen. Mutter Natur wird dabei als feminines, Element dargestellt, das die Konsequenzen trägt, während andere sich freisprechen. Weiblichkeit wird mit zyklischem Leben verbunden, während die zunehmende Maskulinisierung der Welt für die Zerstörung und Ausbeutung steht.
Das Büchlein als Format verstärkt diese Idee, da die Betrachtenden die Collage Seite für Seite erleben. Die Abfolge erzeugt einen Prozess, der von Zerstörung über Verdrängung bis hin zu scheinbarer Unschuld führt. Insgesamt ging es mir darum, über Bilder Fragen aufzuwerfen und Verbindungen herzustellen, die sich nicht eindeutig auflösen lassen, sondern zum Nachdenken anregen.
Die Arbeit mit Collagen war für dieses Projekt zentral, da sie mir erlaubt hat, ohne feste Bildideen zu beginnen und stattdessen assoziativ zu arbeiten. Durch das analoge Schneiden, Ordnen und Überlagern von Bildern entstand ein direkter, körperlicher Bezug zum Material. Entscheidungen wurden nicht nur inhaltlich, sondern auch haptisch getroffen – durch Größe, Textur, Kanten und das Zusammenspiel der einzelnen Fragmente.
Im Collageprozess haben sich Bedeutungen oft erst im Tun ergeben. Bilder wurden aus ihrem ursprünglichen Kontext gelöst und neu kombiniert, wodurch sich neue Verbindungen und Spannungen entwickelt haben. Besonders wichtig war für mich, nicht alles zu kontrollieren, sondern dem Material Raum zu geben, unerwartete Assoziationen hervorzubringen. Worte wie Love, Pain oder Innocence dienten dabei eher als Ausgangspunkte denn als feste Definitionen.