«When I Dance I Become Whole»
Zwischen Kontrolle und Hingabe, Spannung und Loslassen bewegt sich der Körper im Zentrum des Short Films «When I Dance I Become Whole». Tanz wird hier nicht als choreografierte Performance verstanden, sondern als Ausdruck innerer Zustände.
Die Aufnahmen meines Short Films wurden im Oktober 2024 im Rahmen des Moduls «Audiovisuelles Erzählen III» als Gruppenprojekt mit Nora-Lee Rüttimann, Dario Casanova und Dario Giger in Berlin produziert. Ausgangspunkt des Films war das Thema «Liebe», insbesondere die Liebe zum Tanz. Dabei interessierte uns, wie sich diese enge Verbindung zwischen Körper und Selbst sowie innere Spannungen durch Bewegung erfahrbar machen lassen.
Nach Abschluss des Gruppenprojekts habe ich mich entschieden, das vorhandene Material erneut zu bearbeiten und eine eigene Version des Films zu schneiden. Mein Ziel war es, einen Short Film zu produzieren, in dem die Beziehung zwischen Körper und Selbst sowie die Frage im Mittelpunkt stehen, wie sich innere Spannungen durch Bewegung ausdrücken lassen. Diese Entscheidung entstand aus dem Bedürfnis heraus, den Film emotional stärker zu verdichten und ihn aus meiner persönlichen Perspektive neu zu lesen. Auch das verwendete Bildmaterial habe ich neu ausgewählt: Teile des ursprünglichen Films habe ich bewusst weggelassen, während andere Aufnahmen, die zuvor keinen Platz gefunden hatten, neu integriert wurden. In Verbindung mit dem neuen Schnitt, dem von mir eingesprochenen Voice-Over und dem Color Grading hat sich so eine andere Erzählhaltung entwickelt.

Die Tänzerin steht dabei nicht für eine konkrete Figur oder Geschichte, sondern vielmehr für einen inneren Zustand. Ihre Bewegungen sind geprägt von einem ständigen Wechsel zwischen Kontrolle und Loslassen. Mich hat besonders interessiert, wie sich diese Spannung im Körper zeigt – in Momenten von bewusster Kontrolle ebenso wie in jenen Augenblicken, in denen etwas Intuitives und Ungeplantes durchbricht. Tanz wird im Film zu einem Ort, an dem Schutz und Konfrontation, Rückzug und Selbstbegegnung gleichzeitig existieren können.
Das Voice-Over ist aus der Perspektive der Tänzerin gesprochen und spiegelt ihre Gedanken, Zweifel und inneren Spannungen im Umgang mit Körper und Tanz wider. Es erklärt nichts und kommentiert die Bilder nicht direkt, sondern steht ihnen gegenüber. Text und Bewegung laufen teilweise parallel, teilweise widersprechen sie sich. In diesen Reibungen liegt für mich der Kern des Films. Der Schnitt folgt weniger einer klassischen Dramaturgie als vielmehr einem inneren Rhythmus, in dem Pausen, Wiederholungen und Verdichtungen bewusst eingesetzt wurden, um innere Zustände erfahrbar zu machen und Raum für eigene Interpretationen zu lassen.

Das Color Grading habe ich für meine Version des Films neu entwickelt. Dabei habe ich darauf geachtet, dass Farben stärker zur Geltung kommen und Kontraste bewusster herausgearbeitet sind. Einzelne Szenen habe ich in Schwarz-Weiss umgesetzt, um bestimmte Momente visuell zu verdichten und Brüche zu setzen.
Die Arbeit an dieser Version des Films war für mich eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Blick auf Körper und Bewegung. Im Vergleich zur Gruppenarbeit konnte ich Entscheidungen freier treffen und mich stärker auf mein Gefühl verlassen – im Schnitt, im Rhythmus und im Umgang mit Ton und Bild.
Der Short Film folgt deshalb keiner klassischen, linearen Erzählung. Stattdessen versteht er sich als eine Abfolge von Momenten, Stimmungen und Spannungen. Die Zuschauenden sind eingeladen, der Bewegung zu folgen, ohne sie eindeutig einordnen zu müssen. Eigene Bilder, Gedanken und Assoziationen dürfen dabei entstehen. Mir ging es dabei weniger um Erklärung oder Aussage, sondern darum, eine Erfahrung zu schaffen, die körperlich und emotional wahrgenommen werden kann.

(abb)
Da der Film bewusst auf eine klare narrative Struktur verzichtet, kann er für manche Zuschauende schwer zugänglich oder zu abstrakt wirken. Die Wirkung hängt stark von der individuellen Wahrnehmung ab und funktioniert nicht für alle gleich.
Das Arbeiten mit bestehendem Bildmaterial brachte sowohl Chancen als auch Einschränkungen mit sich. Die neue Auswahl ermöglichte eine andere Lesart des Films, setzte jedoch klare Grenzen in der inhaltlichen Weiterentwicklung. Trotz dieser Punkte sehe ich die Neuinterpretation als wichtigen Lernprozess, insbesondere im bewussten Umgang mit Schnitt, Ton und Bild.
Ich hätte mich gerne noch intensiver mit dem Color Grading auseinandergesetzt und die visuelle Gestaltung noch differenzierter ausgearbeitet. Aus zeitlichen Gründen war dies nur in begrenztem Umfang möglich. Rückblickend hätte es geholfen, meine eigene Version des Films früher klarer zu definieren, um Entscheidungen gezielter zu treffen. Bei einzelnen Szenen hätte ich gerne stärker stabilisiert. Der Verkrümmungsstabilisator in Premiere Pro funktionierte jedoch nicht zufriedenstellend und führte teilweise zu sichtbaren Verzerrungen, weshalb ich mich bewusst dagegen entschieden habe.
Insgesamt hat mir das Projekt viel Freude bereitet und mein Interesse am Filmemachen weiter gestärkt.