Der Tod – ein Thema, über das wir sprechen müssen

Der Tod ist ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Genau das möchte ich ändern. Uns alle wird er einmal treffen und trotzdem schieben wir ihn zur Seite und möchten uns nicht mit ihm befassen.

Ja, ich habe Angst vor dem Tod, obwohl ich persönlich eigentlich noch keine grossen Berührungspunkte mit ihm hatte. In einem einstündigen Radio-Feature möchte ich mich mit meiner Angst auseinandersetzen. Ich habe mit verschiedene Personen gesprochen, die zum einen dem Tod näher sind als ich und zum anderen im Leben immer wieder Berührungspunkte mit ihm hatten.

Die Erstellung dieses Radio-Features hat mir gezeigt, dass wenn man über ein Thema spricht, einem die Angst davor genommen werden kann. Deshalb kann ich heute stolz behaupten: Nein, ich habe keine Angst mehr vor dem Tod.

Ein Radio-Feature über ein Thema, welches uns alle betrifft.

(dbo)

Idee

Über den Tod zu sprechen hat mich schon immer fasziniert, obwohl ich selber Angst davor habe. Es ist enorm wichtig über Tabuthemen zu sprechen und deshalb habe ich mich auch für ein solches Thema entschieden. In einem ersten Konzept wollte ich jemanden bei einem Freitod begleiten und so über den Tod sprechen und mich meiner Angst stellen. Schnell habe ich gemerkt, dass dies eine sehr grosse Herausforderung ist. Ich habe mich mit Exit in Verbindung gesetzt und Hausärzte gefragt, ob sie vielleicht Patient*Innen haben, welche sich für einen solchen Weg aus dem Leben entschieden haben. Nach vielen Absagen musste ich die Idee, jemanden beim Sterben zu begleiten also leider begraben. Danach habe ich von Thomas Weibel den Input bekommen, ich könnte ein Radio-Feauture machen mit Menschen, welche schon oft in Berührung mit dem Tod kamen und dabei beobachten, was dies mit meiner Angst macht. Diese Idee hat mich so überzeugt, dass ich mich auf die Suche nach passenden Gesprächspartnern gemacht habe, um mit ihnen über den Tod zu sprechen.

Umsetzung

Ich habe zuerst meine 88-jährige Grossmutter gefragt, ob sie so ein Projekt mit mir realisieren möchte. Sie hat in ihrem Leben schon oft Verluste erlitten und hat, ohne ganz zu wissen was auf sie zukommt, ja gesagt. Als zweiten Gesprächspartner ist mir ein Freund der Familie in den Sinn gekommen, Stephan Aebersold. Er hat früher als Notar gearbeitet und studiert jetzt Theologie. Er hat schon viel erlebt und hat sehr spannende Ansätze zum Thema Tod. Des weiteren wollte ich noch einen Pathologen oder eine Bestatterin im Feature, nach vielen Anfragen und vielen Absagen habe ich mich entschieden, das Feature nur mit meiner Nonna und Stephan zu machen. Ich habe mich bewusst dazu entschieden, kein Vorgespräch mit den Personen zu machen, um ein möglichst «normales» Gespräch mit ihnen zu führen. Also bin ich, ohne wirklich zu wissen was auf mich zukommt, mit einem Mikrofon losmarschiert und habe einfach mal aufgenommen. Bei einem Feature ist es sehr sehr wichtig, immer Ambi Töne aufzunehmen, dessen war ich mir am Anfang noch nicht so bewusst und hätte ich sicher noch besser machen können. Auch die Tonqualität habe ich mir am Anfang anders vorgestellt, weil es aber so ein persönliches Thema war habe ich mich nicht wirklich getraut, die Menschen in ein Studio einzuladen oder extreme Vorgaben bei ihnen zu machen. Ich finde, dass der Ton aber gut verständlich ist und ein Feature davon lebt, dass die Tonqualität variiert.

Post Production

Die Postproduction… Man denkt ja immer, dass Audioschnitt nicht so anstrengend ist… Dies ist definitiv nicht der Fall. Da ich extrem unstrukturierte, lange Interviews hatte war der Schnitt am Anfang eine grosse Herausforderung. Ich habe mich zu Beginn entschieden, die Interviews in einzelne Teile zu schneiden und habe dann daraus die Grundstruktur des Beitrages erstellt. Danach musste ich alle Teile einzeln auspegeln und habe mir anschliessend den Off-Text entweder kurz vorgetextet oder spontan eingesprochen. Was mir enorm geholfen hat, ist , dass ich einen Arbeitsplatz im Radiostudio einrichten konnte und eine Tonkabine mit Schnittplatz und angeschlossenem Mikrofon benutzen durfte. Dies hat die Arbeitsprozesse extrem beschleunigt. Fazit der Post Production, es war sehr nervenzehrend und sehr langwierig.

Learnings

Die Tonqualität werde ich in Zukunft besser beachten oder besser gesagt, ich werde sie besser planen. Mir mehr überlegen, wo ich etwas aufnehmen werde und was ich dafür machen kann, dass die Tonqualität besser wird. Trotzdem ist es bei einem Feature authentischer, wenn nicht nur eine cleane Stimme aus dem Tonstudio zu hören ist.

Das nächste Mal: Die Tonqualität kurz abklären und mich besser auf die Situation vorbereiten.

Was ich auch anders machen würde, ist die Interviews nicht gleich ganz spontan zu machen. Bei der Post-Production war es wirklich eine Herausforderung, weil wirklich keine Struktur in den Interviews zu finden war.
Das nächste Mal: Das Interview besser vorbereiten und strukturieren.

Eine weitere Berufsgruppe (Patholog*In oder Bestatter*In) hätte das Feauture vielleicht noch ein wenig aufgewertet, leider hatte ich aufgrund der vielen Absagen keine Kapazitäten mehr dafür.
Das nächste Mal: Die Anfragen noch früher verschicken und hartnäckiger nachfragen.

Das Schneiden bei 30 Grad in einer Tonkabine hat mir nicht ganz so viel Spass bereitet.
Das nächste mal: DIY Klimaanlage bauen.

Danksagung

Bedanken möchte ich mich bei meiner Grossmutter, die offen über ihr Leben gesprochen hat und zum Teil auch sehr persöhnliche und emotionale Einblicke in ihr Leben gegeben hat. Und natürlich auch bei Stephan, welcher sich Zeit für mich genommen hat und ebenfalls sehr persöhnliche Dinge erzählt hat. Merci euch beiden!