Mundart in Kinderohren

Wer mich kennt, weiss, dass ich über Dialekte stundenlang reden könnte. Die sprachliche Vielfalt der Schweiz fasziniert mich schon immer, im Studium ist die Begeisterung für Audio dazugekommen, und Kinderlieder und Hörspiele begleiten mich sowieso, seit ich als Kind gefühlt jedes «Kassettli» rauf und runter gehört habe. In meiner Bachelorarbeit ist all das zusammengekommen. Jetzt ist sie abgegeben, darum hier ein kurzer Überblick über beide Projekte.

Die Thesis: «Schweizerdeutsche Kinderlieder und ihr Potenzial für Dialektbewusstsein und Zugehörigkeit»

In der Deutschschweiz gehört der Dialekt zur Identität, und Kinder wachsen früh über das gemeinsame Singen in ihre Sprache hinein. Wie schweizerdeutsche Kinderlieder aufgebaut sind und was sie bei Kindern bewirken können, ist bisher aber kaum untersucht. Ich habe darum drei Lieder mit einer qualitativen Inhaltsanalyse untersucht und drei Expert:innen befragt, einen Kinderliedermacher, eine Fachdidaktikerin für Musik und Rhythmik und eine Dialektologin.

Kurz zusammengefasst folgen die Lieder grösstenteils den Regeln, die ein Kinderlied singbar und einprägsam machen. Zugehörigkeit entsteht aber weniger im einzelnen Liedtext als im gemeinsamen Singen. Und den Dialekt erhalten die Lieder kaum, sie können Kinder aber mit ihm vertraut machen, besonders Kinder mit einer anderen Erstsprache.

Das Lehrprojekt: «S gstohlene Lache»

Der zweite Teil ist ein Dialekthörspiel für Kindergartenkinder. Mila, eine neugierige Katze aus Zürich, sagt ihrem besten Freund Bruno unbedacht, sein Lieblingswitz sei gar nicht lustig. Bruno lacht nicht mehr, und statt sich zu entschuldigen, zieht Mila los, um den allerbesten Witz der Schweiz zu finden.

Auf der Reise treffen die beiden neun weitere Tiere, jedes mit einem eigenen Dialekt oder einer eigenen Sprache. Ein Eichhörnchen aus der Ostschweiz, ein Steinbock aus der Surselva, eine Eidechse aus dem Tessin, Schwarznasenschafe aus dem Ober- und Unterwallis, eine Berner Biene, ein Nidwaldner Rind und ein Basler Storch. Und Mila merkt langsam, dass es nie um den perfekten Witz ging, sondern um eine Entschuldigung.

Am Ende geht es darum, dass Fehler machen normal ist und dass man sie eingestehen soll.

Hier gehts zum Hörspiel.