Here to stay

HERE TO STAY - Frauenfussball

Frauen spielen Fussball. Frauen spielen gut Fussball. Auch wenn wir nicht repräsentiert werden, sind wir hier. Und wir bleiben.

Der Film soll als Protest gelten. Die Frauenmannschaften im FC Töss werden nach wie vor nicht gleichberechtigt behandelt, wie die der Männer. Vor allen Dingen werden wir nicht repräsentiert. Auf den Social Media Plattformen des Vereins wird fast ausschliesslich über die Erfolge und Misserfolge der Männer berichtet. Dass wir in einer Windeseile von der B-Juniorinnen Stufe in die 3. Liga marschiert sind, wurde noch nie thematisiert. Wir mussten einen eigenen Instagram-Account eröffnen, den wir selbst führen, um überhaupt Präsenz zeigen zu können.

Ausserdem findet man uns auf der offiziellen Homepage des Vereins nach wie vor unter «Frauen 3. Liga». Diese Bezeichnung ist an sich nicht falsch. Die Männer, die ebenso in der 3. Liga spielen, werden jedoch nicht dementsprechend, sondern mit «1. Mannschaft» angeschrieben. Mit dieser Bezeichnung der Teams nimmt der FC Töss eine klare Stellung dazu ein, welches Geschlecht an erster und welches an zweiter Stelle steht.

Wir haben schon stark gekämpft und grosse Verbesserungen in der Gleichstellung von Männern und Frauen im FC Töss erreicht. Damit aber noch nicht genug. 

Aus diesem Grund wurde dieses Video produziert. Wenn wir nicht repräsentiert werden, repräsentieren wir uns selbst. Mit dem eigenen Budget, auf dem eigenen Instagram-Account und mit dem eigenen Team. Wir werden nicht aufhören für unsere Rechte auf und neben dem Fussballfeld zu kämpfen. 

Wir spielen Fussball und werden weiter Fussball spielen. 

We are here to stay.

(dbo)

Preproduction

Coronabedingt spielen wir seit über einem Jahr kein Fussball mehr. Kurz vor dem Ausbruch der Pandemie waren wir auf einem sehr guten Weg, näher an die Gleichberechtigung der Frauen- und Männerteams im Fc Töss zu stossen. Ich fühlte mich dazu verpflichtet, dieses Thema weiter zu behandeln und Corona nicht die Macht zu geben unsere Fortschritte zu Nichte zu machen. Also entschied ich mich ein Video für die Social-Media-Kanäle der Fc Töss Frauen zu drehen. Es soll Aufmerksamkeit erregen und dem ganzen Verein zeigen, dass wir nicht vergessen haben, worum wir kämpfen.

Von Anfang an hatte ich sehr genaue Vorstellungen der Aufnahmen, die ich machen wollte. Vom Modul Audiovisuelles Erzählen wusste ich, dass ein genauer Drehplan viele Nerven und Kopfschmerzen ersparen kann. Also arbeitete ich intensiv daran, den Zusammenschnitt der Szenen so genau wie möglich zu skizzieren. Ein weiterer  sehr wichtiger Schritt war auch das genaue Erkundigen des Drehplatzes. Natürlich kenne ich mich im Fc Töss bestens aus, dennoch habe ich mich noch nie auf die Lichtverhältnisse und vor allem auf die Platzmöglichkeiten für Kamera, etc. geachtet. Nach dem Abklären der Lage überarbeitete ich den Drehplan, sodass sicher alle Szenen filmbar sind. Meine Protagonistin wusste zu diesem Zeitpunkt bereits von ihrem Glück und war mit dem Drehplan einverstanden. Zum ersten Mal, seitdem ich studiere, nutzte ich die Möglichkeit unserer Ausleihe. Ich bin eine sehr vorsichtige Person und schüchtern, wenn es darum geht, Neues auszuprobieren. Deswegen habe ich den Produktionskoffer ausgeliehen, der für unsere Arbeiten im Modul Audiovisuelles Erzählen zusammengestellt wurde. Ich wusste zwar, dass ich nie alles brauchen würde, was drin ist, aber ich fühlte mich mit dem Material wohl.

Ich reiste also mit dem Koffer nach Winterthur. Dort holte ich eine Baustellenlampe bei einer Freundin ab. Diese wollte ich für die Aufnahmen in der Garderobe verwenden, weil das Licht in den Innenräumen sehr gelblich wirkt.

Production

Wir begannen mit den Aufnahmen in der Garderobe, da es draussen noch nicht dunkel war. Ich habe für alle Aufnahmen die Sony PXW-Z90V verwendet. Für den Ton das Zoom H6 Aufnahmegerät und das Funkset Sennheiser XSW Digital. Für das Licht musste die Baustellenleuchte reichen, da ich mit dem Zug unterwegs war und auf keinen Fall viel Lichttechnik mittragen konnte.

Ich hielt mich an den ausarbeiteten Drehplan, was mir viel Zeit sparte. Die Protagonistin war sehr geduldig und hatte nichts dagegen, dieselbe Aufnahme 2- bis 10-mal zu machen. Ein Problem, das mir in der Garderobe viele Nerven raubte, war der enge Platz. Es war schwer mich so zu positionieren, dass die Shots so aussahen, wie ich sie geplant hatte. Ausserdem war es mit der Baustellenlampe auch nicht einfach ein schönes Licht zu generieren, weil ich mich vorher nicht damit auseinandergesetzt hatte.

Nach einigen Stunden war ich aber zufrieden und wollte raus auf den Platz. Dort mussten wir mit Schrecken feststellen, dass der Strom und das Wasser noch immer ausgeschaltet waren, weil Coronabedingt seit mehreren Monaten niemand mehr auf den Plätzen gespielt oder trainiert hat. Ich hatte keine andere Möglichkeit, als den Dreh abzubrechen und einen neuen Termin zu vereinbaren.

Die Frustration war riesig. Den Kopf in den Sand zu stecken wäre aber auch keine Lösung gewesen, weshalb ich mich in den Zug zurück nach Bern setzte und das Material aus der Garderobe durchkämmte.

Der zweite Drehtermin konnten wir glücklicherweise schon eine Woche später ansetzen. Diesmal waren wir auch sicher, dass der Strom an sein würde, da einige Teams schon wieder trainieren durften. Ich lieh nochmals dasselbe Materialset aus und fuhr nach Winterthur. An diesem Drehabend lief alles wie geschmiert. Wir konnten einige Szenen in der Garderobe noch einmal aufnehmen, weil ich mit den ersten Versuchen noch nicht zu hundert Prozent zufrieden war aber vor Allem konnten wir draussen filmen. Leya, die Protagonistin, hat wieder extreme Geduld bewiesen und schlug mir keinen Wunsch ab. Der Drehplan wurde zwar auch beim zweiten Drehabend eingehalten, jedoch traute ich mich mehr und liess mich auf spontane, kreative Ideen genauso ein, wie auf die geplanten Shots. An diesem Abend verlor ich mich im Filmen und Ausprobieren. Die Stunden vergingen ohne, dass ich es bemerkte. Als ich alle Sequenzen im Kasten hatte, war es schon Nacht.

Postproduction

Im Zug zurück nach Bern konnte ich mich nicht davon abhalten das Material schon anzuschauen. In den nächsten Tagen und Wochen verbrachte ich viel Zeit damit, die Aufnahmen durchzusehen und eine Auswahl zu treffen. Als ich das geschafft hatte, begann ich mit dem Zusammenschnitt. Ich habe schon Videos geschnitten aber noch nie allein und noch nie nach einem genauen Muster und Stil. Ich orientierte mich am Stil des Schnitts von Sportmarken-Werbungen. Die schnell zusammengeschnittenen Szenen waren für mich eines der wichtigsten Stilelemente des Videos. An erster Stelle stand aber der Ton. Mir war sehr wichtig, dass man hört, was Leya macht. Ich wollte ihre Energie durch die Klänge rüberbringen. Deswegen hatte ich das Funkset gebraucht. Die Schnürsenkel, der Haargummi und das plätschernde Wasser sind Beispiele. Dass diese Idee funktioniert hat, ist für mich das Highlight des Projekts.

Der Film war schnell zu einem Rohschnitt zusammengeschnitten, da ich mich an meinem Drehplan orientieren konnte. Doch dann kam eine weitere Herausforderung, die ich unbedingt meistern wollte: das Color Grading. Ich hatte mich mit diesem Thema noch nie auseinandergesetzt und scheute mich davor. Aber ich entschied mich ohne Hilfe von Aussenstehenden ins kalte Wasser zu springen und selbst schwimmen zu lernen. Ich wusste, dass ich hohe Kontraste, helles Licht und leuchtende Farben wollte. So sollte die Energie des Videos transportiert werden. Ich sehe diesen Teil des Projektes sehr stark als Learning an, da ich weiss, dass es noch nicht perfekt ist, aber ich mich getraut habe, einfach mal loszulegen. Ich denke, beim Color Grading spielt die Erfahrung eine sehr grosse Rolle.

Nach dem Schritt entschied ich mich, um das Video noch energetischer zu gestalten, Musik zu verwenden. Ganz unkompliziert suchte ich auf Youtube nach Copyright-Free Music und probierte mich durch die Tracks. Ganz zum Schluss arbeitete ich noch am von mir aufgenommenen Ton weiter. Er war mir noch nicht übertrieben genug, weshalb ich mit den Lautstärken experimentierte. Schlussendlich war es ein riesen Aufwand allein dieses Video zu realisieren. Die Aufnahmen, der Schnitt, das Grading; Alles dauerte länger als ich erwartet hatte. Ohne Leyas Geduld könnte ich jetzt sicher nicht so stolz auf das Endergebnis sein, wie ich es bin.

Learnings und Fazit

Ich bin froh, dieses Projekt realisiert zu haben. Es hat mich aus meiner Komfortzone geholt und mich gezwungen, neue Herausforderungen anzugehen. Ich kenne mich jetzt mit dem Material besser aus, habe mich mit Premiere Pro angefreundet und gelernt, wie wichtig eine gute Organisation, Planung und ein gutes Team ist.

Von der Produktion dieses Videos kann ich viel mitnehmen. Beispielsweise möchte ich die Ausleihe in Zukunft öfter nutzen und mich auch mit Geräten auseinandersetzen, die mich einschüchtern. Ausserdem werde ich nie wieder an einem Drehplatz auftauchen, ohne vorher abgeklärt zu haben, ob alles offen ist und läuft. Zwei Komponenten meiner Planung, die glücklicherweise sehr gut funktioniert haben und die ich von nun an immer so machen will, sind den Drehplan so genau zu zeichnen, wie ich es für dieses Projekt getan habe und die Protagonisten so auszusuchen, dass wir uns wohlfühlen.