Von meiner Mama gelernt, für Instagram aufbereitet
@vonmamagelernt ist ein Instagramkanal über Heilpflanzen, die in der Schweiz heimisch sind. Die Idee entstand auf einer Wanderung mit meiner Mama und der Frage, wieso Pflanzenwissen bei unserer Generation so wenig ankommt und was man dagegen tun könnte. Mit kanalgerechten Informationen, handgezeichneten Skizzen und farbenfrohen Posts will ich zeigen, dass Pflanzenwissen auch cool sein kann.
Meine Mama ist eine richtige Kräuterhexe und hat mir unterwegs erklärt, was am Wegrand wächst und was man damit machen kann. Ich fand das Thema schon immer mega spannend, hatte aber nie wirklich einen Zugang dazu gefunden. Ich habe immer wieder faszinierende Dinge von meiner Mama dazu gehört. Was ich aber auf den Plattformen die ich gerne nutze dazu fand, war meist überladen mit Informationen, nicht plattformgerecht und wenig greifbar. Man sieht eine Liste mit Wirkungen wie «entzündungshemmend» und weiss trotzdem nicht, was man mit der Pflanze konkret anfangen soll.
Mein Ziel war ein Kanal, der Pflanzenwissen ernst nimmt, aber in einem Format aufbereitet ist, das jüngere Menschen wirklich abholt. Dafür habe ich mit kräftigen Farben, starken Kontrasten und einem klaren, wiedererkennbaren Aufbau gearbeitet. Jede Pflanze bekommt einen eigenen Carousel-Post mit fünf Slides: eine Titelskizze, Erkennungsmerkmale, Heilwirkung, ein konkretes Rezept und ein Funfact. Das Rezept war mir besonders wichtig, damit der Schritt vom Wissen zur Anwendung klar wird.



Den gestalterischen Ausgangspunkt bilden handgezeichnete Skizzen, die ich mit Procreate auf dem iPad erstellt habe. Ich bin für mehrere Pflanzen rausgegangen und habe versucht, sie direkt in der Natur zu zeichnen. Das hat mal besser, mal weniger gut funktioniert. Bei starker Sonne sieht man auf dem Display kaum etwas und eine Pflanze isoliert zu erfassen ist schwieriger als man denkt. Ab der dritten Skizze habe ich angefangen zuerst Fotos zu machen und diese dann als Referenz zu nutzen, was den Prozess deutlich leichter gemacht hat.
Für die Inhalte der Posts habe ich zuerst online recherchiert, war dann aber unsicher wie verlässlich die Quellen sind und bin schliesslich zu meiner Mama gefahren und habe in ihren Büchern nachgeschaut. Das hat definitiv mehr Zeit gebraucht, aber ich wusste danach, dass ich mich auf die Angaben verlassen kann. Und irgendwie hat es sich auch richtig angefühlt dieses oft sehr traditionelle Wissen aus Büchern zu sammeln.
Als zusätzliche Challenge habe ich in diesem Projekt bewusst auf digitale Inspiration und KI-Unterstützung beim Kreativ- und Inhaltskonzept verzichtet. Zuerst habe ich mich ausgiebig damit befasst, welche Struktur sinnvoll ist und was man alles braucht. Dann habe mit analogen Skizzen angefangen und so verschiedene Designrichtungen ausprobiert. So ist Schritt für Schritt mein finales Konzept entstanden. Das war zu Beginn echt ziemlich ungewohnt, weil ich mittlerweile schon fast intuitiv KI-Tools oder Pinterest nutzte. Es hat sich am Ende aber definitiv gelohnt.
(mmi)
Was mich im Nachhinein am meisten überrascht hat war, wie ungewohnt es sich angefühlt hat, ohne digitale Vorlagen und KI-Unterstützung zu starten. Ich merke, wie selbstverständlich diese Tools in meinen Prozess eingeflossen sind und wie sehr ich mich manchmal darin einschränke ohne es wirklich zu merken. Wenn ich zu Beginn generierte Varianten sehe, limitiere ich mich schnell in diesen Bahnen, wenn auch nur unterbewusst. Das Konzept ist diesmal langsamer gewachsen, aber es ist wirklich meins geworden und das Ergebnis fühlt sich deshalb viel mehr nach mir an.
Das Skizzieren in der Natur war eine schöne Idee, die in der Praxis holpriger war als gedacht. Das kostete Zeit und Nerven. Der Wechsel zu Fotoreferenzen war die richtige Entscheidung, auch wenn ich anfangs das Gefühl hatte, damit etwas im Prozess zu verlieren.
Die Recherche hat mich länger beschäftigt als geplant. Ich hatte unterschätzt, wie viel Halbwissen im Netz kursiert wenn es um Heilpflanzen geht. Ich hatte meine erste Recherche mit meiner Mama geteilt und sie konnte mich zum Glück auf viele Fehlinformationen aufmerksam machen. Die zweite Recherche in ihren Bücher hat sich daher definitiv gelohnt, inhaltlich und auch weil ich dabei selbst viel gelernt habe.
Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, vor allem mit dem Kreativkonzept. Was mich etwas stört, ist dass der Kanal im Moment noch etwas eindimensional wirkt. Sieben Posts mit demselben Aufbau funktionieren als Serie, aber es fehlt noch Abwechslung im Format. Ich hätte die Rezept-Slides zum Beispiel gut als kurze Reels umsetzen können, oder die Funfacts als Story-Format für die Postwerbung. Das sind Ideen, die ich vielleicht im nächsten Semester weiterverfolgen möchte.
Noch beim Verfassen dieses Beitrags habe ich gemerkt, dass der persönliche Ursprung des Projekts im Kanal selbst kaum sichtbar war. Die Wanderung mit meiner Mama, ihr Wissen, das sie mir weitergegeben hat, also der eigentliche Kern der Idee, tauchte auf dem Kanal so gut wie nicht auf. Ich habe mich deshalb entschieden, den Kanalnamen, die Bio und die Captions nochmal zu überarbeiten und den emotionalen Zugang stärker reinzubringen. Das hat nochmal Zeit gebraucht, aber der Kanal wurde dadurch deutlich persönlicher.