Shooting für Chosen Performance
Für die Sportmarke Chosen Performance war ein Outdoor-Shooting bei der Mainstation Chur, zwei Indoor-Locations und saubere Produktbilder des neuen Windbreakers für den Onlineshop geplant. Was daraus wurde, hatte mit dem ursprünglichen Plan nur noch wenig zu tun und war gerade deshalb eines meiner wertvollsten fotografischen Experimente bisher.

Bevor das Shooting stattfinden konnte, investierte ich mehrere Stunden in die Vorbereitung. Dazu gehörte die Abstimmung mit dem Brand Owner bezüglich der Ziele des Shootings sowie die Festlegung, was für Bilder für Social Media und den Onlineshop benötigt werden. Parallel dazu recherchierte ich aktuellen Content von vergleichbaren Fitness- und Lifestyle-Brands, um ein besseres Verständnis für die gewünschte Bildsprache zu entwickeln. Auf dieser Grundlage entstand ein Moodboard mit Bildreferenzen von Pinterest, Perspektiven und konkreten Posing-Referenzen. Letzteres war besonders wichtig: Wir arbeiteten mit zwei weiblichen Models, von denen eine bereits Shooting-Erfahrung hatte, für die andere war es das erste Mal. Die Posen-Referenzen im Moodboard halfen enorm, unsere Vorstellung schnell und klar zu kommunizieren. Auch der Brand Owner war vor Ort und brachte seine Wünsche direkt ein.

Der Tag startete draussen bei der Mainstation. Geplant war, vor dem Indoor-Shooting noch ein paar Outdoor-Aufnahmen zu machen, aber der Regen machte dem einen Strich durch die Rechnung. Der Regen war zu heftig, alles war komplett nass. Also improvisierten wir: Spontan drehten wir ein Reel für Social Media in einem Lift in einem Gebäude nebenan, eine Location, die wir nie geplant hatten, die aber eine völlig andere, interessante Ästhetik mitbrachte. Danach weiter ins Italy 1901 als erste geplante Indoor-Location, anschliessend ins The Rutz als zweite Location.
Für dieses Shooting habe ich bewusst mit meinem vertrauten Setup gearbeitet und damit ein bisschen experimentiert. Dafür habe ich die Sony Alpha 7 IV verwendet.
- Objektive: 24–70 mm f/2.8 und 16–35 mm f/2.8
- Licht: Godox-Aufsteckblitz und zwei Softboxen
- Stabilisierung: alles aus der Hand fotografiert
Während des Shootings konnte ich flexibel zwischen unterschiedlichen Brennweiten, Perspektiven und Bildkompositionen wechseln und spontan ausprobieren, welche Perspektiven am besten funktionieren. Dadurch entstanden von denselben Szenen jeweils mehrere Varianten. Gleichzeitig musste ich laufend auf wechselnde Lichtverhältnisse, die räumlichen Gegebenheiten der Locations und spontane Ideen des Auftraggebers reagieren. Ein Teil des Projekts bestand deshalb auch darin, kreative Entscheidungen direkt vor Ort zu treffen und flexibel auf neue Situationen zu reagieren.
Rund 1000 Bilder entstanden am Shooting-Tag. In mehreren Auswahlrunden wurden diese auf ca. 50 finale Bilder reduziert, ein Prozess, der sehr viel Zeit beanspruchte. Die gesamte Nachbearbeitung dauerte drei volle Arbeitstage, inklusive viel Ausprobieren und dem Anschauen von Tutorials, um neue Techniken direkt im Projekt anzuwenden. Der Bearbeitungsprozess bestand nicht nur aus dem eigentlichen Retuschieren und Bearbeiten der Bilder. Ein erheblicher Teil der Zeit floss in das Sichten, Bewerten, Vergleichen und Aussortieren der Aufnahmen. Die finale Auswahl entstand in mehreren Durchgängen. Erst danach begann die eigentliche Bildbearbeitung.
Die finalen Bilder sind bereits im Webshop von Chosen Performance live, der Social-Media-Content wird noch gepostet. Die Bearbeitung in Lightroom stand dabei im Fokus meines persönlichen Lernziels: Ich habe mich intensiv mit Masken auseinandergesetzt und deren Einsatz für gezielte lokale Anpassungen geübt. Die Bilder wurden bewusst zweigeteilt bearbeitet, atmosphärisch und kontrastreich für Social Media, neutral und farbtreu für die Produktbilder im Onlineshop.























(mbi)
Der Regen war zunächst frustrierend, im Nachhinein war er eines der besten Dinge, die passieren konnten. Die spontane Lift-Idee hat gezeigt, dass guter Content nicht immer die perfekte Location braucht, sondern oft aus Einschränkungen entstehen. Dieses Mindset möchte ich in künftige Projekte mitnehmen.
Was ich klar verbessern würde: die Shooting-Logistik. 1000 Bilder auf zwei Kategorien (Lifestyle vs. Produkt) zu verteilen und dann auszuwählen, war zeitintensiver als geplant. Eine detailliertere Shot-List hätte am Set für klarere Abläufe gesorgt und den Auswahlprozess danach vereinfacht.
Lightroom-Masken waren für mich neu, und ich merke, wie viel Kontrolle sie über das Bild geben. Belichtungs- und Farbanpassungen konnte ich damit präziser steuern. Das ist eine Technik, die ich ab jetzt in jedem Projekt einsetzen werde.
Zusätzlich wurde mir bewusst, wie wichtig ein strukturierter Datenworkflow ist. Die Verwaltung von über 1000 RAW-Dateien, verschiedenen Bearbeitungsständen und Exportversionen erforderte deutlich mehr Organisation als erwartet. Für zukünftige Shootings möchte ich deshalb bereits vor dem Import eine klarere Ordner- und Benennungsstruktur definieren.
Die Zusammenarbeit mit Chosen Performance war unkompliziert und motivierend, das fertige Bild-Set wurde positiv aufgenommen. Persönlich nehme ich mit, dass ich die technische Seite der Fotografie noch weiter vertiefen möchte. Dieses Projekt war ein guter erster Schritt in diese Richtung und hat mir Lust auf mehr kommerzielle Fotografie-Aufträge gemacht.
Insgesamt hat mich dieses Projekt in meinen fotografischen Skills einen deutlichen Schritt weitergebracht.