Lohnt sich ein kleiner Instagram – Account: mein Weg zur ersten Kooperation

Seit ungefähr eineinhalb Jahren führe ich meinen Instagram-Account @elison_khrisht aktiv. Angefangen habe ich mit ungefähr 450 Followern, hauptsächlich Freunden und Bekannten aus Schule und Universität. Heute sind es über 2’600 – eine Zahl, die sich bei Instagram natürlich ständig verändert bei einer Engagement Rate von 4.5 Prozent. In den letzten 30 Tagen kam mein Content dabei auf rund 70’100 Aufrufe.

Begonnen hat alles mit sechs kostenlosen Reels-Lektionen, auf die ich nach meinem Umzug aus der Ukraine in die Schweiz gestossen bin. Ich produzierte die vorgegebenen Videos, veröffentlichte sie und merkte plötzlich, dass meine Reels auch Menschen ausserhalb meines Freundeskreises erreichten. Ich lernte über Instagram neue Menschen in der Schweiz kennen und entdeckte gleichzeitig, wie sehr mich Content Creation interessiert. So sehr, dass diese Erfahrung später sogar meine Entscheidung beeinflusste, Multimedia Production zu studieren.

Heute gehört Instagram fest zu meinem Alltag. Neben Studium und Arbeit verbringe ich meine Freizeit damit, Ideen zu entwickeln, zu filmen, zu schneiden und meinen Account weiterzuentwickeln. Mein Content bewegt sich hauptsächlich in den Bereichen Lifestyle, Fashion, Beauty und Events, kombiniert mit humorvollen Reels. Dazu gehören zum Beispiel mein humorvolles Reel «What I finally see after working on my laptop all day … ✨», das über 884’000 Aufrufe erreicht hat, oder «How Switzerland changed me» mit über 244’000 Aufrufen. Von März bis Anfang September habe ich 51 Beiträge veröffentlicht.

Mit der Zeit wurde aus dem anfänglichen Ausprobieren ein Hobby, in das ich immer mehr Zeit, Ideen und Arbeit investierte. Gleichzeitig wurde ich neugierig auf eine Seite von Instagram, mit der ich mich bis dahin kaum beschäftigt hatte: Influencer Marketing. Also wollte ich es selbst ausprobieren und herausfinden, welche Möglichkeiten es für einen Account meiner Grösse überhaupt gibt.

(mmi)

Idee

Schon als ich mit Instagram angefangen hatte, schaute ich aus Neugier, welche Möglichkeiten es für Creator gibt, mit Marken zusammenzuarbeiten. So entdeckte ich auch Refluenced, eine Schweizer Influencer-Marketing-Plattform, auf der sich Creator für Kampagnen von Unternehmen bewerben können. Damals erfüllte mein Account die Voraussetzungen allerdings noch nicht und das Thema rückte für mich erst einmal wieder in den Hintergrund.

Als mein Account mit der Zeit wuchs, wurde es wieder interessant. Ich wollte einfach einmal ausprobieren, ob auch mit meiner noch relativ kleinen Community erste bezahlte Kooperationen möglich sind und wie das Ganze in der Praxis überhaupt funktioniert.

Dabei ging es mir weniger darum, wie viel ich damit verdienen könnte. Viel spannender fand ich die Möglichkeit, erste Erfahrungen mit echten Kampagnen zu sammeln.

Prozess

Ich registrierte mich, erstellte mein Creator-Profil und konnte mich mit etwa 2’000 Followern auf Kampagnen bewerben. In meiner Vorstellung war das ungefähr der Moment, in dem die Kooperationen anfangen würden. In der Realität fing vor allem eines an: Bewerbungen schreiben.

Ich suchte Kampagnen aus, erklärte, weshalb ich gerne teilnehmen würde, und wartete. Keine Zusage. Also die nächste Bewerbung. Wieder nichts. Irgendwann beschloss ich, nicht mehr mitzuzählen und vor allem nicht mehr auf jede einzelne Antwort zu warten. Stattdessen setzte ich mir ein einfaches Ziel: eine Bewerbung pro Tag. Zwei Monate lang zog ich diese Routine durch.

Mit der Zeit begann ich auch meine Bewerbungstexte zu verändern. Statt nur zu schreiben, dass mir ein Produkt gefällt, versuchte ich bereits eine Idee dafür zu entwickeln, wie ich es in meinen Content integrieren könnte. Was könnte ich filmen? Warum passt die Kampagne zu meinem Account? Und warum könnte meine Community daran interessiert sein?

Nach mehreren erfolglosen Versuchen erhielt ich schliesslich meine erste Zusage für PERIOD. Danach kamen weitere Kampagnen hinzu, unter anderem für ShopVille Zürich, Hero Mighty Patch und Tennis im Rufalipark.

Dabei lernte ich auch eine andere Form der Zusammenarbeit kennen: Barter-Kooperationen. Nicht bei jeder Kampagne besteht die Gegenleistung aus Geld – manchmal erhalten Creator stattdessen Produkte, Einladungen oder andere Leistungen. So stiess ich zum Beispiel auf das Creator-Programm von Charlotte Tilbury. Dort kann ich verschiedene Content-Aufgaben erfüllen und dafür Produkte erhalten. Ein Beispiel dafür ist mein Reel «This Is Your Sign to Keep Creating». Weitere Inhalte dazu sind in meinem Instagram-Highlight «Charlotte» zu finden.

Meine erste Zusammenarbeit war gleichzeitig die aufwendigste. Für die Kampagne sollte ich ein Reel und drei Stories produzieren. Zuerst musste ich das Produkt erhalten, mich mit allen Informationen auseinandersetzen, einen Text vorbereiten, filmen, schneiden, das fertige Video zur Freigabe schicken und es anschliessend veröffentlichen. Ich war ziemlich überfordert und wusste zunächst gar nicht, wo ich anfangen sollte.

Damit ich bei all den Anforderungen nichts vergass, fasste ich die wichtigsten Punkte aus dem Briefing für mich kurz und übersichtlich zusammen. Danach schaute ich mir an, wie andere Creator ähnliche Werbevideos umsetzen, entwickelte meinen eigenen Aufbau und suchte passende lizenzfreie Musik.

Die grösste Herausforderung kam allerdings erst beim Filmen: Ich hatte vorher noch nie direkt in die Kamera gesprochen. Was in anderen Reels so selbstverständlich aussieht, fühlte sich plötzlich überhaupt nicht selbstverständlich an. Ich wollte natürlich wirken, gleichzeitig aber deutlich und selbstbewusst sprechen und dabei auch noch an den Inhalt denken. Ich nahm einzelne Szenen immer wieder neu auf, änderte Formulierungen und probierte verschiedene Varianten aus.

Für das Filmen reserviere ich mir inzwischen meistens einen ganzen Tag. Dabei nehme ich lieber zu viel als zu wenig Material auf – manchmal so viel, dass es gefühlt für einen zweistündigen Film reichen würde. Wenn es die Zeit erlaubt, teile ich den gesamten Prozess deshalb auf mehrere Tage auf: An einem Tag filme ich, am nächsten schneide ich und am dritten veröffentliche ich den Content.

Mit jedem weiteren Auftrag entwickelte sich daraus langsam eine Routine. Dabei ist jede Kampagne etwas anders. Für ShopVille Zürich fuhr ich beispielsweise nach Zürich und produzierte ein Reel und drei Stories direkt vor Ort. Neben Filmen und Schneiden gehörten plötzlich also auch Anreise und Organisation zum Prozess.

Learnings

Mein grösstes Learning war, dass die Anzahl der Follower allein nicht darüber entscheidet, ob eine Marke mit einem Creator zusammenarbeiten möchte. Das Erreichen der notwendigen Grenze bei Refluenced öffnete mir zwar die Tür zur Plattform, war aber noch lange keine Garantie für eine Zusage.

Genauso wichtig war für mich Geduld. Eigentlich funktioniert dieser Prozess ähnlich wie der Aufbau eines Instagram-Accounts selbst: Man investiert viel Zeit, ohne sofort zu wissen, ob sich daraus etwas entwickelt. Meine tägliche Bewerbungsroutine über zwei Monate hat mir geholfen, Absagen weniger persönlich zu nehmen und mich stärker auf das Dranbleiben zu konzentrieren.

Ausserdem musste ich lernen, mich selbst als Creatorin besser zu präsentieren. Eine gute Bewerbung bedeutet für mich heute nicht mehr nur, zu erklären, warum ich ein Produkt interessant finde. Ich versuche stattdessen zu zeigen, was ich daraus machen könnte und welchen Mehrwert mein Content für die Marke bietet.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus der Produktion war für mich ausserdem, wie entscheidend eine gute Vorbereitung ist. Anfangs wollte ich möglichst schnell mit dem Filmen beginnen. Mittlerweile weiss ich: Je klarer meine Idee vorher ist, desto weniger Zeit verliere ich später.

Auch technisch und persönlich hat mich das Projekt weitergebracht. Besonders das Sprechen vor der Kamera fällt mir heute wesentlich leichter. Weniger Material filme ich deswegen allerdings nicht unbedingt. Im Gegenteil: Ich habe gemerkt, dass ich beim Schnitt lieber zu viel Auswahl habe, als am Ende festzustellen, dass mir genau eine bestimmte Aufnahme fehlt.

Durch die verschiedenen Kampagnen wurde mir auch bewusster, wie unterschiedlich Kooperationen vergütet werden können. Gerade bei Barter-Kooperationen steht einem kostenlosen Produkt trotzdem ein teilweise erheblicher Zeitaufwand für Idee, Produktion und Schnitt gegenüber. Für mich lohnt sich eine solche Zusammenarbeit deshalb vor allem dann, wenn mich das Produkt oder die Erfahrung auch unabhängig von der Kooperation interessiert.

Gleichzeitig hat sich mein Blick auf Werbung verändert. Eine Zusage freut mich natürlich, trotzdem frage ich mich inzwischen zuerst, ob ein Produkt glaubwürdig zu meinem Account passt. Nicht jede Möglichkeit, Geld zu verdienen, ist automatisch eine gute Möglichkeit für meinen Content.

Fazit

Mein Experiment hat mir gezeigt, dass man nicht erst zehntausende Follower braucht, um erste Kooperationen umzusetzen. Auch mit einer kleineren Community sind sowohl bezahlte als auch Barter-Kooperationen möglich.

Wenn ich den Zeitaufwand für Bewerbungen, Planung, Dreh und Schnitt dagegenstelle, würde ich Instagram momentan noch nicht als wirkliche Einnahmequelle bezeichnen. Trotzdem hat es sich für mich gelohnt. Ich konnte erste Erfahrungen sammeln, mit echten Briefings arbeiten und gleichzeitig meine Fähigkeiten in der Content Production weiterentwickeln.

Unabhängig davon, wie profitabel mein Account in Zukunft sein wird, möchte ich meinen Blog auf jeden Fall weiterführen. Content zu erstellen macht mir Spass und war schliesslich schon lange vor der ersten bezahlten Kooperation der Grund, warum ich überhaupt damit angefangen habe. Wenn sich daraus mit der Zeit noch weitere Möglichkeiten ergeben, würde ich mich natürlich sehr darüber freuen.