Werbefilm: Humor als Ressource

Werbefilm «Humor als Ressource»: Lehrprojekt und Bachelorarbeit

Für mein Lehrprojekt habe ich einen Werbefilm für das Unternehmen meines Vaters gedreht, das Teams im professionellen Einsatz von Humor schult. Die Aufnahmen vom Workshop dienten sowohl als Grundlage für den Werbefilm als auch – in angepasster Form – als Stimulusmaterial für die experimentelle Studie meiner Bachelorarbeit. Der übliche Workshop-Ablauf meines Vaters wurde so angepasst, dass zentrale Momente wie Übungen, Gruppeninteraktionen und Publikumsreaktionen gut filmisch festgehalten werden konnten, ohne den eigentlichen Inhalt des Trainings zu beeinträchtigen.

Dreh und Postproduktion

Der Workshop wurde an einem Tag im Casino Baden gefilmt. Das Team bestand aus mir sowie meinen drei Mitschülerinnen Stefanie Hasler, Hanna Zsakai und Mireille Beurret, die mich beim Dreh unterstützten. Wir arbeiteten mit vier Sony-A7-Kameras für mehrere Kamerawinkel gleichzeitig, ergänzt durch Lavalier-Mikrofone, einen Zoom-Rekorder, ein Boom-Mikrofon sowie einen Kamera-Dolly für dynamische Aufnahmen. Die Teilnehmenden des Workshops stammten aus meinem eigenen Umfeld, dem meiner Familie sowie dem meines Vaters, wobei ich auf eine möglichst durchmischte Gruppe hinsichtlich Alter geachtet habe.

Die gesamte Postproduktion – Schnitt, Farbkorrektur und Sounddesign – habe ich in DaVinci Resolve umgesetzt. Der Soundtrack besteht aus lizenzierter Stock-Musik und Soundeffekten; die animierten Grafiken habe ich in Adobe After Effects, Illustrator, Photoshop und Procreate gestaltet und zusätzlich ein Video mithilfe von KI generiert – was trotz vieler Versuche nicht besonders gut funktioniert hat, sich aber dennoch schneiden liess.

Vom Rohmaterial zu drei Test-Filmen

Aus dem gefilmten Material entstanden drei unterschiedliche Testversionen eines vereinfachten Werbefilms, die als experimentelle Stimuli für die Bachelorarbeit dienten. Diese Testversionen unterschieden sich vom eigentlichen Werbefilm, der im Rahmen des Lehrprojekts entstand. Bild, Schnitt, Tempo und Erzählstruktur waren in allen drei Versionen identisch – einzig die Tongestaltung unterschied sich: einmal nur Originalton (Sprache und Umgebungsgeräusche ohne Musik), einmal nur Musik (ohne Sprache oder Umgebungsgeräusche) und einmal eine Kombination aus Originalton und Musik. Dabei war mir wichtig, dass sich jede Version trotz der methodisch nötigen Trennung noch wie eine realistische, in sich stimmige Produktionsvariante anfühlt und nicht wie ein künstliches An-Aus-Experiment.

Für zusätzlichen fachlichen Kontext habe ich zudem ein Experteninterview mit Matthias Häcki, Producer, Director, Editor und Drone Pilot bei Apoint Film GmbH, geführt, in dem wir unter anderem über den Umgang mit Sounddesign in der Unternehmensfilm-Praxis gesprochen haben.

Ergebnisse in Kürze

156 Personen haben je eine der drei Videoversionen gesehen und anschliessend Fragen zur wahrgenommenen Authentizität der Marke sowie zu ihrer Kontaktabsicht beantwortet. Die Version mit reiner Musik schnitt dabei am schlechtesten ab – sowohl bei der wahrgenommenen Authentizität als auch bei der Kontaktabsicht. Ausserdem zeigte sich: Wer ein Video als authentischer wahrnahm, war tendenziell auch eher bereit, Kontakt mit dem Unternehmen aufzunehmen. Für den Vergleich zwischen der reinen Musikversion und der Originalton-Version liess sich ein Teil dieses Effekts durch die wahrgenommene Authentizität erklären; für den Vergleich zwischen der gemischten und der Originalton-Version war das nicht der Fall.

Einschränkungen

Ein paar Punkte relativieren die Aussagekraft der Ergebnisse. Die Teilnehmenden wurden nicht zufällig den drei Videoversionen zugeteilt, sondern je nachdem, über welchen Kanal sie rekrutiert wurden – dadurch lässt sich nicht ganz ausschliessen, dass nicht nur der Ton, sondern auch Unterschiede zwischen den rekrutierten Gruppen die Resultate beeinflusst haben. Zudem stammten die Teilnehmenden grösstenteils aus dem persönlichen und schulischen Umfeld von mir und meinem Vater, was die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf eine breitere Öffentlichkeit einschränkt. Da nur ein einziges Video für ein einziges Unternehmen aus der Coaching-Branche getestet wurde, lassen sich die Resultate zudem nicht ohne Weiteres auf andere Firmen oder Branchen übertragen. Schliesslich war die reine Musikversion eine eher extreme Ausprägung, da sie komplett auf Sprache verzichtete – in der Praxis werden Sprache und Musik meist kombiniert, wie auch das Experteninterview bestätigte.

Fazit

Für mich persönlich war das Projekt lehrreich, gerade weil ich den Anspruch an wissenschaftliche Sauberkeit mit dem Anspruch an einen wirkungsvollen, realistischen Werbefilm in Einklang bringen musste. Die Erkenntnisse aus dem Projekt und der Befragung habe ich schliesslich auch für den finalen Werbefilm der Firma meines Vaters genutzt: Statt auf Musik allein zu setzen, kombiniere ich im fertigen Film Originalton und Musik – ein Ansatz, der sich in meiner eigenen Untersuchung als überzeugender erwiesen hat.

Die drei Test Videos können unter folgenden Links gesehen werden:

Nur O-Ton: https://youtu.be/9QoRrXLi-6k
Nur Musik: https://youtu.be/7iwJWKbOnlw
Mischform: https://youtu.be/IUhim7_OrSQ

Das Lehrprojekt / Werbefilm für die Spence Academy: https://youtu.be/KwnC8RNuyOk