Photo Booth Confessions – Live Session

Um der im Sommer erschienenen «Photo Booth Confessions«-EP frischen Wind zu verleihen, drehten wir an einem kühlen Oktoberabend eine Live-Session am Zürichsee. Drei Songs, Full Band, alles One-Take:

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Die ursprüngliche Idee war es, ein flapsiges Video aufzunehmen, das als Anhang für Festival-Bewerbungen dienen sollte. Festival-Promoter wissen nämlich gerne, wie eine Band live klingen wird, bevor sie dieser einen der freien Festival-Slots vergeben. Daher also das Ziel, ein kurzes Showreel herzustellen.

Ich mache aber nur ungern halbe Sachen, und bei einer Probe kurz die Kamera aufzustellen, ist mir nun mal zu langweilig. Also mache ich mich direkt an die Arbeit.

Step 1: Location finden. Ich erinnere mich, dass Bekannte von Jonny eine Terrasse mit Aussicht auf den Zürichsee haben – er solle das doch bitte kurz abklären. Bereits am nächsten Tag kommt die Zusage.

Step 2: Zusammentrommeln. Nun folgt die Koordination mit der Band, dem Wetter und Jule, die sich netterweise bereiterklärt, die Kamera zu übernehmen. Einen passenden Tag finden wir schnell, nun müssen wir auf passables Wetter hoffen – Oktober halt.

Step 3: Pre-Production. Die Band muss wissen, was sie zu spielen hat, Jule, was sie filmen soll, und Jonny, wo er stehen muss, um einen sauberen One-Take hinzubekommen. All das koordiniere ich. Den Wunsch, alles am einem Stück zu filmen, war auch meiner. Einerseits wirkt das für mich im Live-Setting authentischer und andererseits ist es auch einfach bizli krass.

Step 4: Action! Wir treffen uns an einem Sonntagabend auf der Terrasse, bauen auf und beginnen zu proben, während Jule mit der Kamera ein paar Test-Shots macht. Da ich hier mit Jonny bereits am Vorabend ein schäbiges Pre-Vis gedreht habe, wissen nun alle, wann welche Kamera-Einstellung drankommt. Einen ganzen Testdurchgang machen wir noch, danach sind wir warm für den offiziellen Take. Wir erwischen sogar den perfekten Himmel.

Step 5: Post-Production. Der Take war ziemlich gut! Das merke ich schon, als ich bei der Belohnungspizza die Aufnahmen sichere und kurz in die Session reinhöre. Jonny ist mittlerweile auch wieder trocken. It’s auf jeden Fall a wrap.

Audio

Doch nun fängt der Spass erst so richtig an: Als Erstes bearbeite ich die Tonaufnahmen. Stille Momente werden ausgeschnitten, um die einzelnen Tonspuren zu säubern. Danach folgt Gain-Staging, EQ etc. – alles, was es für einen Mix nun mal so braucht. Die Backing-Tracks mische ich ebenfalls komplett neu mit ein, da die Tracks, zu denen wir normalerweise live spielen, teilweise Mono sind, um ein Ungleichgewicht im Venue zu vermeiden. Weil es sich hier aber um ein YouTube-Video handelt, nutze ich die Möglichkeit, den Mix so breit wie möglich stereo zu gestalten. Abends bin ich dann endlich zufrieden mit dem Mix, und zu meinem Glück hatte ich ja die Studioversionen als Referenz.

Video

Am nächsten Tag geht’s ans Video. Schneiden muss ich zum Glück nichts, doch umso mehr kann ich mich nun mit dem Color-Grading eines 10-minütigen Videos beschäftigen, in dem sich die Farb- und Lichtverhältnisse ungefähr alle sieben Sekunden ändern. Einen coolen, stimmigen Look finde ich schnell, der richtige Schmerz beginnt aber, als ich probiere, diesen Look durch das gesamte Video hindurch zu vereinheitlichen. Ich arbeite mit Masken, Keyframes – allem, was ich mit meinem limitierten Editing-Können hinzuzaubern vermag. Jule gibt zum Glück gute Tipps.

Zu guter Letzt füge ich noch die Title-Card ein, exportiere Thumbnails und vertikale Clips für Social Media und lade das fertige Video auf YouTube hoch.

(nsc)

Am aufwändigsten – mit Abstand – war das Color-Grading. Dafür, wie zeitintensiv es war, stört es mich immer noch, wie sich die Schattenseiten in den Gesichtern farblich verhalten. Die beleuchteten Hauttöne passen mir wunderbar, doch in den Schatten ist Jonny ab und zu regelrecht grün. Ich versuchte das Problem mit Color-Picker-Masken bestmöglich zu korrigieren, doch die Übergänge von hell zu dunkel blieben stets unschön. Als Last Resort hätte ich es mit Object Tracking probieren können, doch da wäre mein Laptop bei dem 10-minütigen Clip vermutlich in Flammen aufgegangen – das war es mir nicht wert. Wem es auffällt, fällt’s nun halt auf.

Ein weiterer selbstverschuldeter Pain, den ich ausbaden durfte: Bei der Miete des Equipments verteilte ich die Abholung auf zwei Tage. Somit musste ich nicht sämtliche Taschen auf einmal schleppen. Schlauerweise habe ich im selben hochstrategischen Zug die Rückgabe für alles auf den Montag gelegt. Am Montagmorgen durfte ich dann also, mit etwa neun Taschen beladen, die Reise zurück nach Chur antreten. Not fun.

Gelungen finde ich so ziemlich alles andere. Die Planung war ziemlich straightforward, und dank Pre-Vis wussten alle, was sie bei der Location erwartet, wie das Video ungefähr aussehen soll und wann wir den perfekten Himmel kriegen. Wir waren ziemlich zeitnah fertig, hatten danach noch Zeit für Pizza-Plausch, und auch das Footage und die Tonspuren waren makellos. So hat man es doch gern.

Auch mit der Post-Production habe ich viel rausholen können, insbesondere beim Sound. Glücklicherweise spielen wir mit In-Ear-Monitoring, das heisst, in allen Mikrofonen waren nur das Schlagzeug und Jonny zu hören. Auch mit dem Doubling der Drum-Spuren konnte ich noch etwas mehr Punch erzeugen.

Alles in allem finde ich das Video sehr gelungen, oder um es mit Jonnys Textnachrichten zu sagen: „Literally so geil worde, legit wuecki so viel sicker worde als erwartet.“