My View

Was passiert, wenn man mit einer Kamera in Situationen geht, die man nicht vollständig kontrollieren kann? Dieses Projekt war meine Antwort darauf und hat mich fotografisch mehr vorangebracht als alles davor.

Fotografie war für mich bisher Theorie und ein bisschen Praxis. Ich hatte Grundkenntnisse, aber keine grosse Erfahrung. Mit diesem Projekt habe ich mir bewusst zwei Herausforderungen gesucht, die mich aus der Komfortzone bringen sollten, eine Bierwanderung von Schützengarten und ein Fussballspiel bei Nacht, bei dem jede Sekunde zählt.

Nachtfotografie beim Fussballspiel

Eigentlich spiele ich selbst Fussball. Eine Verletzung zwang mich jedoch, mal von der anderen Seite zu schauen und ich dachte: wenn schon nicht spielen, dann wenigstens die beste Perspektive nutzen. Ich lieh mir eine Kamera, sowie ein 70–200mm Objektiv von einem Schulkameraden aus. Was folgte, war eine der technisch anspruchsvollsten Situationen, die ich mir hätte suchen können.

Die Flutlichter auf dem Platz waren schwach. Viel Bewegung, kaum Licht, eine klassische Falle für Bildrauschen und Bewegungsunschärfe. Daher arbeitete ich mit offener Blende für maximalen Lichteinfall, kurze Belichtungszeit um die Bewegungen einzufrieren, und den ISO so hoch wie nötig. Das alles musste gleichzeitig stimmen, wäre ein Wert falsch, ist das Bild entweder unscharf, verrauscht oder zu dunkel. Adobe Lightroom half mir in der Nachbearbeitung dabei, das Rauschen zu reduzieren. Aber die Grundarbeit musste bereits beim Fotografieren sitzen. Während des Spiels wurde es auch immer dunkler, ich startete ca. um 18.00 Uhr da war es gerade am eindämmern, einige Minuten später dann schon dunkel, daher musste ich meine Einstellungen auch anpassen. Diese Erfahrung hat genauso viel spass gemacht, wie auf dem Platz zu spielen, auch wenn es in Momenten wirklich frustrierend war (wie beim Fussball auch 🙂 ).

Die Schützengarten Bierwanderung

Ein Kollege, der das Social Media für die Schützengarten Bierwanderung betreute, fragte mich, ob ich die Veranstaltung fotografieren möchte. Schützengarten ist natürlich ein Kunde, den man im Portfolio haben will, also sagte ich sofort zu. Was ich nicht ganz einkalkuliert hatte, acht Stunden auf den Beinen, fremde Menschen fotografieren und gleichzeitig immer im Hinterkopf behalten, dass am Ende des Tages ein Auftrag erfüllt sein muss. Bei der Wanderung lief man von Posten zu Posten um Bier zu Trinken und sich mit den Freunden zu Unterhalten. Bei mir war es jedoch ein laufen mit der Zeit und dem Auftrag im Hinterkopf. Ich musste einfach alles bis zu einer gewissen Zeit abgeschlossen haben.
Auf dem Weg traf ich aber auf viele verschiedene Personen mit denen es auch Interessant war sich auszutauschen. Bei einem Posten traf ich noch einen anderen Fotografen, mit ihm tauschte ich mich auch aus, was zu einer spannenden Unterhaltung führte.

Am Ende des Tages hatte ich über 1000 Fotos. Nicht alle davon gut aber darunter einige, auf die ich wirklich stolz bin. Gelernt habe ich vor allem: Fotografie ist genauso viel Kopfarbeit wie Kameratechnik. Aber es hat enorm viel spass gemacht, wenn man genau seinen Winkel einfangen konnte und am Ende in der Postproduction die Freude hatte diese Bilder zu bearbeiten.

(mmi)

Dieses Projekt war für mich eines der lehrreichsten, das ich bisher gemacht habe, nicht weil alles gut lief, sondern gerade weil es das nicht tat.

Was gut lief

Technisch habe ich mich deutlich weiterentwickelt. Vor allem beim Fussballspiel musste ich in kurzer Zeit verstehen, wie Blende, Belichtungszeit und ISO zusammenspielen. Das ganze nicht in der Theorie, sondern unter Druck. Das hat mehr gebracht als jedes Tutorial. Die Nachtfotografie hat mir gezeigt, dass ich mit den richtigen Einstellungen auch in schwierigen Lichtsituationen brauchbare, teils sehr starke Bilder herausholen kann.

Bei der Bierwanderung habe ich gelernt, mit verschiedenen Lichtsituationen umzugehen und schnell zu reagieren. Über 1’400 Fotos an einem Tag zu machen bedeutet, dass man irgendwann aufhört zu überlegen und einfach fotografiert und genau dieses Gefühl war wertvoll.

Die Nachbearbeitung in Adobe Lightroom, besonders die KI-Rauschreduzierung, hat meine Bilder nochmals deutlich verbessert.

Was nicht so gut lief

Die Personenfotografie bei der Bierwanderung war für mich die grösste Hürde. Auf fremde Menschen zuzugehen, sie direkt anzusprechen und zu fotografieren, fiel mir schwerer als erwartet. Ich habe in gewissen Momenten gezögert, und das hat mich sicher den einen oder anderen starken Schnappschuss gekostet. Das ist etwas, das ich in Zukunft bewusst trainieren muss.

Beim Fussballspiel war mein grösstes Problem die Trefferquote. Bei schnellen Bewegungen, wenig Licht und einem langen Teleobjektiv waren viele Bilder unscharf oder schlicht zu dunkel. Ich habe zwar das Beste aus der Situation gemacht, aber im Nachhinein würde ich gewisse Einstellungen anders wählen, z.B. noch konsequenter mit der Belichtungszeit runtergehen, auch auf Kosten des ISO.

Was ich mitnehme

Beim Fotografieren habe ich am meisten gelernt durch das machen, durch die Erfahrungen und Probleme die entstehen. Beide Projekte haben mir gezeigt, wo meine Stärken liegen und wo ich noch Arbeit vor mir habe. Die Kombination aus technischem Handwerk und dem Umgang mit Menschen, Licht und unvorhergesehenen Situationen ist das, was Fotografie so anspruchsvoll und gleichzeitig so interessant macht.