Hong Kong in S-Log3

Für dieses Projekt wollte ich mich bewusst auf etwas konzentrieren, das ich bisher eher gemieden habe: Color Grading. Statt einfach „schöne Bilder“ zu filmen, habe ich mich entschieden, in S-Log3 zu drehen – einem sehr flachen, grauen Bildprofil, das erst in der Nachbearbeitung seine eigentliche Form bekommt.

Als Ort dafür habe ich Hong Kong gewählt. Eine Stadt, die visuell kaum extremer sein könnte: Neonlichter, Glasfassaden, enge Gassen, Menschenmassen, Spiegelungen, Dunkelheit und plötzlich grelles Licht. Perfekt, um herauszufinden, wie weit ich Farben, Kontraste und Stimmungen pushen kann, ohne dass das Bild auseinanderfällt.

Ich habe zwei kurze Filme gedreht:
Einen am Tag und einen in der Nacht.
Beide mit denselben Kameraeinstellungen, demselben Profil, aber völlig unterschiedlichen Herausforderungen.

Tagsüber ging es darum, die flachen Log-Aufnahmen wieder mit Leben zu füllen, ohne dass der Look künstlich wird. Hauttöne, Himmel, Beton, Pflanzen – alles musste zurückgeholt werden, ohne dass es „overgraded“ aussieht.
Nachts war es fast das Gegenteil: Die Lichter waren da, aber extrem heikel. Neon, LED, Reflektionen, Mischlicht – alles konkurriert. In S-Log3 ist das zwar gut auffangbar, aber auch brutal ehrlich: Sobald man zu weit zieht, bricht das Bild.

Ein grosser Teil der Arbeit fand nicht draussen in Hong Kong statt, sondern später vor dem Bildschirm. Ich habe jede Szene mehrfach durchgearbeitet, Looks ausprobiert, wieder verworfen, neu aufgebaut. Teilweise sahen die Clips zwischendurch komplett falsch aus – zu grün, zu pink, zu flach oder zu kontrastreich – bevor sie langsam in eine Richtung gekippt sind, die sich richtig angefühlt hat.

Auch der Schnitt war Teil dieses Lernprozesses. Ich habe bewusst mit ruhigen, beobachtenden Einstellungen gearbeitet, um dem Grading Raum zu geben. Die Bilder sollten nicht nur Information transportieren, sondern Stimmung. In der Timeline habe ich viel verschoben, Sequenzen neu gebaut, Shots rausgenommen, die einzeln schön waren, aber im Fluss nicht funktioniert haben.

Für mich war dieses Projekt weniger ein „Hong-Kong-Film“ als ein technisches und ästhetisches Experiment. Ein Versuch zu verstehen, wie sehr Farbe, Kontrast und Licht darüber entscheiden, wie wir einen Ort wahrnehmen – und wie viel Kontrolle man darüber eigentlich in der Postproduktion hat.

Wenn man genau hinschaut, sieht man in beiden Filmen nicht nur eine Stadt, sondern auch meinen Lernprozess: Unsicherheiten, Übertreibungen, kleine Erfolge und Stellen, an denen plötzlich alles Sinn ergibt.

Bitte akzeptiere die statistik, Marketing Cookies um diesen Inhalt zu sehen.
Bitte akzeptiere die statistik, Marketing Cookies um diesen Inhalt zu sehen.

(vha)

Das Projekt, zwei Filme in S-Log3 in Hong Kong zu drehen – einen bei Tag und einen bei Nacht – war technisch und gestalterisch deutlich anspruchsvoller, als es von aussen vielleicht wirkt. Schon beim Dreh bedeutete das flache Log-Profil, dass ich vor Ort kaum ein „schönes“ Bild sehen konnte. Alles sah grau, kontrastarm und unspektakulär aus, was das Vertrauen in die eigenen Bilder erschwert, aber gleichzeitig zwingt, sauber zu belichten und bewusster zu filmen.

Der grösste Aufwand entstand jedoch in der Postproduktion. Jeder Clip musste zunächst korrekt normalisiert werden, bevor überhaupt an einen Look zu denken war. Danach folgte ein langer Prozess aus Testen, Vergleichen und Verwerfen von Grading-Entscheidungen. Gerade in den Nachtaufnahmen mit Neonlichtern, Mischlicht und starken Farbkontrasten war es schwierig, ein Gleichgewicht zwischen Atmosphäre und technischer Sauberkeit zu finden. Oft sah ein Bild für sich gut aus, funktionierte aber im Zusammenspiel mit den anderen Shots nicht mehr.

Rückblickend habe ich gemerkt, dass ich mich teilweise zu sehr in Details verloren habe. Ich habe viel Zeit damit verbracht, einzelne Frames „perfekt“ zu machen, statt den Gesamtfluss des Films immer im Blick zu behalten. Dadurch entstand stellenweise eine leichte Inkonsistenz im Look zwischen einzelnen Szenen, besonders beim Übergang von hellen zu dunklen Bereichen.

Auch der Schnitt hat sich als enger mit dem Grading verbunden erwiesen, als ich erwartet hatte. Manche Einstellungen waren visuell stark, aber farblich oder rhythmisch schwer integrierbar, sodass ich lernen musste, mich von guten Shots zu trennen, wenn sie dem Gesamtfilm nicht dienten.

Für zukünftige Projekte würde ich mir im Voraus klarere visuelle Referenzen und Ziel-Looks definieren, bevor ich ins Grading gehe. Das würde helfen, Entscheidungen schneller und konsequenter zu treffen. Gleichzeitig hat mir dieses Projekt gezeigt, wie mächtig Color Grading als erzählerisches Mittel ist – nicht nur, um Bilder „schön“ zu machen, sondern um Stimmungen, Tageszeiten und sogar ganze Städte unterschiedlich fühlbar zu machen.