Woody x LatLights
Auf der einen Seite ein analoger Holzlautsprecher ohne ein einziges Kabel. Auf der anderen 28 digital gesteuerte Lichtröhren, die auf jeden Ton reagieren. Klassische Akustik trifft moderne Technik. Dieser Kontrast war der Anreiz für diese interaktive Lichtinstallation, die eine Brücke zwischen analog und digital schlagen soll. Für die «EchoStage» habe ich den passiven Holzlautsprecher «Woody Woodspeaker» auf eine Bühne im Medienhaus in Chur gestellt und mit dem modularen Lichtsystem «LatLights» über ein Mikrofon verbunden.
Spielst du über das Smartphone im Woody deine eigene Musik ab, bringst du die Bühne zum Leuchten. Aus einem analogen Holzklang wird in Echtzeit ein Raum aus Farbe und Bewegung, immersiv und interaktiv zugleich: Du schaust nicht zu, du stehst mittendrin und steuerst das Licht mit deiner eigenen Musikauswahl. Wie daraus eine Bühne zum Mitmachen wurde, zeige ich dir in diesem Beitrag.
Die Akteure
Eine gute Show lebt von ihren Akteuren und davon, wie der Regisseur diese in Szene setzt. Bei der EchoStage stehen drei davon auf der Bühne: zwei, die nicht unterschiedlicher sein könnten und einer, der beide verbindet.
Akteur 1 > Der Woody Woodspeaker: der analoge Gegenpol
Der Woody ist der ruhige Gegenspieler zu allem, was hier gleich blinken wird: ein Holzlautsprecher, den ich selbst entwickelte. Er wird im eigenen Holzatelier in traditioneller Handarbeit gefertigt. Er verstärkt den Ton allein über die Form seines Resonanzraums. Kein Strom, kein Bluetooth, kein Knopf, nur Holz und Akustik.

Akteur 2 > Die LatLights: das modulare Lichtsystem
Die LatLights funktionieren in der Menge wie eine Leinwand für Visualisierungen und bringen die Farbe ins Spiel: schlanke LED-Röhren, die in allen Farben leuchten können. Rot, Grün, Blau und Weiss in jeder Mischung, von warmen Farbverläufen bis zu reinem Weisslicht. Weil sich jede Leuchtröhre separat ansteuern und untereinander verbinden lässt, wird aus einer Reihe Lampen eine Fläche, die mithilfe von TouchDesigner und der verwendeten Sensorik gestaltet werden kann.

Akteur 3 > TouchDesigner: der Dolmetscher
Zwischen analogem Klang und digitalem Licht braucht es jemanden, der übersetzt. Diese Rolle übernimmt TouchDesigner, eine Software für Echtzeit-Visualisierung. Sie hört den Klang, zerlegt ihn in Daten und gibt den LatLights vor, wie sie reagieren. Der Dolmetscher, der aus Klang Licht macht.
Vom Wahlmodul zur eigenen Bühne
Angefangen hat alles in den ersten Vorlesungen zu «Creative Technology» und «Physical Computing». Ich kannte diese Art der Visualisierung noch nicht wirklich und war von den interaktiven und immersiven Kunstinstallationen begeistert. Den Funken zündete schlussendlich ein Video, das uns Jan Fiess im Verlauf der Vorlesung zeigte: die Performance von Bot & Dolly, in der sich Robotik und Projektion zu etwas verbinden, das man kaum für möglich hält.
Im Verlauf dieser Wahlmodule hatte ich auch die ersten Berührungspunkte mit TouchDesigner und den LatLights. Das grosse Spektrum an Anwendungsmöglichkeiten hat mich von Beginn an fasziniert.
Nachdem ich die Gelegenheit bekommen hatte, am SaintWhoo Festival 2025 mit den LatLights die Chillout-Area mitzugestalten, wollte ich dieses modulare Lichtsystem auch in ein eigenes Projekt überführen. Die Bühne im Medienhaus bot sich dafür perfekt an, ein interaktives Erlebnis zu bauen, das Sensorik mit dem analogen Woody kombiniert. Zwei Welten, die kaum unterschiedlicher sein könnten, auf einer Bühne.
Das Resultat war eine Lichtinstallation, die genau das einlöst, worum es mir ging: eine Brücke zu schlagen zwischen analog und digital, zwischen Holzklang und Lichtbild. Analoges Handwerk und digitale Technik zusammenzubringen fasziniert mich schon seit Längerem und macht mir jedes Mal aufs Neue Spass. Das zeigt sich im Woody, in der EchoStage und in vielem, woran ich momentan sonst noch tüftle.
Technik & Aufbau
Der technische Aufbau sieht wie folgt aus:
Die LatLights als RGBW-Röhren mit DMX-Controller, der Woody als Audioquelle, ein Mikrofon zur Live-Erfassung und ein Laptop mit TouchDesigner als Steuerzentrale. Die LatLights sind über einzelne Netzwerkkabel am Controller angeschlossen. Dieser wird mit dem Laptop über einen WLAN-Router verbunden.
Bühne & Traversen
Die Bühnenelemente standen zu diesem Zeitpunkt im Eingangsbereich des Medienhauses. Ich habe die vier verfügbaren Elemente zu einer grossen Bühne zusammengestellt. Die Traversen sowie das Mikrofon konnte ich direkt von der FHGR-Ausleihe beziehen.
LatLights & DMX
Die LatLights und der DMX-Controller wurden mir freundlicherweise von Jan Fiess und latlights.ch für dieses Projekt zur Verfügung gestellt. Jede Leuchtröhre wurde mit Manschetten sicher am Traversengerüst befestigt, die eigens dafür modelliert und im 3D-Drucker produziert wurden.
Laptop & TouchDesigner
Im Inneren von TouchDesigner sorgt eine Umschalt-Logik dafür, dass je nach Audiosignal entweder die farbige RGB- oder die ruhige Kaltweiss-Ebene (CW, ColdWhite) aktiv ist. Die Logik reagiert, sobald das Mikrofon einen gewissen minimalen Lautstärkepegel erreicht hat und schaltet in diesem Moment auf die interaktive RGB-Visualisierung.




Es floss viel Energie in den Aufbau des Bühnengerüstes, bis wirklich alle Traversenelemente sicher verschraubt waren und es die Form hatte, die ich für die Anordnung der LatLights brauchte. Diese wiederum mussten einzeln mit den Manschetten an den Stangen angeschraubt und parallel zueinander ausgerichtet werden.
So funktioniert die EchoStage
Das Konzept dahinter ist simpel, der Effekt gross. Du spielst über den Woody ein eigenes Audiosignal ab. Das Mikrofon erfasst den Klang live, TouchDesigner analysiert die Pegelveränderungen in Echtzeit und übersetzt sie in eine Visualisierung auf den LatLights. Solange niemand interagiert, zieht ein ruhiger Kaltweiss-Verlauf (CW) im Loop über die Röhren. Sobald Sound dazukommt, schaltet die Installation auf eine farbige RGB-Animation um. Aus Stille wird Bewegung, aus dem Holzklang ein Lichtbild. Wer mitmacht, gestaltet die Bühne für einen Moment selbst.

Dreh & Videoschnitt
Nicht alle konnten die EchoStage vor Ort in Chur erleben. Für alle, die nicht dabei waren, habe ich sie in einem Video festgehalten. Man sieht die Interaktion so, wie sie auch live abläuft. Geschnitten und bearbeitet habe ich das Videomaterial in Adobe Premiere Pro. Der Fokus bei der Produktion des Videos war, die Schnittstelle zwischen analog und digital in dieser Lichtinstallation sichtbar zu machen und die Funktionsweise des Woody verständlich zu zeigen: vom Smartphone über den Klang bis zur Reaktion des Lichts.
Schau dir die EchoStage HIER in Aktion an!

Die Umsetzung dieser Lichtinstallation mit LatLights, dem Woody, TouchDesigner und Audioinput war eine kreative Herausforderung. Es hat viel Spass gemacht, alle Komponenten zu verbinden und der Bühne im Medienhaus Leben einzuhauchen. Die Bandbreite von Creative Technology ist beeindruckend und ich freue mich darauf, weitere Bereiche im Physical Computing auszuprobieren.
Die Installation war von August bis November 2025 zu den Öffnungszeiten im Medienhaus für jeden Besucher zugänglich.
Mehr zum handgefertigten Holzlautsprecher «Woody Woodspeaker» findest du auf woody-woodspeaker.ch.
Unter latlights.ch findest du alle Projekte, die mit den «LatLights» schon realisiert wurden.
(mmi)
Die Einrichtung der ganzen Lichtinstallation hat viel Zeit in Anspruch genommen. Bis die Bühne und das Traversengerüst korrekt standen, die LatLights alle richtig verkabelt und in Position gebracht wurden, vergingen mehrere Tage. Dass ich davor noch nie mit solchen Bühnenelementen gearbeitet hatte, beschleunigte den Prozess nicht wirklich. Es war manchmal etwas frustrierend, weil ich Traversenelemente immer wieder abbauen und neu aufbauen musste.
Rückschläge & Learnings
- Komplexität & Funktionalität
Ursprünglich wollte ich zusätzlich eine Kamera für die Personenerkennung einbauen, damit sich die Visualisierung schon beim Betreten der Bühne verändert. Das Audiosignal würde in diesem Fall erst dann aktiviert werden. In Kombination mit der Musikvisualisierung wurde die Installation jedoch etwas zu «schwer», also habe ich diesen Teil bewusst gestrichen, um die Stabilität zu sichern.
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Einige Rampen-Animationen liefen zu langsam. Die transform-TOPs wurden daher skaliert (z. B. auf 0.4), um Realtime-Tauglichkeit zu erhalten. Die Idee einer Kamera für die Personenerkennung hätte hier die Performance noch mehr belastet. Die Installation wurde an eine Zeitschaltuhr angeschlossen und lief von 07:30 bis 18:00, Montag bis Freitag. Die Stromquelle für die LatLights wurde somit immer getrennt, was manchmal Probleme mit sich brachte. Oft gab es einen «Freeze» in der Visualisierung und die Verbindung musste manuell neu gestartet werden. Der Laptop war im Dauerbetrieb, hatte aber auch immer wieder einen klassischen «Hänger», was wiederum zu weiteren eingefrorenen Visualisierungen führte. Da ich in St. Gallen wohne und das Medienhaus in Chur ist, war ich bei technischen Problemen sehr froh um die Hilfe von Jan Fiess vor Ort.
> Learning: Die Grenzen der eigenen Technik kennen, um sie nicht ständig am Anschlag laufen zu lassen. - Unklare Logik
Die Verschaltung des Audio-Triggers mit der Umschalt-Logik kostete mich mehrere Anläufe und war eine kleine Herausforderung. Hier haben mir die YouTube-Tutorials, die KI-Tools und Jan entscheidend weitergeholfen.
> Learning: Besonders beeindruckt hat mich, wie stark KI (z. B. ChatGPT) und Tutorials den Fortschritt beschleunigten, aber nur in Kombination mit eigenem Ausprobieren und Testen!