Vom Vortrag zum Online-Kurs | Konzeption und Umsetzung eines digitalen Informationsanlasses des Rotkreuzdienstes
Wie gelingt es, einen verpflichtenden Orientierungsanlass in ein modernes, digitales Format zu überführen? Im Rahmen dieses Projekts wurde der klassische Präsenzanlass des Rotkreuzdienstes (RKD) vollständig digital neu gedacht und mit multimedialen Inhalten angereichert. Die Umsetzung vereint interaktive Elemente mit einer zeitgemässen, digitalen und benutzerfreundlichen Plattform. Ziel ist es, interessierte Personen wirksam zu informieren und gleichzeitig die Geschäftsstelle nachhaltig zu entlasten.
Einleitung & Ausgangslage
Der Rotkreuzdienst (RKD) ist eine militärisch-zivile Organisation, die dem Schweizerischen Roten Kreuz (SRK) angegliedert ist und im Rahmen der Armee sanitätsdienstliche Aufgaben übernimmt. Wer dem RKD beitreten möchte, muss zuvor einen Orientierungsanlass besuchen. Diese Informationsveranstaltungen fanden bislang physisch vor Ort statt und wurden durch die Geschäftsstelle sowie durch Angehörige des RKD durchgeführt. Dabei standen direkte Kommunikation, persönliche Erfahrungsberichte und die Vermittlung grundlegender Informationen über Funktion, Ablauf und Erwartungen im Zentrum.
Im Rahmen dieses Projekts sollte der bestehende physische Anlass in eine digitale, multimedial aufbereitete Version überführt werden. Der Auslöser dafür waren einerseits finanzielle und organisatorische Gründe, insbesondere der Wunsch nach einer ressourcenschonenden Durchführung. Andererseits aber auch das Bestreben, ein modernes, orts- und zeitunabhängiges Format anzubieten. Das neue Format soll nicht nur den physischen Anlass ersetzen, sondern ihn im besten Fall auch inhaltlich erweitern und in seiner Wirkung stärken.
Planung & Konzeption
Zu Beginn des Projekts stand eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem bisherigen Aufbau des Orientierungsanlasses. Auf Basis einer bestehenden PowerPoint-Präsentation wurden die relevanten Inhalte erfasst, strukturiert und auf ihre digitale Tauglichkeit hin analysiert. In enger Abstimmung mit der Geschäftsstelle des RKD wurden daraufhin die zentralen Themenschwerpunkte definiert und neu gegliedert.
1. Entstehung RKD und was die Rotkreuzbewegung ist
Dieser Abschnitt bietet einen historischen und inhaltlichen Einstieg. Die Teilnehmenden lernen die Ursprünge des Roten Kreuzes, die Entstehung der Bewegung sowie die Grundsätze und historischen Einsätze des RKD kennen.
2. Der Rotkreuzdienst, deine Ausbildung und Einsätze
Im zweiten Kapitel werden die operative Struktur, Ausbildungswege und Einsatzmöglichkeiten vermittelt. Es zeigt auf, wie der Dienst im RKD organisiert ist, welche Pflichten und Rechte bestehen und welche Weiterentwicklungsmöglichkeiten es gibt.
3. Erfahrungsberichte & Abschluss
Der dritte Teil rundet den Kurs ab. Persönliche Erfahrungsberichte geben einen emotionalen Einblick, bevor organisatorische Infos zum weiteren Vorgehen, ein Abschlussquiz sowie eine Kursevaluation folgen.
Die Vermittlung dieser Inhalte sollte dabei nicht ausschliesslich über Text erfolgen, sondern multimedial angereichert und didaktisch aufbereitet werden. Ziel war es, den Teilnehmenden eine motivierende, gut verständliche und persönliche Einführung in den Rotkreuzdienst zu bieten – auch ohne physischen Kontakt.
Umsetzung
Web-Technik
Technisch wurde der digitale Orientierungsanlass in einer selbst gehosteten WordPress-Umgebung umgesetzt. Für die Kursstruktur kam das Plugin Tutor LMS Pro zum Einsatz, welches eine modulare Kursarchitektur ermöglicht. Es erlaubt die Gliederung in Kapitel und Lektionen, die Integration von Videos, Galerien, Quizfragen sowie die Verwaltung von Nutzerprofilen und Fortschritt.
Für das Design wurde auf das Divi-Theme gesetzt, mit dem sich gestalterische Freiheiten effizient und responsive umsetzen liessen. Einzelne Lektionen wurden mit Flipboxen, Bildgalerien, eingebetteten Videos oder interaktiven Elementen wie Multiple-Choice-Fragen ergänzt. Besonders wichtig war die Integration echter Erfahrungswerte: Ausschnitte aus einem Podcast mit der Chefin des RKD wurden gekürzt in Form von Videos in thematisch passende Lektionen eingebettet. Persönliche Aussagen von AdRKD-Angehörigen wurden in einem eigenen Clip gebündelt.
Multimediale Inhalte
Um den geschichtlichen Inhalt über die Entstehung des SRK und RKD nicht nur textbasiert zu gestalten, wurde dieses Kapitel mittels Archiv-Videomaterial und bestehende YouTube-Videos ergänzt.
Ein zentrales Element war auch die Vorstellung der Spitalschule 41 als Ausbildungspartner. Dazu habe ich ein separates Videokonzept mit Storyboard erstellt, das eine kurze, visuelle Einführung in diesen Standort bietet. Während einem Drehtag im Kanton Waadt wurde das Videomaterial aufgenommen. Auch die Post-Produktion dieses Portraitvideos wurde durch mich umgesetzt.
Ein weiteres Video beinhaltet die Vorstellung der Geschäftsstelle des Rotkreuzdienstes. In diesem Videobeitrag führt die Chefin der Geschäftsstelle persönlich durch die verschiedenen Zuständigkeitsbereiche, erklärt die Aufgabenfelder des Teams und gibt einen authentischen Einblick in den Alltag. Das Video wurde in einem nahbaren, dokumentarischen Stil gestaltet, um Vertrauen aufzubauen und die Organisation hinter dem Dienst transparent zu machen.
Grafiken und Icons zu den Rotkreuzgrundsätzen dienen als Merkhilfe zu den textlichen Beschreibungen. Eine Bildergalerie gibt einen ersten tiefen Einblick in die spannenden Ausbildungswochen im Rotkreuzdienst. Textliche Abschnitte wurden durch Audio-Aufnahmen ersetzt, um auch hier die Nutzenden möglichst abwechslungsreich und über unterschiedliche Sinne anzusprechen.
Zur Vertiefung einzelner Themen wurde ein lernorientiertes Quiz mit rund 20 Fragen entwickelt, etwa zum Thema «Rechte und Pflichten». Ziel war es nicht, Wissen abzufragen, sondern es spielerisch zu vermitteln. Die Fragen wurden so konzipiert, dass sie mit kurzen Erklärtexten nach der Antwort ergänzt wurden.






Als letzter Schritt steht nun noch die Übersetzung ins Französische an. Die Plattform wurde so vorbereitet, dass der Orientierungsanlass künftig auch auf Französisch angeboten werden kann. Dabei wird der bestehende Kurs dupliziert und manuell übersetzt, während die Mehrsprachigkeit der übrigen Website mit dem Plugin Polylang sichergestellt wird.
Fazit
Mit dem digitalen Orientierungsanlass wurde ein modernes, flexibles und nutzerfreundliches Informationsangebot geschaffen, das den physischen Anlass nicht nur ersetzt, sondern in vielen Bereichen ergänzt. Die Inhalte sind modular aufgebaut, multimedial angereichert und motivierend gestaltet. Gleichzeitig bleibt das Angebot offen für Weiterentwicklungen und flexible Anpassungen, wie beispielsweise durch zusätzliche Erfahrungsberichte oder neue / aktualisierte Einsätze und Weiterbildungsmöglichkeiten.
Die technische Umsetzung auf WordPress-Basis mit Tutor LMS bietet dafür eine solide Grundlage. Das Projekt hat gezeigt, wie sich klassische Informationsformate sinnvoll digital transformieren lassen und dabei an Interaktivität, Übersicht und Unterhaltung gewinnen können.
Ich freue mich und bin gespannt auf die Implementierung der digitalen Informationsveranstaltung in den gesamten Orientierungs-Prozess des Rotkreuzdienstes ab 2026.
(abb)
Die Umsetzung auf einer WordPress-Umgebung mit Tutor-LMS gab mir eine sehr gute Grundbasis, brachte jedoch gewisse technische Einschränkungen mit sich. Beispielsweise war das Styling einzelner Kursseiten nicht immer flexibel genug oder durch Grundfunktionen des Plugins nicht anpassbar.
Im Laufe des Projekts stellten sich mehrere kleinere Hürden, die gelöst werden mussten. So wurden z. B. Icons in Flipboxen nicht gleichmässig dargestellt, da Vorder- und Rückseiten unterschiedliche Höhen hatten. Das wurde mit CSS-Anpassungen korrigiert. Ein Button, um einzelne Lektionen «Als abgeschlossen markieren» zu können, war im Standardlayout von Tutor LMS ganz oben platziert, was zu Usability-Problemen führte, da Nutzende erst wieder nach oben scrollen mussten.
Durch die Vielzahl an Inhalten und Formaten besteht die Herausforderung, dass sich unerfahrene Nutzer:innen in der Navigation verlieren oder zu Beginn sich etwas schwer orientieren könnten. Um dem Entgegenzuwirken, wurde eine PDF-Anleitung zur Hilfestellung erstellt, um möglichst allen einen einfachen Einstieg zu ermöglichen.
Ich konnte während der gesamten Projektdauer, besonders aber in der WordPress-Umgebung, diverse Probleme über unterschiedliche Lösungswege meistern und so mein Wissen erweitern.