Neuroinklusive Eventgestaltung
Wie Events der neurodiversen Vielfalt im Autismus-Spektrum gerecht werden können
Psychologie interessiert mich schon seit meiner Schulzeit. Angefangen bei der Entwicklungspsychologie von Kindern, über Schizophrenie, bis hin zur Neurodivergenz – dieses Interesse hat sich über die Jahre immer weiterentwickelt. Besonders beschäftigt hat mich dabei die Frage, wie unterschiedlich ein Gehirn funktionieren kann, und die Erkenntnis, dass Neurodivergenz weit mehr Menschen betrifft, als oft angenommen wird. Als ich mit einer Freundin über mögliche Bachelorthemen nachdachte, war für mich schnell klar, dass es etwas mit Psychologie und mit meiner anderen Leidenschaft, der Gestaltung und den Events zu tun haben sollte. Neurodivergenz erschien mir dafür passend, weil es dabei genau um die unterschiedliche Wahrnehmung und das unterschiedliche Erleben der Umwelt geht.
Im Laufe dieser Überlegungen ist mir zudem aufgefallen, wie unterschiedlich das gesellschaftliche Bewusstsein für verschiedene Formen von Neurodivergenz ausgeprägt ist. Über ADHS wird mittlerweile recht offen gesprochen, und ein gewisses Grundwissen ist in der Gesellschaft vorhanden. Beim Thema Autismus sieht das noch anders aus: Das Wissen darüber sowie die offene Kommunikation sind deutlich seltener. Diese Beobachtung, zusammen mit meinem persönlichen Interesse am Thema, hat mich schliesslich dazu bewegt, mich in meiner Bachelorarbeit intensiv mit Autismus auseinanderzusetzen und dabei meine beiden thematischen Interessen zusammenzuführen.
Mir war es bei dieser Arbeit sehr wichtig, dass das diese Arbeit nicht über, sondern mit Innenansichten von Autist:innen realisiert wird.
Thesis
In der Thesis meiner Bachelorarbeit wird untersucht, wie Events neuroinklusiv für Menschen im Autismus-Spektrum (ASS) gestaltet werden können. Dafür wird folgende Forschungsfrage formuliert:
«Wie kann Eventgestaltung konzipiert werden, dass sie der neurodiversen Vielfalt, insbesondere im Autismus-Spektrum, gerecht wird?»
Begleitende Unterfragen befassen sich damit, wie ein positives, sicheres und selbstbestimmtes Eventerlebnis von Menschen im Autismus-Spektrum beschrieben wird, welche individuellen Wahrnehmungs-, Struktur- und Kommunikationsbedürfnisse sich im Eventkontext zeigen und welche gestalterischen sowie organisatorischen Prinzipien sich daraus für eine neuroinklusive Eventkonzeption ableiten lassen.
Zur Beantwortung der Forschungsfrage wird ein Mixed-Method-Ansatz gewählt. Dazu werden fünf problemzentrierte Interviews mit Autist:innen geführt und mittels MaxQDA ausgewertet. Ergänzend wird eine quantitative Online-Umfrage unter Menschen im Autismus-Spektrum durchgeführt und deskriptiv-statistisch mit SPSS analysiert.
Anhand der herausgefundenen Daten konnte ich dann mein Lehrprojekt zusammen mit der Eventlocation Salzhaus Winterthur realisieren.
Lehrprojekt
In Zusammenarbeit mit dem Salzhaus durfte ich ihnen einen Leitfaden schreiben, wie sie die Handhabung im Event-Alltag anpassen könnten, dass ihre Location noch Barrierefreier wird. Ich durfte mit der zuständigen Frau eine Tour durchs Salzhaus machen, während eines Konzertes, um sehen zu können, wie die Räumlichkeiten und Zulänglichkeiten während eines laufenden Events aussehen.
Dank meinen Interviews und der Online Recherche konnte ich dann diesen Leitfaden realisieren und ihnen mitgeben. Zusätzlich habe ich dem Awarenessteam kurze hochformat Refresh-Videos erstellt, wie in verschiedene herausfordernden Situationen gehandelt werden sollte. Ich habe mir fünf Situation ausgesucht und diese dann in lässigen Videos gezeigt. Leider darf ich diese nicht frei ins Internet laden, da diese für interne Zwecke genutzt werden und nicht freizugänglich sein sollten.
Neben dieser Videos durfte ich ihnen auch noch Kommunikationskarten erstellen, die in Situationen gebraucht werden können, in welchen das Gegenüber nicht mehr richtig kommunizieren kann oder die Sprache nur sehr schlecht versteht. Dabei konnte ich mich an eine Vorlage des Lila Festivals halten und aber gewünschte Dinge des Salzhauses noch hinzufügen. Es sind 36 Kärtchen mit jeweils englischer und deutscher Beschriftung sowie mit Bildern vereinfacht.




Damit jedoch nicht nur das Salzhaus von meiner Recherche profitiert, sondern alle möglichen Veranstalter:innen zugriff haben, gestaltete ich eine Webseite, mit den wichtigsten Informationen.
Auf dieser Webseite wird kurz erklärt, warum es wichtig ist, dass solche Veränderungen in der Eventbranche wichtig sind und es hat aber auch gleichzeitig abschnitte mit verschiedenen Kacheln die angeklickt werden können, auf welchen dann Beispiele zu konkreten Verbesserungen vorgeschlagen werden.
Diese Webseite findet ihr anhand von diesem Link https://moosjulia.ch/NeuroinklusiveEvents.html
Besuch gerne die Webseite und pass deinen nächsten Event so an, dass er für möglichst alle Menschen zugänglich ist und alle die Events geniessen können die sie gerne möchten.
