Ronaldinho durch meine Kameralinse – eine Fussballlegende in Luzern
Ronaldinho, ein Kindheitsidol, wenige Meter vor meiner Kamera. Dieser Beitrag zeigt, wie mein Aftermovie Hype Reel enstanden ist. Von der Vorbereitung bis zur Postproduktion unter Zeitdruck.
Als die Anfrage für die Erstellung eines Aftermovies für Jogo dos Famosos kam, war ich zuerst etwas skeptisch. Zu gut, um wahr zu sein. Erst als ich im Stadion in Luzern stand, wurde mir klar, dass das hier tatsächlich passiert: Ronaldinho läuft gleich ein! Für mich war das ein sehr surrealer Moment. Ronaldinho ist ein Kindheitsidol, jemand, mit dem ich Fussball verbinde, seit dem ich klein bin.
Mir war schnell klar, dass ich diesen Event nicht einfach mit «clean shots» verlassen wollte. Ich wollte ein Video machen, das sich schnell anfühlt, das Energie hat und visuell hängen bleibt. Deshalb entschied ich mich schon im Voraus für bestimmte Stilmittel: Matchcuts, Hyperlapses, einen Head-Tracking-Effekt und sehr schnelle Schnitte mit etwas Sound Design. Ich wollte dieses Projekt nutzen, um mich als Creator zu positionieren.
Zur Vorbereitung verbrachte ich viel Zeit auf Instagram und speicherte mir Clips von anderen Creators, deren Arbeiten mich inspirierten. Zusätzlich suchte ich auf Eyecandy (kann diese Website nur jedem Creator empfehlen) gezielt nach Effekten und Übergängen, die ich mir für den Aftermovie vorstellen konnte. Diese Phase war für mich wichtig, weil ich mir sicher war am Event von all den Eindrücken überwältigt zu sein.
Der Eventtag war anspruchsvoll. Es war sehr kalt und die Bewegungsfreiheit für Videografen war durch die Security stark eingeschränkt. Neben Ronaldinho waren andere Legenden wie Rivaldo oder der Grammy-nominierte Produzent OZ vor Ort. Trotzdem versuchte ich, so nah wie möglich an die Action ran zu kommen. Ich ging bewusst an die Grenzen dessen, was erlaubt war, weil ich wusste, dass ich bestimmte Shots sonst nicht bekommen würde. Irgendwann wurde ich von der Security darauf hingewiesen, dass es nun wirklich reicht. Der Dreh war intensiv, weil man ständig aufpassen musste – ein kurzer Moment Unaufmerksamkeit, und ein Tor oder eine starke Szene war weg.
Vor Ort waren viele andere Creators, einige davon verfolge ich schon lange auf Instagram. Es war cool, sich kurz auszutauschen und Gesichter zu den Videos zu sehen. So entstand auch eine Szene mit Jack (CEO von SPYDERS), einem der talentiertesten Sportvideografen der Schweiz, die es später in sein Vlog Aftermovie schaffte.
Neben dem offiziellen Event Aftermovie filmte ich auch ein separates Video für den Influencer Cubanito. Während der Halbzeitpause organisierte er ein eigenes kleines Event, bei dem sich zwei Nachwuchsspieler um ein Preisgeld von 1’000 Franken duellierten.
Nach dem Event wurde ich von einem Freund nach Hause gefahren. Ich begann bereits auf der Rückfahrt mit dem Schnitt. Die Idee für das Intro hatte ich schon im Kopf: eine Hyperlapse der Stadion Lichttürme als Einstieg, danach schnelle Matchcuts auf Ronaldinhos legendäre Trikots aus seiner Karriere. Der Einstieg sollte sofort den Zuschauer packen.
Ich arbeitete die ganze Nacht durch, machte kurz Pause, ging normal arbeiten und machte nach Feierabend weiter. After Effects und Premiere brachten meinen Laptop mehrmals an seine Grenzen, und mein eigener Perfektionismus machte den Prozess nicht einfacher.
Irgendwann musste ich das Video loslassen. Auch deshalb, weil ich zeitgleich oder vor anderen Creators posten wollte. Zusätzlich lief mein normaler Job weiter, was den Zeitdruck erhöhte.
Die grösste Bestätigung kam nach der Veröffentlichung: Der offizielle Account von Jogo dos Famosos wollte mein Event-Aftermovie als auch das Video für Cubanito als Collab-Post auf ihrem Kanal teilen. In diesem Moment war klar, dass sich der ganze Aufwand gelohnt hatte.


(vha)
Rückblickend habe ich gemerkt, dass ich mir während des Drehs oft selbst zu viel Druck gemacht habe. Wenn ich eine Szene oder ein Tor verpasst habe, ärgerte mich das stark. Dabei dauert ein Spiel 90 Minuten und ein Video entscheidet sich nicht an einer einzigen verpassten Szene. Auch die Zahlen auf Instagram sagen nichts darüber aus, wie gut oder schlecht meine Skills sind. Manchmal performt ein Video besser, manchmal weniger. Das gehört dazu.
Ich habe auch gemerkt, dass ich mich zu stark mit anderen vergleiche und mich davon teilweise demotivieren lasse. Der Fakt, dass es um Ronaldinho ging hat mich teilweise verrückt gemacht. Das hilft weder mir noch dem kreativen Prozess. Zum Beispiel war ich mit meinem Color Grading nicht ganz zufrieden, weil das nicht meine grösste Stärke ist. Dabei ist jedes Projekt ein weiterer Lernschritt und genau dafür sind solche Arbeiten da.
Für die Zukunft nehme ich mir vor, den Perfektionismus öfter auszuschalten und Dinge auch einfach zu veröffentlichen. Das Feedback auf meine Produktionen war sehr positiv und das hat mir gezeigt, dass nicht alles perfekt sein muss. Jede Person hat ihre eigenen Skills und ihren eigenen Platz. Am Ende geht es darum, Spass am Erstellen von Content zu haben und genau das sollte im Vordergrund stehen.