Rummelplatz auf der LED-Wand: Wie wir den Hintergrund für die Multimedia Awards 2025 animierten

Ein Riesenrad dreht sich langsam vor einem Abendhimmel. Lichterketten blinken in den CD-Farben des Events, im Hintergrund schlendert eine Menschenmenge zwischen den Buden umher. Diese Szenerie entstand komplett in Blender – und wurde auf einer 15 Meter breiten, gebogenen LED-Wand zum Leben erweckt.

Für die Multimedia Awards 2025 in «The Hall» in Zürich durften wir die visuellen Hintergründe der Award-Show gestalten. Das Motto: Rummelplatz. Unsere Aufgabe: Eine lebendige Jahrmarkt-Atmosphäre schaffen, die während der gesamten Veranstaltung am 12. Dezember 2025 auf der riesigen LED-Installation läuft.

Konzept

Die Idee, einen kompletten Rummelplatz mit wechselnden Tageszeiten zu animieren, entstand direkt aus dem Eventmotto. Das Riesenrad als zentrales Element bot sich an – es ist nicht nur ikonisch für Jahrmärkte, sondern erzeugt durch seine kontinuierliche Drehbewegung und die blinkenden Lichter konstantes visuelles Interesse, ohne vom Bühnengeschehen abzulenken.

Um das Riesenrad herum bauten wir eine belebte Rummelplatz-Szenerie. Mithilfe von Crowd-Simulationen erzeugten wir Menschenmengen, die zwischen den Attraktionen umherlaufen und der Szene Lebendigkeit verleihen. Die Lichterketten am Riesenrad programmierten wir so, dass sie in den Corporate-Design-Farben der Multimedia Awards blinken – ein subtiles Detail, das die Animation mit dem Branding des Events verknüpft.

Besonders aufwendig: Wir erstellten drei komplette Lichtstimmungen. Bei der Tages- und Abendversion beleuchtet eine Sonne die Szenerie und taucht den Rummelplatz in warmes, natürliches Licht. In der Nachtversion übernehmen die Lichter des Rummels selbst – die Lichterketten, Buden und Attraktionen werden zur einzigen Lichtquelle und erzeugen eine atmosphärische, fast magische Stimmung. So konnte die Moderation je nach Showmoment zwischen den Atmosphären wechseln.

Zusätzlich produzierten wir ein Custom-Intro für die Show. Die Kamera fliegt dabei durch volumetrische Wolken, bis ein Zeppelin ins Bild schwebt, auf dem «Multimedia Awards» steht – ein cineastischer Einstieg, der die Zuschauer in die Rummelplatz-Welt hineinzieht.

Produktionsprozess

Das Projekt erstreckte sich über zwei Monate. Wir teilten die Arbeit klar auf: Steve übernahm den Vordergrund mit dem Riesenrad und den Lichterketten, Paul gestaltete den Hintergrund mit Crowd-Simulation und Umgebung. Regelmässige Meetings und zwei Testtermine vor Ort in «The Hall» strukturierten unseren Workflow.

Die LED-Wand misst 15.3 Meter in der Breite und 3.2 Meter in der Höhe – bei einer Auflösung von 7’680 x 1’600 Pixeln. Ein Format, das unsere Rechner an ihre absoluten Grenzen brachte. Die grösste technische Herausforderung war entsprechend das Rendering: Bei dieser Auflösung und mehreren Minuten Animation summierten sich die Renderzeiten auf über hundert Stunden – verteilt auf unsere eigenen PCs. Mehrfache Anpassungen nach den Vor-Ort-Tests bedeuteten, dass wir Teile komplett neu rendern mussten, was den Zeitaufwand weiter in die Höhe trieb.

Am Eventtag selbst waren wir vor Ort und sahen unsere Animation zum ersten Mal im finalen Kontext. Während wir selbst eher kritisch auf die Details schauten und uns auf die Fehler konzentrierten, die wir im Nachhinein erkannten, war die Reaktion des Organisationsteams überwältigend positiv – sie freuten sich sichtlich über das Ergebnis.

(vha)

Selbstkritische Betrachtung

Was auf unseren Monitoren gut aussah, wirkte auf der 15 Meter breiten LED-Wand völlig anders. Farben, Kontraste und Bewegungsgeschwindigkeiten mussten nach dem ersten Test stark angepasst werden. Diese Diskrepanz zwischen Arbeitsbildschirm und finalem Medium unterschätzten wir.

Ein weiterer Stolperstein: Wir nahmen erst spät direkten Kontakt mit den Technikern auf, die die LED-Wand während des Events bedienten. Hätten wir deren Expertise früher eingeholt, hätten wir einige technische Anforderungen von Anfang an besser berücksichtigen können.

Lessons Learned

Die wichtigste Erkenntnis: Bei Produktionen für ungewöhnliche Ausgabemedien sind Vor-Ort-Tests unverzichtbar – und zwar so früh wie möglich im Prozess. Ausserdem würden wir beim nächsten Mal von Beginn an die technisch Verantwortlichen einbinden, um Spezifikationen und Limitationen des Mediums zu verstehen.

Trotz der Herausforderungen war es ein wertvolles Projekt: Wir konnten unsere Blender-Skills in einem realen, grossformatigen Kontext anwenden und lernten viel über die Produktion für LED-Installationen.