Nur über meine Leiche
Nur über meine Leiche
Wir leben wieder in Zeiten, in welchen Krieg in Europa kein abstrakter Begriff aus den Geschichtsbüchern mehr ist. Russland führt einen Krieg in der Ukraine, die NATO bröckelt, und auch die USA zeigen zunehmend Bereitschaft, ihre Interessen mit Waffen zu verfolgen. In der Schweiz merkt man ausserhalb der Medienberichterstattung wenig von diesen Vorgängen. Gleichzeitig hat die Schweiz eine Dienstpflicht. Ein entsprechend grosser Teil der jungen Schweizer leistet Armeedienst und wäre im Ernstfall in einen Krieg involviert. Von ihnen würde verlangt, ihre Pflichten auch unter Einsatz des Lebens zu erfüllen. Es drängt sich also die Frage auf: Wofür sind wir eigentlich bereit, unser Leben aufs Spiel zu setzen? Was würden wir mit unserem Leben schützen wollen?
Aus diesen Fragen ist eine Podcastserie entstanden. In vier Folgen suche ich aus verschiedenen Perspektiven nach Antworten auf diese grundsätzlichen Fragen. Ich habe Infanteristen auf dem Waffenplatz Chur besucht, mit dem ehemaligen Armeechef André Blattmann über das gesprochen, was aus seiner Sicht schützenswert ist, mit der GSoA über die Sinnlosigkeit des Ganzen. Mit Verteidigungspolitikern habe ich deren Perspektive angeschaut und schliesslich hat mir Kriegsreporter Kurt Pelda von Odessa aus erzählt, wie diese Fragen behandelt werden, wenn sie nicht mehr theoretisch sind. Das Bouquet ist breit gefächert, und dennoch, oder vielleicht gerade deshalb, lässt sich keine eindeutige, klare Antwort finden. Wie es im Ernstfall wirklich aussehen könnte, ist für die meisten kaum vorstellbar. Der Podcast liefert kein Richtig und kein Falsch. Wer sich jedoch selbst einmal Gedanken zum Thema machen will, für den lohnt es sich, ein Ohr hineinzuwerfen.
Was mich an dem Thema so reizt, ist, dass es grösstenteils junge Menschen sind, die in einem Krieg kämpfen würden. Man würde meinen, wer für ein Land kämpft, der hat auch den Anspruch, dieses mitzugestalten. Wenn man aber auf die Wahlbeteiligung schaut, ist diese bei Personen unter 30 ernüchternd tief. Dass diese Beteiligung steigen kann, bedingt zuallererst, dass diese Personengruppe ausreichend über die politischen Geschehnisse informiert ist, dass sie weiss, was in den News steht, worüber abgestimmt wird und was in der Politik passiert. Studien zeigen jedoch, dass diese Informiertheit laufend abnimmt. News-Deprivation nennt sich dieses Phänomen. Es betrifft nicht nur, aber auch junge Generationen.
Die Thesis beschäftigt sich mit einem Ansatz, wieder mehr junge Personen mit News zu erreichen, und zwar auf eine leichte, ansprechende und unterhaltsame Art und Weise. Late-Night-Shows bieten leichte Unterhaltung und bringen ihr Publikum mit News in Kontakt. Die Thesis befasst sich damit, ob sich dieses Format eignet, um ein junges Publikum zu informieren. Mit einer Inhaltsanalyse und Experteninterviews wurden vier Formate aus der Schweiz und Deutschland untersucht. Die Untersuchung bestätigt zwar das Argument, dass Unterhaltung und News kombiniert werden, die Ergebnisse legen jedoch nicht nahe, dass damit ein junges, newsdepriviertes Publikum informiert werden kann.
Zum Schluss dieses intensiven halben Jahres ist es an mir, zu danken. Dass sich für die fünf Experteninterviews und die gut zehn Gespräche für den Podcast überall Leute zur Verfügung gestellt haben, ist nicht selbstverständlich.