Die Meisterlegende Jürgen Mohr

Jürgen Mohr schoss im Sommer 1989 den FC Luzern zum bislang einzigen Meistertitel der Klubgeschichte. Im Film blickt der heute 67-jährige Deutsche auf seine Zeit in Luzern zurück und erzählt erstmals vor der Kamera brisante Details.

Einordnung

Am 10. Juni 1989 steht die Schweizer Fussballwelt Kopf. Der FC Luzern, in den Medien zuvor als Abstiegskandidat gehandelt, reüssiert im vorletzten Spiel der Meisterschaft gegen Servette und holt den Kübel in die Innerschweiz. Der damals 30-jährige Jürgen Mohr veredelte in der 60. Minute einen Querpass von Urs Birrer und sorgte dafür, dass auf der übervollen Allmend bei strömendem Regen alle Dämme brachen.

«Gefühlt war ganz Luzern im Stadion», sagt Jürgen Mohr 36 Jahre später. «Da steigen einem heute noch die Nackenhaare auf.» Mittlerweile lebt er mit seiner Partnerin in Longkamp, einem ländlichen Dorf in Rheinland-Pfalz.

«Ich hätte gerne länger in Luzern gespielt», erzählt Jürgen Mohr. Dass er auf dem Höhepunkt seiner Karriere den FC Luzern um Präsident Romano Simioni und Trainer Friedel Rausch verliess und einen Vertrag in Sion unterschrieb, prägte damals die Schlagzeilen. Sogar von Erpressung war die Rede. Was damals tatsächlich geschah, erfuhr die FCL-Legende erst rund 30 Jahre später. Im Film bringt Jürgen Mohr nun Licht ins Dunkel.

Hinweis: Da unser Film auf verschiedenen Medienportalen erst noch gezeigt wird, ist er derzeit noch nicht öffentlich zugänglich.

Die Idee
Alles begann im Sommer bei einem gemeinsamen Feierabendbier mit einer ersten Idee. Da wir – Lukas, Thomas und Pascal – fussballbegeistert sind, waren wir uns schnell einig, dass wir einen Dokumentarfilm rund um die bekanntlich schönste Nebensache der Welt drehen möchten. Was wir damals noch nicht ahnten: Das Filmprojekt würde uns rund 500 Kilometer nach Deutschland zu einer Meisterlegende des FC Luzern führen – und uns viele spannende Begegnungen bescheren.
Zunächst diskutierten wir verschiedene mögliche Themen und Protagonisten. Schliesslich entstand die Idee, den ersten und bislang einzigen Meistertitel des FC Luzern aus dem Jahr 1989 wieder aufleben zu lassen. Bei der Wahl des Hauptprotagonisten waren wir uns schnell einig: Wir wollten Jürgen Mohr für unseren Film gewinnen. Mit seinem entscheidenden Tor gegen Servette schoss er den FCL zum Meistertitel und erlangte damit im Umfeld des Vereins Legendenstatus. In den Schweizer Medien war es jedoch ruhig um ihn geworden. «Dieser Mann hat bestimmt viel zu erzählen», dachten wir uns.
Wir begannen zu recherchieren: Was macht Jürgen Mohr heute, wo lebt er, und was weiss die Öffentlichkeit über ihn? Über einen deutschen Journalisten organisierten wir den Kontakt zu Jürgen Mohr – und fragten ihn an.
Seine Zusage freute uns sehr. Von diesem Zeitpunkt an konnten wir mit der konkreten Planung beginnen. Wir erarbeiteten ein Grobkonzept und fixierten die Drehtage. Die Filmlänge wollten wir bewusst kurz halten, um bei den Publikationskanälen möglichst flexibel zu bleiben.
Unser grösstes Learning:
Es lohnt sich, beim Organisieren eines Protagonisten die Extrameile zu gehen.

Der Dreh
Nach intensiver Vorbereitung standen endlich die Drehtage an. Voller Vorfreude und mit einem voll beladenen Auto nahmen wir die Strecke nach Longkamp unter die Räder. Vor Ort trafen wir uns direkt mit Jürgen auf dem Fussballplatz, um erste Aufnahmen zu machen und ihn besser kennenzulernen. Anschliessend besichtigten wir sein Haus für den Dreh am folgenden Tag.
Am Set waren die Aufgaben klar verteilt:
Lukas übernahm den Lead bei den Kameras und bediente Kamera A. Thomas war für Kamera B (Sidecam) sowie für die Drohne zuständig. Der Ton wurde mit Lavalier-Mikrofonen von RØDE aufgezeichnet, für zusätzliche Audioaufnahmen kam das Zoom H5 zum Einsatz. Pascal führte Regie, interviewte die Protagonisten und kümmerte sich um organisatorische Belange.
Am zweiten Drehtag stand das Hauptinterview auf dem Programm. Wir bauten Licht und Kameras auf und instruierten Jürgen. Die Platzverhältnisse waren sehr eng, da wir das Interview bewusst im Keller bei der Treppe drehen wollten, wo zahlreiche Bilder aus Jürgens Karriere einen passenden Hintergrund bildeten.
Nach über einer Stunde war das Interview im Kasten. Noch vor Ort sichteten wir das Material erstmals auf dem Laptop. Da wir im S-Log-Profil aufgenommen hatten, zeigte sich erst im Schnittprogramm, wie das Bild tatsächlich wirkte. Das Resultat entsprach nicht unseren Erwartungen: Das Licht wirkte trotz Tests zu stark und erzeugte ein unschönes Bild, zudem war die Tonqualität aufgrund der Raumakustik nur suboptimal.
Glücklicherweise hatten wir einen dritten Drehtag als Backup eingeplant, den wir nutzten, um ein kürzeres, aber qualitativ deutlich besseres Interview zu drehen. Am Abend schärften wir gemeinsam die Interviewfragen, um Jürgens Zeit am nächsten Morgen effizienter zu nutzen.
Rund drei Wochen später folgte der nächste grosse Drehtag mit Claudio Lustenberger, langjährigem Captain und aktuellem Assistenztrainer des FC Luzern. Gedreht wurde auf der Tribüne des Stadions. Während unseres Interview-Slots war der Platzwart allerdings noch mit dem Rasenmähen beschäftigt, was den Ton stark beeinträchtigte. Glücklicherweise konnte das Interview nach kurzer Verzögerung dennoch durchgeführt werden.
Weitere drei Wochen später fand der letzte Drehtag statt. Am Nachmittag nutzten wir das Wetterglück für Aufnahmen der Stadt Luzern. Am Abend bauten wir vor dem Stadion Licht auf und führten eine Strassenumfrage mit Fans durch, die 1989 beim Meistertitel im Stadion waren. Dabei gelang es uns, die richtigen Stimmen vor die Kamera zu holen.
Unser grösstes Learning:
Testaufnahmen am Set und deren Auswertung sind essenziell. Zudem lohnt es sich, einen Dreh zu wiederholen, wenn man mit der Qualität nicht vollständig zufrieden ist.

Die Postproduktion
Zu Beginn der Postproduktion sicherten wir sämtliches Film- und Tonmaterial auf drei verschiedene Datenträger. Zusätzlich achteten wir darauf, auf allen Speichermedien eine identische Ordnerstruktur zu verwenden, um die Verlinkung in Adobe Premiere Pro zu vereinfachen.
Jedes Teammitglied erstellte daraufhin einen eigenen Rohschnitt, wodurch drei Versionen entstanden. In mehreren gemeinsamen Sitzungen besprachen wir Anpassungen und trafen Entscheidungen. Die grosse Menge an Material stellte uns vor die Herausforderung, eine klare Auswahl zu treffen. Zudem war es anspruchsvoll, nach dem ersten Dreh bereits eine funktionierende Schnittversion zu erstellen, obwohl noch nicht sämtliches Material vorhanden war.
Bei den folgenden Schnittversionen übernahm Lukas den Lead. Durch regelmässigen Austausch konnten Details im Schnitt präzisiert und schliesslich die vollständige Storyline aufgebaut werden.
Nach dem Feinschnitt folgte das Color Grading. Dafür trafen wir uns in Chur, da am FHGR-Standort speziell kalibrierte Monitore zur Verfügung stehen. Das Angleichen der Farben war aufgrund der unterschiedlichen Drehorte sowie wechselnder Licht- und Wettersituationen anspruchsvoll. Nach Abschluss der Farbkorrektur übernahm Thomas das finale Abmischen des Tons.
Unser grösstes Learning:
Je klarer bereits in der Pre-Production festgelegt wird, welche Aufnahmen benötigt werden und wie sie eingesetzt werden sollen, desto effizienter verläuft die Postproduktion.

Persönliche Zusammenfassungen

Pascal
Dieses Projekt hat mir enorm viel Spass gemacht: die journalistische Arbeit, die vielen spannenden Begegnungen mit unseren Protagonisten sowie die Zusammenarbeit im tollen Team. Lukas und Thomas haben beide ihr Fachwissen in unterschiedlichen Bereichen eingebracht. Ich bin der Meinung, dass wir uns fachlich im Team gut ergänzt haben. Jeder wusste, was er zu tun hatte.
Beim Dokumentarfilm habe ich Regie geführt. Ich habe also zum Beispiel den Lead übernommen beim Entwickeln der Geschichte, beim Organisieren der Protagonisten sowie beim Führen der journalistischen Interviews.
Mir wurde einmal mehr bewusst, wie akribisch die Planung eines solchen Projekts sein muss – sowohl auf organisatorischer als auch auf technischer und rechtlicher Ebene. In den Dokumentarfilm habe ich persönlich sehr viel Zeit investiert, doch keine Minute davon habe ich bereut.
Dieses Diggez-Projekt hat mir zudem gezeigt, dass es sich lohnt, eine Idee konsequent zu verfolgen und bereit zu sein, dafür Zeit und Energie zu investieren. Dass wir für ein Studienprojekt nach Deutschland reisen würden, um einen der besten Fussballer zu porträtieren, den der FC Luzern je gesehen hat, hätte zu Beginn vermutlich nicht jeder für möglich gehalten.
Ein persönlicher Schlüsselmoment war für mich die Sichtung des Interviewmaterials auf dem Laptop, mit dem wir nicht zufrieden waren, weil das Bild überbelichtet war. Als Team entschieden wir uns nach Absprache dafür, das Interview mit Jürgen zu wiederholen – auch wenn es unangenehm war, ihm dies mitzuteilen. Es war jedoch der richtige Entscheid, zumal das zweite Interview massiv weniger Zeit gebraucht hatte, weil wir nach dem ersten Interview bereits eruieren konnten, auf welche Fragen wir uns fokussieren wollen.
Herausfordernd fand ich zudem, dass wir die Geschichte so erzählen können, dass der Film nicht zu lang wird und wir unsere selbst gesetzte Längenvorgabe einhalten können. Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich während dieses Projekts fachlich sehr viel gelernt habe und mir die Arbeit viel Freude bereitet hat.

Lukas
Es war eine einmalige Erfahrung, dieses Projekt umsetzen zu dürfen. Von der langen Reise nach Longkamp in Deutschland über die Aufnahmen im FCL-Stadion bis zu den Interviewaufnahmen mit FCL-Fans konnte ich viele neue Erfahrungen sammeln. Ich habe mich bei diesem Projekt vor allem auf die visuellen Komponenten konzentriert. Dabei konnte ich den Umgang mit der Sony FX6 üben und gleichzeitig auch meine Vorkenntnisse mit der Sony A7iv vertiefen.
Der für mich lehrreichste Moment in diesem Projekt war, als wir das Interview mit Jürgen im Keller aufgenommen hatten und nach der Umwandlung von S-Log3 in Rec.709 auf dem Laptop feststellen mussten, dass die Szene überbelichtet war. Nachdem wir uns Zeit genommen hatten, die Situation in Ruhe zu besprechen, entschieden wir uns gemeinsam für den sinnvollsten nächsten Schritt – ohne direkt auf Jürgen zuzugehen und ihn mit einer überhasteten Reaktion zu verunsichern. Die Entscheidung, am folgenden Tag eine zweite Version des Interviews aufzunehmen, erwies sich schliesslich als die richtige Lösung.

Darüber hinaus hat mir dieselbe Situation aufgezeigt, dass wir im Vorfeld die Fragen noch besser hätten eingrenzen können, um im Interview wirklich nur die relevanten Themen zu behandeln. Diese Erkenntnis nehme ich für zukünftige Interviewdrehs mit: Ich möchte mehr Zeit in die Vorbereitung investieren und mich bewusst auf die wichtigsten Fragen konzentrieren, anstatt möglichst viele Fragen zu stellen und viel Material «im Kasten» zu haben. So behält man später beim Sichten, Verschlagworten und Schneiden im Schnittprogramm besser den Überblick. Zudem habe ich auch Neues dazugelernt, dass man nie auf einen Dreh gehen sollte mit einer Kamera, mit der man noch nicht hundertprozentig vertraut ist. Ich kannte die FX6 bereits, aber letztlich war es besser, die Aufnahmen mit meiner vertrauten A7iv zu machen.

Thomas
Dieses Projekt war für mich in vielerlei Hinsicht eine sehr wertvolle Erfahrung – fachlich, organisatorisch und nicht zuletzt auch menschlich. Von der ersten Idee bis zur finalen Umsetzung konnte ich mich aktiv einbringen und Verantwortung übernehmen. Besonders geschätzt habe ich dabei die enge und konstruktive Zusammenarbeit im Team. Lukas und Pascal brachten ihre jeweiligen Stärken gezielt ein, wodurch sich unsere Kompetenzen ideal ergänzten – kurz gesagt: Jeder wusste, was er tut, und niemand stand sich gegenseitig im Weg.
Bereits in der Pre-Production war ich gemeinsam mit Lukas und Pascal an der Entwicklung der Idee und des Konzepts beteiligt. Durch viele Diskussionen (und das eine oder andere Feierabendbier) kristallisierte sich schliesslich eine klare Geschichte heraus. Während der Dreharbeiten übernahm ich die Kamera B (Sidecam) sowie den Einsatz der Drohne. Dabei war es sehr hilfreich, mich auf die präzise Kameraarbeit von Lukas und die klare inhaltliche Führung von Pascal verlassen zu können – so blieb auch in hektischeren Momenten alles unter Kontrolle, selbst wenn das Wetter oder die Platzverhältnisse anderer Meinung waren.
In der Postproduktion war ich hauptsächlich für den Ton verantwortlich. Dazu gehörten das Säubern der Tonspuren, das Angleichen der Lautstärken sowie das finale Abmischen. Gerade hier wurde mir erneut bewusst: Schlechter Ton fällt immer auf – guter Ton hingegen leider meistens nur dann, wenn er fehlt. Der regelmässige Austausch mit Lukas im Schnittprozess und mit Pascal bezüglich Dramaturgie half enorm, um ein stimmiges Gesamtresultat zu erreichen.
Persönlich bin ich während des Projekts auch an meine zeitlichen Grenzen gestossen. Aufgrund meiner beruflichen Verpflichtungen war es teilweise anspruchsvoll, genügend Zeit für Dreharbeiten und Postproduktion zu finden. Umso wertvoller war in diesen Phasen die Unterstützung und Flexibilität von Lukas und Pascal, die es ermöglichten, dass wir Termine anpassen und Aufgaben sinnvoll aufteilen konnten.

Rückblickend hat mir dieses Projekt nochmals klar gezeigt, wie entscheidend ein gut funktionierendes Team für den Erfolg eines Films ist. Die Bereitschaft von Lukas und Pascal, Entscheidungen gemeinsam zu hinterfragen, Fehler einzugestehen und Lösungen zu finden, war für mich besonders wertvoll. Ich nehme aus diesem Projekt viele fachliche Learnings mit – und die beruhigende Erkenntnis, dass selbst ein Interview-Redo, eine lange Autofahrt nach Deutschland und ein zu lauter Rasenmäher am Ende zu einem sehr gelungenen Film führen können.

Fazit
Die Dokumentation Die Meisterlegende Jürgen Mohr zeigt exemplarisch, wie wichtig sorgfältige Planung, klare Rollenverteilung und offene Kommunikation in der dokumentarischen Arbeit sind. Trotz technischer und organisatorischer Herausforderungen während der Dreharbeiten konnte dank der guten Teamarbeit ein Film realisiert werden, der sowohl inhaltlich als auch gestalterisch überzeugt.
Das Projekt hat deutlich gemacht, dass Flexibilität und die Bereitschaft zur Selbstkritik entscheidend sind, um auf unvorhergesehene Situationen reagieren zu können. Gleichzeitig war es für alle Beteiligten eine wertvolle Gelegenheit, praktische Erfahrungen in den Bereichen Konzeption, Dreh und Postproduktion zu vertiefen und das eigene Fachwissen gezielt weiterzuentwickeln.
Insgesamt stellt dieses Projekt einen wichtigen Lernprozess dar und bestätigt, dass sich Engagement, Zusammenarbeit und der Mut zu Korrekturen positiv auf die Qualität des Endprodukts auswirken.