Visuelle Narrative in der NGO-Kommunikation – Dokumentarfilm «Lessons of the Mekong»
Im Rahmen meiner Bachelorarbeit im Studiengang Multimedia Production an der FH Graubünden und der Berner Fachhochschule habe ich untersucht, wie NGOs auf Instagram Hilfe, Entwicklung und Handlungsmacht darstellen. Ergänzend dazu entstand als Lehrprojekt der rund 30-minütige Dokumentarfilm Lessons of the Mekong.
Bachelorarbeit
In der schriftlichen Arbeit analysierte ich zwei Instagram-Accounts derselben Organisation: Plan International Schweiz und Plan International Cambodia. Untersucht wurden 18 ausgewählte Instagram-Beiträge aus dem Jahr 2025, je neun pro Account. Zusätzlich sichtete ich 313 Beiträge, um die Themenbreite der beiden Accounts einordnen zu können.
Im Zentrum stand nicht die Frage nach Reichweite oder Likes, sondern danach, wie Bild, Text-Overlay, Caption, Hashtags und Plattformgestaltung gemeinsam Bedeutung erzeugen. Mich interessierte besonders, welche Vorstellungen von Hilfe, Entwicklung und Handlungsmacht durch diese Kommunikation entstehen.
Die Analyse zeigt, dass Plan International Schweiz Hilfe und Entwicklung stärker über globale Krisen, Mädchenrechte, Advocacy, politische Forderungen und Spendenmobilisierung rahmt. Plan International Cambodia stellt Hilfe dagegen häufiger als konkrete lokale Projektarbeit dar, etwa über Bildung, Gesundheit, Ernährung, Schutzräume und Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren.
Ein zentrales Ergebnis ist, dass diese Unterschiede nicht einfach als kultureller Gegensatz verstanden werden sollten. Vielmehr übernehmen die beiden Accounts unterschiedliche kommunikative Rollen innerhalb desselben internationalen NGO-Kontexts: Der Schweizer Account wirkt stärker als Unterstützungs-, Informations- und Advocacy-Kanal, während der kambodschanische Account stärker lokale Projektarbeit sichtbar macht.
Lehrprojekt
Als Lehrprojekt entstand der Dokumentarfilm Lessons of the Mekong. Der Film begleitet vier junge Frauen in Kambodscha und an der Thai-Myanmar-Grenze. Ihre Geschichten erzählen von Verantwortung, Bildung, Freiheit und Hoffnung.
Gedreht wurde unter anderem in Siem Reap sowie beim Minmahaw Higher Education Program in Mae Sot. Die besuchten Programme werden von Child’s Dream unterstützt. Mir war wichtig, keinen klassischen NGO-Werbefilm zu produzieren, sondern einen persönlichen Dokumentarfilm, der den Protagonistinnen Raum gibt und ihre Perspektiven ernst nimmt.
Die fünf Kapitel des Films folgen unterschiedlichen Lebensrealitäten: Sreynet spricht über familiäre Verantwortung und ihren Weg über Youth’s Dream in ein selbstständigeres Leben. Julia erzählt von ihrer Kindheit im Flüchtlingscamp und davon, wie Bildung ihr half, den Kreislauf zu durchbrechen. Paw reflektiert über Freiheit, Schreiben und ein Leben zwischen Grenzen. Sina spricht über Familie, Lernen und ihren Traum von einem eigenen kleinen Café. Im fünften Kapitel kommen die Geschichten in einem gemeinsamen Schultag am Minmahaw Higher Education Program zusammen.
Den emotionalen Abschluss bilden Briefe, welche die Protagonistinnen an ihr jüngeres Ich schreiben. Für mich wurde dieser Moment zur stärksten Verbindung zwischen der theoretischen Arbeit und dem Film: Es geht nicht nur darum, wie NGOs Geschichten erzählen, sondern auch darum, wer selbst erzählen darf.

Reflexion
Die grösste Herausforderung war, aus vielen Stunden Material einen klaren dokumentarischen Bogen zu formen. Der Film sollte verständlich bleiben, aber nicht zu stark erklären. Persönliche Aussagen, sensible Themen und der NGO-Kontext mussten sorgfältig ausbalanciert werden. Dazu kamen Übersetzung, Untertitelung, Ton, Color Grading und die Frage, wie viel musikalische und visuelle Inszenierung ein solcher Film verträgt.
Nach dieser Arbeit sehe ich NGO-Kommunikation definitiv anders: Ein Bild ist selten einfach nur ein Bild. Es erzählt immer auch mit, wer helfen kann, wer Hilfe braucht und wer überhaupt handeln darf.
Danke an alle Protagonistinnen, an Child’s Dream, an das Minmahaw Higher Education Program, an Youth’s Dream sowie an alle Menschen, die dieses Projekt möglich gemacht haben.
Zu guter Letzt ein par Eindrücke vom Dreh in Südost-Asien:





