Vom Baralltag zum Buch – ein strukturierter Bartending Guide

Dieses Projekt ist für mich der Versuch, mehrere Jahre praktische Barerfahrung in eine strukturierte, greifbare Form zu bringen. Statt einzelner Rezepte oder Momentaufnahmen wollte ich ein Buch entwickeln, das mir selbst im Arbeitsalltag hilft und Wissen nachvollziehbar weitergibt. Das Cocktailbuch verbindet Praxis, Reflexion und Gestaltung.

Das Cocktailbuch ist nicht aus dem Nichts entstanden. Es baut direkt auf meinen bisherigen Arbeiten mit Copper Mates auf. In den bereits veröffentlichten Digezz-Beiträgen «Copper Mates – der Weg in die Selbstständigkeit“ und «Mix your moment – unser erster Cocktail-Workshop mit Copper Mates“ habe ich meinen Einstieg in Events, Workshops und die Selbstständigkeit dokumentiert.

Mit dem Buch wollte ich einen Schritt weitergehen. Während es in den früheren Projekten stark um Erlebnisse, Abläufe und Erfahrungen ging, lag der Fokus hier auf Struktur. Ich habe gemerkt, dass mir im Baralltag klare Systeme wichtiger sind als kreative Einzelideen. Genau das wollte ich im Buch festhalten.

Alle Rezepte folgen deshalb derselben Logik. Glas, Eis, Technik, Zutaten und Zubereitung sind bewusst standardisiert. Mir war wichtig, dass Drinks reproduzierbar sind und unabhängig von Situation oder Erfahrungsstand funktionieren. Ergänzend habe ich Kapitel zu Techniken, Arbeitsweisen hinter der Bar sowie zu Events und Atmosphäre integriert. Viele dieser Inhalte basieren direkt auf Situationen aus Workshops und Veranstaltungen, in denen sich ähnliche Fragen und Probleme immer wieder gezeigt haben.

Gestalterisch habe ich mich bewusst für ein ruhiges, zurückhaltendes Layout entschieden. Das Buch soll als Arbeitsmittel funktionieren und nicht durch Gestaltung ablenken. Typografie, Weissraum und Bildsprache sind deshalb klar strukturiert und funktional aufgebaut.

Der folgende Anhang zeigt nur ein Preview des Buches. Das vollständige Werk steht kurz vor der Veröffentlichung und wird bald über coppermates.ch verkauft.

(vha)

Rückblickend war dieses Projekt in mehrfacher Hinsicht herausfordernd. Einerseits musste ich mich in ein komplexes gestalterisches und technisches Werkzeug einarbeiten, andererseits galt es, eigene Praxiserfahrung kritisch zu hinterfragen und zu strukturieren. Besonders der Einstieg in Adobe InDesign hat mehr Zeit in Anspruch genommen als ursprünglich geplant. Das saubere Aufsetzen von Absatzformaten, Zeichenformaten und Objektstilen wirkte zu Beginn wie ein Umweg, hat sich aber im weiteren Verlauf als unverzichtbare Grundlage erwiesen.

Sobald diese Basis definiert war, veränderte sich mein Arbeitsprozess deutlich. Anpassungen liessen sich schnell umsetzen, Layoutentscheidungen blieben konsistent und der Fokus verlagerte sich von technischen Problemen hin zu inhaltlichen und gestalterischen Feinheiten. Diese Erfahrung hat mir klar gezeigt, wie entscheidend ein durchdachtes Grundsetup für grössere Editorial-Projekte ist.

Eine weitere Herausforderung lag in der inhaltlichen Reduktion. Als Praktiker neige ich dazu, Abläufe und Entscheidungen implizit vorauszusetzen. Für das Buch musste ich lernen, dieses Wissen explizit zu machen, ohne es unnötig aufzublähen. Die Balance zwischen Verständlichkeit, Präzision und Kürze war dabei nicht immer einfach und erforderte mehrere Überarbeitungen einzelner Kapitel.

Besonders lehrreich war für mich die bewusste Trennung von persönlicher Erfahrung und allgemeingültiger Anleitung. Nicht jede individuelle Arbeitsweise eignet sich automatisch als Regel. Dieser Reflexionsprozess hat meinen Blick auf die eigene Praxis geschärft und mir geholfen, Inhalte sachlicher und funktionaler zu formulieren.

Insgesamt hat mir das Projekt gezeigt, wie anspruchsvoll es ist, Praxiswissen in eine klare, reproduzierbare und gestalterisch saubere Form zu überführen. Gleichzeitig war genau dieser Prozess sehr motivierend und hat mein Verständnis für Editorial Design, Struktur und Wissensvermittlung nachhaltig vertieft.