MadLand FM

MADLAND FM Key-Visual mit verschwommenem Radiostudio im Hintergrund.

MADLAND FM war ein temporärer Eventradiosender für das Jubiläumsevent eines Basler Hotels. Während das Hotel für einen Tag in das «MAD LAND» verwandelt wurde, begleitete das Radio die Veranstaltung als offizieller Staatssender während zwölf Stunden.

MAD LAND
Das MAD LAND war die Idee, ein Hotel für einen Tag komplett aus seiner normalen Funktion herauszulösen und in einen eigenen fiktiven Staat zu verwandeln. Es ging nicht um ein klassisches Jubiläum, sondern um eine überdrehte, freie und absurde Eventwelt. Die Gäste sollten das Gefühl haben, für ein paar Stunden in einem anderen Land zu sein, in dem andere Regeln gelten und alles wilder, offener und verspielter ist. Dazu wurden verschiedene Zimmer und Bereiche des Hotels in eigene Themenwelten verwandelt. Es gab unter anderem ein Bällebad, einen Sexshop, einen Jungle-Raum und weitere inszenierte Räume. Alle abgespacet, überraschend und bewusst nicht ganz normal.
Showreel MAD LAND: https://www.instagram.com/p/DXj_WCZEZwp/

MADLAND FM
Der Radiosender sollte diese verrückte Welt nicht nur begleiten, sondern sie hörbar machen — mit Musik, Moderationen, News, Werbungen, Beiträgen und Programm-Ankündigungen. Der Sender eröffnete das MAD LAND offiziell, begleitete das Event, informierte und unterhielt die Besuchenden über das Geschehen vor Ort. Dazu gehörten News, Moderationen, Spiele, produzierte Beiträge, sowie Werbeblocks. Der Sender war damit ein aktiver Teil der Inszenierung. Er machte die verrückte MAD LAND-Welt hörbar.

MAD LAND-Opening inkl. Nationalhymne auf MADLAND FM:

Technische Recherche & Testing

Für die technische Umsetzung von MADLAND FM wurde ein Audio-Livestream eingerichtet, der während des Events an verschiedene Endgeräte im Gebäude ausgespielt werden konnte. Nach der Evaluation verschiedener Plattformen fiel die Entscheidung auf Radio.co, da diese Lösung mehr Kontrolle über den Audiostream bot als klassische Videoplattformen wie YouTube oder Twitch. Der Sender war dadurch nicht als öffentliches Internetradio angelegt, sondern auf die Ausspielung im Rahmen des Events ausgerichtet. Das war sowohl technisch als auch rechtlich relevant.

Der technische Signalfluss bestand aus mehreren Komponenten. OBS Studio diente als Audiozentrale, in der das Sendesignal zusammengestellt und verwaltet wurde. Über BlackHole wurde das Audiosignal virtuell weitergeleitet und anschliessend mit BUTT an Radio.co übertragen. Von dort konnten die Endgeräte über einen Link auf den Stream zugreifen.

Signalfluss:
OBS StudioBlackHoleBUTTRadio.co → Stream → Endgeräte

Vor dem Event wurde das Setup in mehreren Testläufen überprüft. Zuerst fanden Tests zuhause statt, später auch direkt vor Ort. Dabei wurden die Stabilität der Verbindung, die Tonqualität und die Verteilung des Signals im Gebäude sichergestellt. Eine wichtige technische Anpassung war die Vereinheitlichung der Sample Rate auf 48 kHz, wodurch Verzerrungen und Aussetzer im Signal behoben werden konnten.

Neben dem eigentlichen Stream testete ich auch verschiedene Möglichkeiten für die Bedienung meines Studios. Am Ende entschied ich mich für ein kompaktes Streaming-Mischpult mit zwei Mikrofonen, welches ich ausleihen konnte. Dadurch konnte ich Moderationen, vorproduzierte Elemente und das laufende Sendesignal kontrollierter steuern und flexibler auf Situationen vor Ort reagieren. Für den Betrieb wurden zusätzlich mehrere Laptops eingesetzt.

Im finalen Setup wurde MADLAND FM über verschiedene Endgeräte im Gebäude hörbar gemacht. In den Gängen lief der Stream über PA-Anlagen, in den Zimmern über kleine Bluetooth-Speaker. So konnte der Sender flexibel verteilt werden und blieb trotzdem zentral steuerbar. Der Preis dafür war eine Verzögerung von ca. 12 Sekunden vom Studio bis zu den Hörer:innen. Der Weg bis zum richtigen Set-up war lang:

Preproduction

In der Preproduction wurde das eigentliche Radioprogramm vorbereitet. Dazu gehörte zuerst ein Stundenplan für die zwölfstündige Sendung. Darin wurden Musikstrecken, Live-Moderationen, Werbeblöcke, Beiträge, Spiele, Verlosungen und Programmansagen eingeplant. Der Plan diente als Orientierung, musste aber gleichzeitig flexibel genug bleiben, um während des Events auf spontane Situationen reagieren zu können.

Ein grosser Teil der Arbeit lag in der inhaltlichen Vorbereitung. Ich entwickelte Ideen für Rubriken, Spiele und Verlosungen, klärte mögliche Gewinne ab und bereitete Moderationsinhalte vor. Gleichzeitig stellte ich das Musikprogramm zusammen, damit die Sendung über den ganzen Tag hinweg einen passenden Verlauf hatte und nicht beliebig wirkte.

Auch die vorproduzierten Elemente entstanden in dieser Phase. Insgesamt produzierte ich knapp acht Minuten Werbeblöcke, die ich textete und auf die verschiedenen Räume und Ausstellerwelten abstimmte. Dazu kamen mehrere Station-IDs, teils mit und teils ohne Hintergrundmusik, sowie In- und Outros für einzelne Rubriken, Soundteppiche, etc. Ziel war es ein möglichst Umfangreichen Rucksack an Tönen für die Sendung vorzubereiten. Zwei Beiträge zu Ausstellerzimmern waren ebenfalls bereits vor dem Event produziert und konnten während der Sendung eingesetzt werden.

Einer von fünf vorproduzierten Werbeblocks:

Parallel dazu mussten gestalterische Elemente abgestimmt werden. Dazu gehörten grafische Absegnungen rund um Logo und das visuelle Erscheinungsbild. Die war wichtig, damit MADLAND FM nicht nur akustisch, sondern auch visuell zur gesamten Eventwelt passte.

Logo MADLAND FM:

Logo von MADLAND FM.

Production

Am Eventtag bestand die Hauptaufgabe darin, das vorbereitete System über zwölf Stunden stabil zu betreiben und gleichzeitig flexibel auf das Geschehen vor Ort zu reagieren. Die Sendung folgte grundsätzlich dem vorbereiteten Stundenplan. Vorproduzierte Werbeblöcke, Station-IDs, Beiträge, Musikstrecken und fixe Moderationen alle 30 Minuten bildeten das Grundgerüst.

Live kamen kurze Moderationen, News, Programmansagen, Verlosungen, Songwünsche und Grüsse dazu. Insgesamt entstand über eine Stunde live moderiertes Material. Diese Live-Momente waren wichtig, weil sie den Sender direkt mit dem Event verbanden und auf aktuelle Situationen reagieren konnten.

Während des Tages produzierte ich zusätzlich mehrere Beiträge direkt vor Ort. Dazu gehörten kurze Reportagen und Aufnahmen aus einzelnen Bereichen des Events, zum Beispiel aus dem Tattoo-Studio. Diese Beiträge konnten spontan aufgenommen, geschnitten und in die Sendung eingebaut werden. Dadurch bekam das Programm eine Aktualität, die im Voraus nicht vollständig planbar war.

Reportage aus dem Bällebad:

Auch die Interaktion mit den Gästen entwickelte sich im Verlauf des Tages. Verlosungen waren vorbereitet, wurden später aber stärker genutzt, um mehr Beteiligung zu erzeugen. Besonders eine grössere Verlosung mit Übernachtung sowie Food- und Drink-Gutscheinen brachte mehr Bewegung in die Sendung. Die Teilnehmenden konnten im Gegenzug Songs wünschen oder Grüsse ausrichten.

Ausschnitte aus dem Gewinnspiel:

Neben der Unterhaltung erfüllte MADLAND FM während der Produktion auch eine praktische Funktion. Über Programmansagen, Hinweise und Promos wurden Gäste auf Räume, Aktionen und Programmpunkte aufmerksam gemacht. Der Sender verband dadurch die verschiedenen Bereiche des Events miteinander und unterstützte die Signaletik im Gebäude.

Zusätzliche Promo des Gewinnspiels via Instagram:
https://www.instagram.com/reels/DXSBjSijUEY/

Weitere Teile aus der Sendung:

MADLAND FM – Nachrichten:

Station ID:

Jingle:

Rubrik «Grüsse aus dem MAD LAND» – Abbinder

(mmi)

Rückblickend war die grösste Herausforderung nicht der Eventtag selbst, sondern die Vorbereitung davor. Besonders die Vorproduktion der Inhalte war deutlich aufwendiger als zuerst angenommen. Dabei ging es nicht nur um die technische Produktion von Werbungen, Station-IDs oder Jingles, sondern um das ganze Rundherum: passende Ideen entwickeln, Texte schreiben, Tonalitäten finden, Abläufe denken und die einzelnen Elemente in die Welt des MAD LAND einbetten. Jeder Werbeblock musste zum jeweiligen Raum passen, gleichzeitig aber auch in dieser überdrehten Eventwelt funktionieren. Dieser kreative Vorlauf hat viel mehr Zeit gebraucht, als ich anfangs eingeplant hatte.

Bei den vorproduzierten Elementen zeigte sich ausserdem, dass Menge nicht automatisch gleich Wirkung bedeutet. Ich wollte einen möglichst grossen akustischen Werkzeugkasten für die Sendung vorbereiten: Werbungen, Rubrik-Intros, Soundteppiche, Station-IDs, Beiträge und verschiedene Versionen einzelner Elemente. Das gab mir während der Sendung zwar Sicherheit und Flexibilität, führte aber auch dazu, dass nicht alles Material gleich stark zum Einsatz kam. Für ein nächstes Projekt würde ich früher unterscheiden, welche Elemente für die Sendung wirklich zentral sind und welche eher als Ergänzung funktionieren.

Auch technisch war die Umsetzung anspruchsvoll. Das finale Setup mit Stream, Mischpult, mehreren Programmen und verschiedenen Endgeräten funktionierte stabil, verlangte aber eine genaue Vorbereitung. Besonders die Entscheidung für die passende Hardware war wichtiger, als ich zu Beginn gedacht hatte. Erst im Testing wurde klar, dass die Bedienung im Studio nicht zu kompliziert sein darf, weil während der Sendung gleichzeitig moderiert, kontrolliert und auf Situationen vor Ort reagiert werden muss. Das Streaming-Mischpult war deshalb die richtige Lösung, hätte aber früher als zentrales Element festgelegt werden können.

Inhaltlich funktionierte MADLAND FM am stärksten dort, wo vorbereitete Elemente und spontane Momente zusammenkamen. Die Werbungen und Beiträge gaben dem Sender eine eigene Sprache, während die Live-Moderationen, Reportagen und Interaktionen mit Gästen das Programm lebendig machten. Gleichzeitig hätte ich die Interaktion noch konsequenter von Anfang an planen können. Verlosungen waren vorbereitet, entwickelten ihre eigentliche Wirkung aber erst im Verlauf des Events. Daraus nehme ich mit, dass aktivierende Formate bei einem Eventradio nicht nur Zusatz sind, sondern ein wichtiger Bestandteil des Konzepts.

Insgesamt lag die Stärke des Projekts darin, dass MADLAND FM am Ende als Teil der Eventwelt funktionierte. Die Schwäche lag weniger im Resultat als in der Planung des Aufwands. Ich habe unterschätzt, wie viel kreative, organisatorische und technische Vorarbeit nötig ist, damit ein Sender später locker, spontan und selbstverständlich wirkt. Für ein nächstes Projekt würde ich die Vorproduktion klarer strukturieren, früher technische Entscheidungen finalisieren und die Interaktion mit dem Publikum stärker in die Dramaturgie einbauen.