Wer bucht, entscheidet – Frauen in der elektronischen Musikszene
In der elektronischen Musik gelten Line-ups als Spiegel einer offenen Szene. Doch die Entscheidung, wer auf der Bühne steht, fällt oft schon lange vorher, nämlich in männlich geprägten Netzwerken. Die Bachelorarbeit Shewaves geht diesen Strukturen nach und überführt die Erkenntnisse in ein eigenes Eventformat.
Die Bachelorarbeit
Die Bachelorarbeit untersucht, welche strukturellen und kommunikativen Faktoren die Sichtbarkeit und beruflichen Chancen von Frauen in der Schweizer elektronischen Musik prägen. Dazu wurden die Line-ups von sechs Schweizer Festivals der Jahre 2022 und 2025 quantitativ ausgewertet und mit vier Expert:inneninterviews aus künstlerischer Praxis, Booking, Journalismus und Förderung verbunden.
Die Ergebnisse zeigen, dass Sichtbarkeit vor allem über historisch gewachsene, männlich geprägte Netzwerke und Entscheidungsstrukturen entsteht. Besonders die lokalen Slots, die über persönliche Kontakte vergeben werden, weisen die tiefsten Frauenanteile auf. Auswahlkriterien wie Trend und Popularität wirken neutral, führen in der Praxis aber zu ungleichen Ergebnissen. Deutliche Fortschritte zeigen sich bei jüngeren und kollektiv organisierten Festivals. Am wirksamsten für Veränderung ist eine diversere Besetzung von Entscheidungspositionen.
Das Lehrprojekt
Die Erkenntnisse der Untersuchung flossen direkt in das Eventformat Shewaves ein, das die wissenschaftlichen Befunde in die Praxis überträgt. Am 25. Juli 2026 fand Shewaves im Viertel Klub in Basel statt, tagsüber auf der Dachterrasse, nachts im Club. Sechs DJs bespielten das Line-up, das bewusst ausschliesslich mit weiblichen Artists besetzt war.
Im Zentrum stand die gezielte Sichtbarmachung lokaler weiblicher DJs, also genau jener Ebene, die laut Bachelorarbeit am stärksten verschlossen ist. Statt bekannte Namen zu buchen, wurden bewusst lokale Künstlerinnen gesucht und auf einer professionellen Plattform präsentiert. Die Sets wurden von Amebe, einer Multicam-Aufnahmefirma, aufgezeichnet und auf Social Media veröffentlicht, um die Reichweite und Sichtbarkeit der Artists über den Event hinaus zu erhöhen.
Das Projekt verfolgte damit zwei Ziele: einerseits weniger sichtbaren DJs eine Bühne zu geben, andererseits die Vernetzung lokaler Künstlerinnen zu fördern und so einen Beitrag zu nachhaltigen beruflichen Netzwerken zu leisten.
Onepager zum Projekt: Shewaves








Fotos & Film: Amebe