Ein Wikinger-Logo für das Jubla-Sommerlager
Ein neues Logo für eine unvergessliche Zeit: Für das anstehende Sommerlager von Jungwacht und Blauring in Gams durfte ich das visuelle Erkennungsmerkmal zum Thema «Wikinger» gestalten.
Seit ich klein bin, ist die Jubla ein fester Bestandteil meines Lebens, und seit bald zehn Jahren engagiere ich mich mit Herzblut als Leiterin. Die zweiwöchigen Sommerlager sind für mich jedes Jahr aufs Neue die prägendste und intensivste Zeit. Damit verbunden sind unzählige Erinnerungen – und diese hängen oft extrem stark mit den jeweiligen Lagerlogos zusammen. Es ist nicht nur ein simples Bild auf einem T-Shirt; es ist das visuelle Fundament für zwei Wochen voller Abenteuer. Jedes Lagerzeichen weckt sofort Emotionen und Bilder im Kopf; die Logos der meisten vergangenen Lager sehe ich sofort klar vor meinem inneren Auge.
Genau deshalb war es mir eine absolute Herzensangelegenheit, für unser Lager in Gams ein starkes Motiv zu kreieren, das den perfekten Vibe einfängt, die Kinder direkt in die Welt der Wikinger eintauchen lässt und uns allen als schöne visuelle Erinnerung bleibt. Ein solch bedeutendes Projekt bringt jedoch auch gestalterische Herausforderungen mit sich: Ein starkes Thema verlangt nach einer intensiven Auseinandersetzung, was in vielen Skizzen und noch sehr viel mehr Farbkombinationen resultierte.
Das Projekt umfasste die vollumfängliche Gestaltung eines Lagerlogos. Das primäre Ziel war es, ein visuelles Erkennungsmerkmal zu schaffen, das sich vielseitig und in hervorragender Lesbarkeit auf unterschiedlichen Medien – von T-Shirts und Caps bis hin zum gedruckten Lagerdossier – einsetzen lässt. Da sich das Angebot in erster Linie an Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis 15 Jahren richtet, lag der Fokus darauf, das Design besonders kinderfreundlich, ansprechend und abenteuerlustig zu gestalten.
Der kreative Prozess begann ganz offen mit einer ausgiebigen Ideensuche und Strukturierung. Ich erstellte zunächst eine umfassende Liste mit Begriffen, Assoziationen und Gegenständen, die in die Wikinger-Welt passen könnten. Um meinen Workflow weiterzuentwickeln, entschied ich mich bei diesem Projekt für einen komplett digitalen Ansatz. Anstatt wie gewohnt zuerst zu Papier und Bleistift zu greifen, entstanden bereits die allerersten, groben Skizzen direkt auf dem Bildschirm.
Zudem nutzte ich dieses Projekt als Gelegenheit, mich in eine neue Software einzuarbeiten: Adobe Fresco. Da ich davor noch nie mit diesem Programm gearbeitet hatte, musste ich mir zunächst die Benutzeroberfläche, die Handhabung der verschiedenen digitalen Pinsel und die spezifischen Werkzeuge aneignen. Diese Einarbeitung brauchte anfangs zwar etwas Geduld, ermöglichte es mir aber, die Wikinger-Thematik sehr spielerisch und direkt digital umzusetzen.



Nachdem die Grundform des Motivs stand, ging es an die Ausarbeitung der Details und vor allem an das Erkunden der passenden Farbwelt, um das Logo für die finalen Druck- und Webformate optimal aufzubauen.





Parallel experimentierte ich mit diversen Schriftarten, die den rauen, aber dennoch verspielten Charakter der Wikinger unterstreichen sollten. Schlussendlich habe ich mich jedoch ganz bewusst gegen eine vorgefertigte Typografie entschieden und den Text stattdessen von Hand gezeichnet. Der Grund dafür ist simpel: Das Logo sollte möglichst selbstgemacht und handgezeichnet aussehen. Diese persönliche, leicht unperfekte Note spricht die Kinder viel direkter an als eine cleane Computerschrift und vervollständigt den gesamten, abenteuerlichen Vibe des Lagers einfach perfekt.

(mmi)
Rückblickend muss ich feststellen, dass ich mich im Vorfeld des Projekts etwas verschätzt habe…nicht zwingend im eigentlichen Gestaltungsaufwand, sondern vor allem in meiner Zeitplanung. Ich konnte mich leider nicht ganz an meinen eigenen Zeitplan halten. Obwohl mir die Arbeit am Logo und das Entdecken von Adobe Fresco riesigen Spass gemacht haben, liess ich das Projekt nach einer sehr motivierten und produktiven Anfangsphase extrem schleifen. Parallel forderten viele andere aufwendige Schulprojekte in meinem Studium meine volle Aufmerksamkeit. Das rächte sich gegen Ende massiv: Plötzlich entstand ein enormer Zeitdruck, das Logo für die weiteren Planungsschritte der Lagerleitung noch rechtzeitig fertigzustellen. Daraus nehme ich für die Zukunft definitiv die Lehre mit, mich strikter an Fristen zu orientieren und Puffer für unvorhergesehene Verzögerungen einzuplanen.
Ein riesiger Zeitfresser war zudem die Farbentscheidung, die mich beinahe in den Wahnsinn getrieben hat. Ich konnte mich schlichtweg nicht auf eine Kombination festlegen und habe unzählige Farbvarianten ausprobiert. Wenn ich mich am Abend endlich für eine Farbwelt entschieden hatte und am nächsten Tag an der Datei weiterarbeitete, verwarf ich die Idee meist direkt wieder. Anstatt mich dann aber analytisch für eine andere bestehende Variante zu entscheiden, erstellte ich zuerst wieder x neue Kombinationen. In dieser unsicheren Phase holte ich auch immer wieder die Meinungen verschiedener Leitungspersonen ein. Da sich diese naturgemäss nie einig waren (jeder hatte einen anderen Favoriten), hat mich dieses ständige, ungefilterte Feedback zeitweise nur noch unsicherer gemacht und den Prozess weiter in die Länge gezogen.
Gestalterisch war die grösste und lehrreichste Herausforderung für mich die Reduktion. Es fällt mir in meinen Arbeiten generell wahnsinnig schwer, Dinge «einfach» und plakativ zu halten. Ich tendiere oft dazu, zu viel auf einmal abbilden zu wollen, mich in kleinen Details zu verlieren und Designs dadurch unnötig kompliziert zu machen. Obwohl das von Anfang an definierte Ziel ein simples, gut reproduzierbares Logo war, fiel es mir beim Zeichnen in Adobe Fresco nicht leicht, es wirklich minimalistisch zu halten. Ich habe dem Drang nach zu vielen Details widerstanden und mir grosse Mühe gegeben, das Motiv so simpel wie möglich auf das Wesentliche zu reduzieren. Dennoch sehe ich hier für meine persönliche gestalterische Entwicklung definitiv noch sehr viel Luft nach oben.
Trotz des selbstverschuldeten Zeitdrucks, der Einarbeitungshürden in das neue Programm und des zähen Farb-Findungsprozesses bin ich mit dem Endresultat zufrieden. Besonders stolz bin ich darauf, dass es mir gelungen ist, die traditionellen Symbole von Jungwacht und Blauring harmonisch und unaufdringlich in das Design einzuarbeiten. Sie wirken ganz natürlich integriert und absolut nicht einfach lieblos «hineingedrückt». Das Gesamtbild ist für die Kinder sehr ansprechend und einladend geworden, und das Thema Wikinger ist auf den allerersten Blick erkennbar. Einzig bei der finalen Farbwahl bleibt wohl immer dieser kleine Restzweifel…. da bin ich mir vermutlich auch nach dem Druck der T-Shirts noch nicht sicher.