Habits: Single von OTIS2403, Étee und MGS

‘habits’ verarbeitet eine zerbrochene Beziehung und den Absturz danach; das Flüchten in Partys, Drogen und schlaflose Nächte, um den Schmerz zu betäuben. ‘habits’ steht für die Suche nach Halt, wenn Ruhe und Liebe plötzlich fehlen. Eine poppig-melancholische Liebeshymne mit dunkleren Trap Untertönen. Perfekt für den melancholischen Night-Drive oder für die Erinnerungszigarette.

Letzten Februar hat sich einer meiner besten Freunde von seiner langjährigen Freundin getrennt. Ich habe ihn über Wochen immer wieder gesehen – und je länger das ging, desto klarer wurde: Der eigentliche Bruch passiert nicht am Tag, an dem man auseinandergeht, sondern in der Zeit danach. Wenn sich Routinen verschieben, Nächte länger werden und Ablenkung plötzlich wie eine Notwendigkeit wirkt.

In dieser Stimmung musste ich erneut an Tove Lo – „Habits (Stay High)“ denken. Der Song ist bekannt, fast selbstverständlich poppig, und gleichzeitig radikal ehrlich darin, was Menschen manchmal tun, um Schmerz zu übertönen. Den Ohrwurm hatte ich locker zwei Wochen bevor ich dann in einer Studio Session aus Spass nach «Tove-Lo Habits type beat» gesucht habe. Aber zu meiner Überraschung war direkt der erste angeklickte Beat ein Banger. Da war der Fall klar: Wir machen eine Interpolation. Gleiches Thema, ähnliche Hook, aber andere Sprache und anderer Style.

Preproduction:

Die erste Aufnahme entstand im Winter 2025. Damals war es eine Skizze: Hook, Grundstimmung, ein Vibe, der bereits in die richtige Richtung zeigte. Danach begann der Teil, den man von aussen selten sieht: Versionen, Korrekturen, neue Ansätze. Das ist dann “habits_rough”, “habits_v2”, “habits_neu”, “habits_final”, “habits_final2″, «habits_finalFINAL».

Über Monate ist „habits“ immer wieder auf dem Tisch gelandet. Mal haben wir nur Kleinigkeiten verändert – einzelne Wörter, Betonungen, Adlibs. Mal haben wir komplette Passagen neu gebaut, weil der Song sich mit jeder Runde ein Stück weiter präzisiert hat. Irgendwann war klar: Es reicht nicht, wenn die Referenz funktioniert. Der Track muss auch ohne dieses Wissen tragen.

Production:

Étee und ich kennen uns schon lange. Trotzdem war „habits“ der erste Track, den wir als Duo innerhalb des 2403-Umfelds konsequent durchgezogen haben – nicht als „Feature“, sondern als gemeinsames Stück Arbeit.

Inhaltlich ging es nicht darum, Trennung „dramatisch“ zu erzählen. Vielmehr um das Danach: Flucht nach vorn, Partys, Substanzen, schlaflose Nächte. Gleichzeitig sollte der Song poppig bleiben, mit einem melancholischen Kern und dunkleren Trap-Untertönen.

Aufgenommen wurde auch nicht “am Stück”, sondern über Monate. Teilweise haben wir nur Kleinigkeiten gemacht: Adlibs neu, ein paar Wörter ersetzt, Timing gerichtet. Teilweise haben wir komplette Parts neu geschrieben, weil der Song sich halt verändert hat, je länger wir dran waren.

Und je mehr Versionen wir gemacht haben, desto klarer wurde: das Thema ist nicht “Trennung”, sondern das, was danach passiert, wenn du dir selber ausweichst. Du suchst Halt, aber machst alles, damit du ihn nicht finden musst.

Post-Produktion:

Das Mixing hat Str808 Squad übernommen. Das Mastering kam von New World Mastering. In dieser Phase wurde aus den vielen Einzelteilen erstmals ein zusammenhängender Song. Gleichzeitig war es auch der Moment, wo ich nervig wurde. Weil du hier plötzlich jedes Detail hörst, und alles Perfekt klingen muss.

Promotion:

Für die Veröffentlichung wollten wir nicht bei einem einzigen Post bleiben. Deshalb haben wir mehrere Promo Reels/Tiktoks produziert. Ein Problem, von dem wir vorher noch nicht wussten, ist das man auf TikTok nicht rauchen sollte, wenn man von Algorithmus geteilt werden will. Was wir, passend zum Song, natürlich in fast jedem Video gemacht haben. Also hiess es: nochmal filmen gehen.

Fazit:

„habits“ ist über einen langen Zeitraum gewachsen. Zum einen, weil wir uns oft nicht entscheiden konnten, zum anderen, weil wir von Anfang an dachten, dass der Track gut funktionieren kann und wir ihm gerecht werden wollten. Mein Kollege ist mittlerweile schon wieder in einer Beziehung. «habits» hört er trotzdem die ganze Zeit.

(vha)

Rückblickend war die grösste Herausforderung bei „habits“ nicht die Aufnahme, sondern das Verhältnis zu dem Song über die Zeit. Weil er so früh im Winter 2025 entstanden ist, hatte ich immer wieder das Gefühl: Er ist eigentlich schon da – aber noch nicht präzise genug. Das hat zu einer langen Kette an Versionen geführt, teils sinnvoll, teils aus dem Reflex heraus, nichts „liegen zu lassen“.

Ein weiterer Punkt war die Referenz selbst. Eine Interpolation funktioniert nur, wenn sie nicht zur Krücke wird. Wir mussten bewusst darauf achten, dass die Verbindung zu Tove Lo nicht wie ein Effekt wirkt, sondern wie ein Ausgangspunkt – und dass der Track auch dann Sinn macht, wenn man den Kontext nicht kennt.

Wenn ich heute etwas anders machen würde, dann weniger aus Angst vor dem „falschen“ Release-Stand entscheiden und früher klar definieren, was für „habits“ wirklich zentral ist: die Spannung zwischen zugänglicher Pop-Struktur und dem dunkleren Unterton. Alles, was diese Balance nicht stärkt, ist im Zweifel nur zusätzliche Arbeit.

Trotzdem: Die Zeit war nicht umsonst. Gerade weil wir den Song über Monate immer wieder angefasst haben, fühlt er sich am Ende nicht wie ein schnell produzierter Moment an, sondern wie ein Track, der seine Form gefunden hat.