Aufstieg zum Dach Afrikas – 7 Tage Kilimandscharo

Sieben Tage, 5895 Höhenmeter. Der Kilimandscharo fordert Körper und Geist gleichermassen. Dieses Video dokumentiert meinen Aufstieg auf den höchsten Berg Afrikas.

Idee

Ich hatte diesen Sommer die Ehre, gemeinsam mit meiner Familie den höchsten Berg Afrikas zu besteigen. Wir haben die Lemosho-Route gewählt, auf der man in 7 Tagen auf den Gipfel und wieder runterläuft. Da dies ein (höchstwahrscheinlich) einmaliges Erlebnis ist, war mir von Beginn an klar, dass ich diese Reise dokumentieren will. Ich habe mich für die GoPro entschieden und gegen eine klassische Kamera, da man auf dieser Wanderung unnötiges Gewicht lieber nicht dabeihaben sollte. Ziel des Videos war, den Aufstieg sowohl als körperliche als auch als mentale Herausforderung festzuhalten und besonders den Gipfeltag trotz begrenzter Aufnahmen spannend zu inszenieren.

Die Route

Wir haben die Lemosho-Route gemacht, die von vielen als die schönste aller Routen gilt. Sie ist auch sehr praktisch, da man statt in 5 Tagen in 7 Tagen auf den Gipfel läuft, was eine bessere Akklimatisierung ermöglicht. Das war wichtig, da wir zwar schon oft wandern, aber eine solche Herausforderung noch nie auf uns genommen haben.

Tag 1: Lemosho Gate (2100 m.ü.M) – Mti Mkubwa Camp (2650 m.ü.M)

Am ersten Tag wurden wir von unserem Hotel zum Lemosho Gate gebracht, wo unsere Reise begann. Die erste Wanderung dauerte nur etwa zweieinhalb Stunden und führte gemächlich durch den Regenwald zum ersten Camp, dem Mti Mkubwa Camp. Dort waren unsere Zelte bereits aufgebaut, und wir konnten im Aufenthaltszelt bei Snacks und Tee etwas ausruhen für den nächsten, anstrengenden Tag. Die leichte Strecke war ein angenehmer Einstieg, und man hatte Zeit, sich an die Höhe und den Alltag im Gebirge zu gewöhnen.

Tag 2: Mti Mkubwa Camp (2650 m.ü.M) – Shira 1 Camp (3610 m.ü.M) – Shira 2 Camp (3850 m.ü.M)

Der zweite Tag hat mich mental wie körperlich stark gefordert. Während ungefähr fünf Stunden liefen wir einen kurvigen, stetig steilen Weg hinauf und machten viele Höhenmeter. Die Landschaft wurde immer offener, aber auch eintöniger, und die gleichbleibende Steigung machte die Beine schwer. Gegen Ende der ersten Etappe waren meine Kräfte deutlich spürbar am Limit.

Nach einer Mittagspause im Shira 1 Camp ging es nochmals rund dreieinhalb Stunden weiter. Die Strecke war zwar weniger steil, aber mental sehr anspruchsvoll, weil man das Camp lange vor sich sah, aber nur langsam näher kam. Die Freude, endlich angekommen zu sein, war entsprechend gross.

Tag 3: Shira 2 Camp (3850 m.ü.M) – Lava Tower Camp (4600 m.ü.M) – Barranco Camp (3900 m.ü.M)

Am dritten Tag standen vor allem Akklimatisierung und Höhenmeter im Vordergrund. Wir wanderten zuerst hinauf zum Lava Tower Camp auf rund 4600 Meter und assen dort zu Mittag. Die Höhe machte sich deutlich bemerkbar, weshalb das Tempo sehr langsam blieb. Anschliessend stiegen wir wieder rund 700 Meter hinunter zum Barranco Camp, das für viele das schönste Camp auf dem Kilimandscharo ist.

Tag 4: Barranco Camp (3900 m.ü.M) – Karanga Camp (4035 m.ü.M)

Der vierte Tag begann mit einem der bekanntesten Abschnitte der Route: der Barranco Wall. Gleich nach dem Frühstück stiegen wir die steile Felswand hinauf, die technisch zwar nicht schwierig, aber trotzdem fordernd war. Schritt für Schritt arbeiteten wir uns nach oben, oft mit kurzen Pausen, um Luft zu holen und den Blick ins Tal zu geniessen. Nach dem Aufstieg folgte eine längere, abwechslungsreiche Etappe mit mehreren kleineren Anstiegen und Abstiegen. Die Strecke zog sich, war aber landschaftlich sehr eindrücklich. Nach rund vier Stunden erreichten wir das Karanga Camp, wo wir den Nachmittag zur Erholung nutzten. Die Höhe machte sich zunehmend bemerkbar, weshalb wir froh waren, den restlichen Tag ruhig angehen zu können.

Am Abend zog ein beissender Wind auf und wurde im Verlauf der Nacht immer heftiger. Der Wind rüttelte an den Zelten, und sogar das Toilettenzelt fiel um. Durch die starken Böen wurde feiner Sand ins Zelt geweht, sodass am nächsten Morgen alles mit einer dünnen Staubschicht bedeckt war. Die unruhige Nacht machte es schwierig, richtig zu schlafen, und alle waren am Morgen entsprechend müde.

Tag 5: Karanga Camp (4035 m.ü.M) – Barafu Camp (4673 m.ü.M)

Am fünften Tag ging es weiter hinauf Richtung Gipfelbasislager. Die Wanderung zum Barafu Camp war vergleichsweise kurz, aber anstrengend, da wir uns bereits auf grosser Höhe befanden. Der Weg führte über karges, steiniges Gelände, und die Vegetation wurde zunehmend spärlicher. Nach etwa vier Stunden erreichten wir das Barafu Camp auf 4673 Metern über Meer. Die Stimmung war ruhig und konzentriert, da allen bewusst war, dass in der kommenden Nacht der Gipfelaufstieg bevorstand. Nach einer frühen Mahlzeit legten wir uns hin, um zumindest etwas Schlaf zu bekommen, bevor es kurz vor Mitternacht wieder losgehen sollte.

Tag 6: Barafu Camp (4673 m.ü.M) – Stella Point (5756 m.ü.M) – Uhuru Peak (5895 m.ü.M) – Mweka Camp (3100 m.ü.M)

Um 23:00 Uhr wurden wir geweckt und zogen unsere wärmste Kleidung an. Im Aufenthaltszelt stärkten wir uns noch mit Tee und Haferbrei, bevor wir um Mitternacht losgingen. Im Entenschritt machten wir uns in einer Reihe auf den Weg, das heisst meine Familie und sechs Guides. Das Atmen fiel schwer, die Müdigkeit wurde zum ständigen Begleiter, und ein beissender Wind, gegen die unsere dicken Winterjacken keine Chance hatten, machte die Bedingungen noch härter. Nach etwa einer Stunde bekam mein Vater Nasenbluten, weshalb wir kurz pausieren mussten. Glücklicherweise war es nicht schlimm, sodass wir bald weitergehen konnten.

Der Aufstieg zog sich über mehrere Stunden und verlangte sowohl körperlich als auch mental alles ab. Kurz nach Sonnenaufgang erreichten wir zuerst den Stella Point. Dort war der Wind extrem stark, sodass wir uns kaum auf den Beinen halten konnten. Trotz der Erschöpfung gingen wir weiter, Arm in Arm, um dem Wind standzuhalten. Die letzten Meter bis zum Uhuru Peak forderten nochmals alle verbleibenden Kräfte. Gegen 8:30 Uhr erreichten wir schliesslich den höchsten Punkt Afrikas. Der Moment oben war ruhig und gleichzeitig überwältigend, geprägt von Erleichterung, Stolz und grosser Müdigkeit. Lange bleiben konnten wir jedoch nicht, da der Abstieg noch bevorstand.

Der Weg hinunter zurück ins Barafu Camp war anstrengend für die Knie, und nach einer kurzen Mittags- und Schlafpause ging es weiter bis ins Mweka Camp auf rund 3100 Metern. Nach insgesamt sehr vielen Stunden auf den Beinen war die Erschöpfung gross, aber die Erleichterung, es geschafft zu haben, überwog deutlich.

Tag 7: Mweka Camp (3100 m.ü.M) – Mweka Gate (1640 m.ü.M)

Am letzten Tag verabschiedeten wir uns am Morgen von den Porters und den anderen Begleitern, die uns während der Woche unterstützt hatten. Zum Abschied sangen sie für uns, und wir tanzten gemeinsam, ein unerwarteter, sehr schöner Moment nach den anstrengenden Tagen zuvor. Unsere Guides begleiteten uns weiterhin auf dem Abstieg.

Anschliessend machten wir uns auf den Weg durch den Regenwald in Richtung Mweka Gate. Der Abstieg war technisch einfach, zog sich jedoch durch die Länge der Strecke und die Müdigkeit der vergangenen Tage.

Am Gate angekommen, erhielten wir unsere Diplome und verabschiedeten uns endgültig von den Guides. Danach wurden wir zurück ins Hotel gebracht, wo die Reise nach einer intensiven und eindrücklichen Woche ihr Ende fand.

Ergebnis

Und hier ist das Video von unserem Aufstieg auf den Kilimandscharo:

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(abb)

Idee
Die Idee dieses Projekts war es, dieses Erlebnis gemeinsam mit meiner Familie festzuhalten und filmisch zu dokumentieren. Die Besteigung des Kilimandscharo ist nicht nur eine körperliche Herausforderung, sondern auch eine intensive gemeinsame Reise, geprägt von Anstrengung, diverser Landschaft und vielen ruhigen Momenten dazwischen. Aus diesem Grund wollte ich nicht nur den Gipfel zeigen, sondern den gesamten Weg dorthin.

Das Video ist als eine Art Filmtagebuch aufgebaut, das den Verlauf der sieben Tage widerspiegelt. Ziel war es, sowohl die körperliche und mentale Belastung als auch die besondere Stimmung unterwegs einzufangen und die Reise als zusammenhängende Erfahrung erlebbar zu machen.

Umsetzung
Gefilmt wurde während der gesamten Besteigung ausschliesslich mit einer GoPro. Die Kamera begleitete mich während der Wanderungen sowie in den Camps und wurde situationsabhängig eingesetzt. Ein fixes Drehbuch gab es nicht, da sich der Tagesablauf und die eigene Verfassung oft spontan änderten. Besonders anstrengende Etappen und der Gipfeltag liessen nur sehr kurze oder wenige Aufnahmen zu.

In der Postproduktion habe ich das Material gesichtet, reduziert und chronologisch zu einem zusammenhängenden Film verarbeitet. Ziel war es, den Verlauf der sieben Tage nachvollziehbar zu machen und gleichzeitig ein Gefühl für die zunehmende Erschöpfung und die wechselnden Bedingungen zu vermitteln. Durch den Schnitt, die Auswahl der Szenen und die musikalische Untermalung entstand eine klare Dramaturgie, obwohl nicht jeder Moment dokumentiert werden konnte.

Fazit und Learnings
Rückblickend bin ich mit dem entstandenen Film sehr zufrieden, da es gelungen ist, die Besteigung des Kilimandscharo authentisch und nachvollziehbar darzustellen. Der Film zeigt nicht nur beeindruckende Landschaften, sondern auch die körperliche Anstrengung, Müdigkeit und mentalen Herausforderungen, die mit einem solchen Aufstieg verbunden sind. Gerade durch die einfachen, direkten Aufnahmen entsteht ein ehrliches Bild der Reise.

Das Projekt hat mir gezeigt, wie herausfordernd es ist, unter körperlicher Belastung und in grosser Höhe zu filmen. Oft musste ich mich entscheiden, ob ich weiterfilme oder meine Energie für den Aufstieg spare. Viele Momente konnten nicht festgehalten werden, weil Energie, Kälte oder Sicherheit Vorrang hatten. Gleichzeitig wurde mir bewusst, wie wichtig die Postproduktion ist, um aus begrenztem Material dennoch eine stimmige und spannende Erzählung zu formen.