Live Visuals & Flyer für die Homeparty «Sidequest»
Ein freiwilliger Umweg. So könnte man das Konzept Sidequest kurz zusammenfassen. In Games sind Sidequests Aufgaben neben der Hauptstory – nicht nötig, aber oft der Teil, an den man sich später erinnert. Ich habe das auf einen Abend übertragen. Eine Homeparty die zeitlich nicht im klassischen «23 bis 5»-Slot liegt, sondern früher. Die Idee war: Leute kommen vorbei, treffen sich, kommen in Stimmung, trinken etwas, hören Musik, und ziehen danach weiter in die «Mainquest» (Club, Ausgang, was auch immer).
Ein paar Wochen vor der Party war ich auf einer anderen Homeparty, bei der musikalisch alles okay war, aber visuell gar nichts passiert ist. Keine Lampen, kein Lichtwechsel, nichts dynamisches. Man merkt dann schnell, dass Musik allein nicht automatisch Stimmung macht, wenn der Raum weiterhin nach Küche aussieht. Für unsere Party wollte ich das ändern. Ohne viel Budget ist effektives Event-Licht allerdings schwierig. Wir hatten praktisch nur einen Beamer. Natürlich war ich auch zu Spät dran, um an der Uni Licht auszuleihen, das war alles schon reserviert. Dazu kommt, dass an einer Homeparty niemand den ganzen Abend lang Licht fahren will.
Bei der Suche nach einer Lösung bin ich auf Reddit auf Hydra gestossen. Hydra ist im Kern ein Live-Visual-Tool, das über JavaScript funktioniert: Man schreibt kurze Codezeilen, die Bildquellen erzeugen, kombinieren und modulieren. Das fühlt sich blöd gesagt an, wie ein Visuelles Instrument. Du baust dir aus ein paar Bausteinen ein Bild, lässt es feedbacken, verzerrst es, nimmst Bewegung rein, und kannst alles live verändern. Der Reiz: Es läuft über eine Website direkt im Browser, braucht keinen riesigen Installations-Zirkus, und ist schnell genug, um in Echtzeit auf einer Party eingesetzt zu werden.
Ich habe dann auf der Hydra-Website angefangen herumzuspielen und mir das Tool Schritt für Schritt beigebracht. JavaScript war mir aus der Uni grundsätzlich bekannt, aber Hydra hat eine eigene Logik. Über ungefähr zwei Wochen habe ich immer wieder kurze Sessions gemacht. Das schöne war, dass ich mal wieder Spass daran hatte, ein Tool zu lernen. Ausprobieren, speichern, wieder aufmachen, verwerfen, neu bauen. Das man immer direkt visuelles Feedback bekommt stimuliert die Instant-Gratification und auch wenn man etwas «falsch» macht kommt manchmal etwas komplett unerwartetes aber dafür verwirrend interessantes heraus. ChatGPT war dabei enorm hilfreich.
Das wichtigste für die Party war, dass die Visuals automatisch dynamisch sind, damit sie nicht die ganze Zeit bedient werden müssen. Am Ende hatte ich einen Code, der über das Laptop-Mikrofon die Musik “mitbekommt” und daraus Steuerwerte ableitet. Basslastige Parts verändern das Bild in eine Richtung, ruhigere Passagen lassen es wieder zurückkippen.
Weil ich sowieso schon im Flow war habe ich ausserdem noch einen Flyer für die Party gestaltet. Als der Abend kam, konnte ich so nurnoch den Laptop an den Beamer anhängen und die Party konnte losgehen.

(vha)
Obwohl Hydra auf den ersten Blick zugänglich wirkt, braucht es Zeit, bis man versteht, wie sich einzelne Bausteine wirklich verhalten – und wie kleine Änderungen im Code grosse visuelle Auswirkungen haben können. Gerade am Anfang war der Prozess stark von Trial-and-Error geprägt: Viele Ansätze funktionierten kurz, wirkten dann aber entweder zu statisch, zu unruhig oder schlicht nicht in der Bildsprache, die zur Party passen sollte.
Trotzdem war dieser Aufwand nicht frustrierend, sondern im Gegenteil ein wesentlicher Teil des Projekts: Der Lernprozess hatte eine klare Richtung, weil er auf ein konkretes Ziel hinauslief. Genau das hat den Unterschied gemacht – nicht einfach “ein Tool ausprobieren”, sondern sich systematisch einarbeiten, um am Ende etwas vorzeigen zu können, das im Party-Kontext tatsächlich funktioniert. Dieses zielgerichtete Vertiefen war vermutlich der angenehmste Teil des gesamten Projekts.