Wie Schweizer Dokumentarfilme ihr Publikum finden

Was ist eigentlich ein Bünzli? Auf der Suche nach einer Antwort sind Sigi und ich zwei Wochen durch die Schweiz gereist und haben Menschen getroffen, von denen ich gar nicht wusste, dass sie existieren. Daraus ist ein 60-minütiger Dokumentarfilm entstanden. «Bünzli, Baby!» Wie wir unseren Dokumentarfilm nun an ein Publikum bringen, verrät meine Thesis.

Thesis

Dokumentarfilme leisten einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Meinungsbildung. Und in der Schweiz werden deutlich mehr Dokumentar- als Spielfilme produziert. Die Filmförderung dafür konzentriert sich aber stark auf die Herstellung der Filme. Ihre Vermarktung wird strukturell vernachlässigt. Eine aktuelle Studie im Auftrag des Bundesamt für Kultur zeigt dies deutlich auf.

Besonders Dokumentarfilme mit kleinem Budget sind deshalb auf wirksame Kommunikationsmassnahmen angewiesen, um überhaupt ein Publikum zu erreichen. An diesem Punkt setzte meine Bachelorarbeit an, weil auch ich habe nun einen Dokumentarfilm und wenig Budget.

Darum untersuchte ich, welche Kommunikationsmassnahmen Deutschschweizer Dokumentarfilme im Jahr 2024/25 genutzt hatten und wie diese mit der Kinoreichweite zusammenhingen. Aus der bestehenden Literatur und dem Forschungsstand entwickelte ich zunächst ein Kategorienraster, das die relevanten Kommunikationsmassnahmen systematisch erfasst. Dieses Raster liess ich anschliessend in vier leitfadengestützten Interviews mit Expertinnen und Experten aus der Filmbranche überprüfen und erweiterte es um deren Praxiswissen. Auf dieser Grundlage analysierte ich mittels einer qualitativen Inhaltsanalyse die Kommunikationsmassnahmen von drei Dokumentarfilmen mit unterschiedlicher Kinoreichweite: Wir Erben, Die Anhörung und Greina.

Die Ergebnisse der drei Fallbeispiele verglich ich anschliessend miteinander und arbeitete die zentralen Tendenzen heraus. Dabei zeigte sich, dass sich die eingesetzten Kommunikationsmassnahmen zwischen den drei Filmen kaum unterschieden. Entscheidend war vielmehr, wie stark die einzelnen Massnahmen gewichtet und zeitlich aufeinander abgestimmt wurden.

Bitte akzeptiere die statistik, Marketing Cookies um diesen Inhalt zu sehen.

Am deutlichsten hingen zwei Faktoren mit einer hohen Kinoreichweite zusammen: die Sichtbarkeit in den Leitmedien sowie die zeitliche Nähe von Festivalteilnahmen, Preisen und Kinostart. Thematische Partnerschaften und die persönliche Präsenz der Filmschaffenden aktivierten zusätzlich ein Publikum, vor allem innerhalb der thematischen Nische des jeweiligen Films.

Aus diesen Erkenntnissen leitete ich konkrete Handlungsempfehlungen für Produktionen mit kleinem Budget ab. Die Vermarktung sollte bereits ab Drehbeginn geplant werden. Die Zielgruppe sollte klar definiert sein. Die Kommunikation sollte sich konsequent am Thema des Films orientieren. Bestehende Reichweite, etwa durch Partnerorganisationen, sollte gezielt genutzt werden. Und der Kinostart sollte auf den Moment der grössten öffentlichen Aufmerksamkeit gelegt werden.

Lehrprojekt

Zwei Wochen lang sind wir durch die Schweiz gereist. Wir hatten keinen festen Plan, nur eine Kamera und viele Fragen. Dabei haben wir viele Menschen getroffen. Sehr viele! Von manchen wusste ich vor diesem Film gar nicht, dass es sie gibt.

«Bünzli» ist eigentlich so ein einfaches Wort. Aber niemand konnte es uns so richtig klar definieren. Also haben wir versucht, «Bünzli» zu erleben. In der Hoffnung, es besser zu verstehen. Dabei ist etwas ganz Schönes passiert: Wir haben Teile der Schweiz gesehen, die wir vorher nicht kannten. Und wir haben mit Menschen gesprochen, mit denen wir sonst nicht in Kontakt gekommen wären. Das hat viel Mut, Spontanität und gutes menschliches Gespür gebraucht. Alles Elemente, die den Film spannend und unterhaltsam machen.

Schlussendlich ist uns klarer, was es mit dem «Bünzli» auf sich hat. Mehr kann ich jetzt nicht verraten, sonst findet mein Film sein Publikum nie… Eines kann ich auf jeden Fall sagen: «Wir alle haben einen Bünzli in uns.»

Das Projekt war richtig aufwendig und hat uns einiges abverlangt. Gleichzeitig hat es riesig Spass gemacht. Wir haben nicht nur etwas über das Filmemachen gelernt, sondern auch einiges über die Schweiz und ihre Eigenheiten.

Der Film kommt in den nächsten Wochen online. (Grund: ohne SUISA stehst du mies da. ) Wer darüber weiter informiert werden möchte, kann sich gerne hier melden: hallo@bünzli-baby.ch