Tod und Trauer im philippinischen Film

Tod und Trauer gehören zu den existenziellen Grunderfahrungen des Menschen. Doch wie damit umgegangen wird, unterscheidet sich stark von Kultur zu Kultur. Auf den Philippinen ist der Umgang mit Verlust von Gemeinschaft, Ritualen und einer vielschichtig geprägten Trauerkultur bestimmt. In meiner Bachelorarbeit und meinem Lehrprojekt bin ich der Frage nachgegangen, wie philippinische Filme davon erzählen und wie eine philippinische Totenwache tatsächlich abläuft.

Thesis: Tod und Trauer im philippinischen Spielfilm
Eine qualitative Filmanalyse
Meine Thesis untersucht anhand einer qualitativen Filmanalyse der Filme Grandpa is Dead (Topacio, 2009) und Die Beautiful (Lana, 2016), wie der Tod im philippinischen Spielfilm dargestellt wird und welche kulturspezifischen Bedeutungen von Trauer dabei kommuniziert werden.
Die Analyse zeigt, dass beide Filme Trauer nicht als privaten Vorgang, sondern als gemeinschaftlich getragenen Prozess in der Phase der Totenwache inszenieren. Die untersuchten Filme setzen dabei aber unterschiedliche Schwerpunkte: Grandpa is Dead stellt kollektive Rituale und nachbarschaftliche Unterstützung ins Zentrum, Die Beautiful den persönlichen letzten Wunsch der Verstorbenen, der erst durch die Gemeinschaft Bedeutung erhält. Philippinische Trauerkultur zeigt sich damit nicht als starres System, sondern als dynamischer Bedeutungsrahmen. Kulturspezifisch ist nicht eine einzelne Praxis, sondern die gemeinsame Vorstellung, dass Tod und Trauer in sozialen Beziehungen verankert sind und gemeinschaftlich bewältigt werden.

Lehrprojekt: «Innang»
Ein dokumentarischer Kurzfilm über die philippinische Totenwache
Während die Thesis die fiktionale Darstellung von Tod und Trauer untersucht, nähert sich mein Lehrprojekt der Wirklichkeit. Die Idee dazu entstand aus einer persönlichen Verbindung, denn die Verstorbene ist meine Grosstante. Eine philippinische Totenwache hatte ich zuvor bei meinem Grossvater schon einmal erlebt, und diese Erfahrung war so eindrücklich, dass ich sie teilen wollte. Mit dem Einverständnis der Familie durfte ich die Trauerzeit meiner Grosstante mit der Kamera begleiten und die philippinische Trauerkultur festhalten.

Der dokumentarische Kurzfilm begleitet die Totenwache und vermittelt, wie sie auf den Philippinen gelebt wird. Im Mittelpunkt stehen die Abläufe und die Atmosphäre während der mehrtägigen Trauerzeit sowie das Zusammenspiel von Familie, Gemeinschaft und religiösen Praktiken. Ergänzt wird die beobachtende Darstellung durch ein Interview mit einer Nichte der Verstorbenen. Sie beschreibt ihre persönliche Beziehung zur Verstorbenen und erklärt aus ihrer eigenen Perspektive, welche Bedeutung die Totenwache für die Familie hat, welche Rituale und Traditionen während dieser Zeit praktiziert werden und wie sie abläuft. Durch ihre Erinnerungen und Erklärungen werden die gezeigten Bilder eingeordnet und mit individuellen Erfahrungen verbunden.

Mit dem Kurzfilm möchte ich einen Einblick in den philippinischen Trauerprozess teilen. Für mich war es ein besonderes Privileg, diesen intimen Moment begleiten zu dürfen und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Gemeinsam beleuchten Bachelorarbeit und Lehrprojekt damit dieselbe Trauerkultur aus zwei Richtungen: analytisch mit Spielfilmen und ganz nah am tatsächlichen Erleben.

Link zur Doku: https://youtu.be/KSw58kazvPc