Der Hofcontainer bekommt ein Logo
Ein klobiger Container, der plötzlich Wärme ausstrahlt: Für den Hofladen eines guten Freundes durfte ich ein komplett neues Logo gestalten und ihm ein detailreiches, einladendes Gesicht verleihen.
Ein guter Freund von mir betreibt einen eigenen Hofladen in einem umgebauten Container. Da er für seinen Auftritt dringend ein neues, passendes visuelles Aushängeschild brauchte, durfte ich die komplette Neugestaltung übernehmen. Es ist ein tolles Gefühl zu wissen, dass ich künftig jedes Mal, wenn ich dort frische Beeren einkaufen gehe, mein eigenes Werk betrachten kann. Gleichzeitig bringt ein solches Projekt für jemanden aus dem direkten Umfeld auch ganz eigene Herausforderungen mit sich: Man möchte gestalterisch überzeugen, muss aber auch den persönlichen Geschmack des «Kunden» zu hundert Prozent treffen.
Da für den Container bisher noch kein durchdachtes Corporate Design existierte, bauten wir die visuelle Basis von Grund auf neu auf. Ziel war es, ein digital handgezeichnetes Logo zu entwickeln, das die Identität des Hofladens treffend widerspiegelt und die Kundschaft aus der Region anspricht. Um dieses Projekt umzusetzen, entschied ich mich, direkt zu Beginn in die für mich komplett neue Open-Source-Zeichensoftware «Krita» einzutauchen.

Der Container selbst ist das absolute Alleinstellungsmerkmal des Ladens und musste zwingend im Zentrum stehen. Das war gestalterisch eine harte Nuss: Ein Container ist dunkel, klobig und wirkt von Natur aus eher kalt. Um das Gesamtbild dennoch fröhlich und positiv wirken zu lassen, arbeitete ich stark mit warmen Farben. Auf expliziten Wunsch meines Kollegen fügte ich zudem eine leuchtende Sonne im Hintergrund sowie eine grüne Umgebung hinzu.

Das Logo sollte ganz bewusst einen ländlichen, leicht altmodischen Touch haben, um einladend zu wirken. Die verschiedenen Früchte (Heidelbeeren, Himbeeren, Erdbeeren, Brombeeren, ein Apfel, Kirschen und eine Birne) zeichnete ich alle einzeln und mit viel Liebe zum Detail von Hand in Krita.








Bei den Schriftzügen experimentierte ich intensiv herum, um den ländlichen Charme auch typografisch abzurunden. Bei unserer finalen Besprechung legte ich dem «Kunden» fünf verschiedene Schriftarten vor. Für ihn war ohne Zögern klar, welche er für seinen Hofcontainer haben möchte.

(mmi)
Beim Gestalten des neuen Logos für den Hofladen eines guten Freundes war der Abstimmungsprozess besonders intensiv und hat mir einen sehr lehrreichen inneren Konflikt aufgezeigt. Grundsätzlich zeichne ich sehr gerne und verliere mich oft in vielen kleinen Details. Im Unterricht lernen wir jedoch stets, dass Logos so simpel, reduziert und minimalistisch wie möglich sein sollten. Eigentlich möchte ich mich genau diesem reduzierten Ansatz mehr widmen, da mir das Weglassen oft noch schwerfällt und ich dazu tendiere, meine Designs schnell mal zu überladen.
Zu Beginn der Gestaltungsphase hatte ich meinem Kollegen daher auch ganz bewusst eine Logo-Variante vorgeschlagen, die mit deutlich weniger Details und einfachen Füllfarben auskam. Dieser Ansatz kam bei ihm jedoch weniger gut an. Ironischerweise hat bei diesem Projekt genau mein Hang zum Detailreichen und leicht «Überladenen» exakt den Geschmack des «Kunden» getroffen. Er wünschte sich explizit die vielen kleinen Ausarbeitungen bei den Früchten sowie den ländlichen, etwas altmodischeren Vibe. Auch wenn ich eigentlich das Vereinfachen üben wollte, gilt in der Praxis am Ende die goldene Regel: Der Kunde ist König. Also passte ich mich an, investierte gerne die Zeit in die detaillierte Ausarbeitung und setzte seine Vision um.
Besonders begeistert war ich bei diesem Projekt von der Software Krita, die ich im Rahmen der Gestaltung komplett neu erlernt und erprobt habe. Dafür, dass das Programm gratis ist, bin ich enorm beeindruckt. Das Arbeiten fühlte sich sehr intuitiv an, und die Software ist während des gesamten, teils sehr detailreichen Zeichenprozesses nur äusserst selten abgestürzt (passiert mir normalerweise am Laufmeter) wirklich ein top Tool.
Insgesamt konnte ich durch dieses Projekt enorm viel für meine spätere Berufspraxis mitnehmen und meine digitalen Zeichnungsfähigkeiten weiter ausbauen. Es hat mir eindrücklich gezeigt, wie wichtig es ist, einen guten Mittelweg zwischen den theoretisch gelernten Gestaltungsregeln, den eigenen Präferenzen und den sehr konkreten Wünschen des Auftraggebers zu finden. Dass am Ende ein Logo entstanden ist, mit dem der Inhaber wunschlos glücklich ist, ist der schönste Projektabschluss.