BLUE HOUR | Animierter Kurzfilm

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Da ich in einem abgelegenen Dorf wohne, wo nachts kein ÖV fährt, entscheide ich mich manchmal nach dem Ausgang nach Hause zu laufen. Dann nehme ich den Moonliner ins benachbarte Dorf und laufe fünf Kilometer – eine gute Stunde – die gleiche Strecke die ich während meiner Zeit in der Oberstufe täglich mit dem Fahrrad als Schulweg fuhr. Diese Stunden, in denen ich diesen Weg mitten in der Nacht oder bei der frühen Morgendämmerung laufe, prägen mich immer sehr. Ich höre meine Playlist, die ich genau für diesen Moment erstellt habe, laufe und bewundere den Sternenhimmel, das blaue Licht und die absolute Stille und Isolation. Es sind Momente, in denen sich die Realität anders anfühlt – Momente geprägt von Melancholie, Nostalgie und Einsamkeit.

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Da ich nun aber vorhabe, bald umzuziehen, muss ich wohl bald mit diesem Kapitel abschliessen. Da mir diese Erfahrungen aber emotional so wichtig sind, entstand die Idee, dies künstlerisch für mich irgendwie festzuhalten. Ich wollte einen Weg finden, diese Gefühle in einem Projekt zu verewigen, was ich mir dann immer wieder anschauen kann, um mich zurück in diese Nächte versetzen zu können. So entstand der animierte Kurzfilm Blue Hour. Der Begriff «Blue Hour» bezieht sich auf die Zeitspanne innerhalb der Dämmerung, in der sich die Sonne noch unter dem Horizont befindet und das blaue Lichtspektrum dominiert während die Nacht langsam heller wird. Symbolisch ist der Titel auch dafür, dass mich der Weg jeweils eine Stunde beanspruchte.

Der Film setzt sich zusammen aus elf digitalen Zeichnungen, die ich auf Procreate gezeichnet habe. Die Zeichnungen zeigen Orte und Erfahrungen, die ich in diesen Nächten begegnete. Als Hilfe dienten mir dazu Referenzfotos, die ich auf diesem Weg gemacht habe.

Hier sind die Zeichnungen die daraus entstanden sind:

Bei diesen Zeichnungen arbeitete ich mit mehreren Ebenen, die ich dann als einzelne transparente Bilder exportierte um sie in einem nächsten Schritt mit After Effects zu animieren. Mit dem Animieren hauchte ich den Bildern Leben und Bewegung ein. Die einzelnen Ebenen erlaubten mir Möglichkeiten wie Parallax-Zooms, wo sich der Hintergrund anders verhält als der Vordergrund oder Frame-für-Frame Animationen wie die Bewegung von Gras im Wind oder das Flackern einer Lampe.

Danach übernahm ich das Projekt in Premiere Pro, wo ich mich um das Sound Design kümmerte. Für das Projekt habe ich diverse Ambi-Aufnahmen gemacht, die ich dann über die einzelnen animierten Bilder legte, um die Szene auch auditiv lebendiger wirken zu lassen. Da es bei dem Projekt um etwas sehr persönliches mit emotionaler Wichtigkeit geht, war mir Authentizität sehr wichtig, weshalb ich alle Bilder und die meisten Sound-Aufnahmen selber machen wollte und auf jegliche Form von KI verzichtet habe.

(vha)

Die Arbeit an diesem Projek hat mir durch die emotionale Nähe sehr viel bedeutet und ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Ein Ziel war mich mehr mit Zeichnen auseinanderzusetzen um meine Skills zu verbessern, was ich sicherlich erreicht habe. Ich hatte die Gelegenheit meine künstlerischen Fähigkeiten aufzuwerten und mit neuen Brushes auf Procreate zu experimentieren. Zwar gibt es im Film Bilder mit denen ich mehr zufrieden bin als mit anderen, aber insgesamt bin ich sehr glücklich mit der Ästhetik, die ich durch meine Zeichnungen erschaffen habe. Ausserdem ist mit das Wissen, wie viel Zeit ich in diese Bilder investiert habe, von grosser Bedeutung.

Ein weiteres Ziel war für mich auch mich mehr mit After Effects auseinanderzusetzen. Ich interessiere mich sehr für Animation, hatte bisher aber noch nicht wirklich die Gelegenheit mich mit diesem Programm zu befassen. Ich habe durch dieses Projekt sehr viel darüber gelernt und fühle mich nun viel vertrauter mit dieser Software. Jedoch gibt es immer noch viele Dinge, die ich noch nicht ganz Verstehe und ich hatte oft das Gefühl, dass mein Arbeitsvorgang sicherlich nicht dem Best Practice entspricht. Ich wollte mich aber nicht zu fest in Tutorials verlieren und einfach mal selber learning-by-doing mässig ausprobieren, was sich meiner Meinung nach bewährt hat. Trotzdem will ich in Zukunft noch mehr über dieses Programm lernen.