Fotografiespaziergang, Lightroom Classic und der hässlichste Block der Schweiz
Wenn der Frühling sich zum ersten Mal zeigt, dann fängt die Stadt wieder an zu leben. So ist es auch mir ergangen, als die ersten Sonnenstrahlen in Zürich angekommen sind, nach der langen Nebeldecke, die die Stadt eingenommen hatte. Ich habe mir im Zuge dessen eine Kamera geschnappt und versucht meine Umgebung, Frühlingsmomente und kleine Details einzufangen, auf zwei Spaziergängen durch einen Teil von Zürich. Was aus diesen Fotos entstanden ist und was ich als Neuling in Lightroom Classic damit gemacht habe, seht ihr hier.
1. Der hässlichste Block der Schweiz
Direkt an der Haltestelle Triemli in Zürich, befindet sich, laut einer 20 Minuten Abstimmung aus 2018, das hässlichste Hochhaus der Schweiz. Das 1966 fertiggestellte Gebäude hat schon damals sehr polarisiert und das macht es auch heute noch. Auch ich bin jedes Mal irritiert wenn ich das Gebäude vor mir habe. Deshalb habe ich davon ein Foto gemacht. Es eckt an, und das wortwörtlich. Der Baustil erinnert an den Brutalismus und das habe ich in der Bearbeitung des Fotos auch versucht hervorzuheben.


2. Die Uetlibergbahn
Nebst der ikonischen Sihltalbahn gibt es in Zürich auch die Uetlibergbahn. Die Fahrt erstreckt sich vom Zürcher Hauptbahnhof bis, wie es der Name schon sagt, zum Uetliberg. Für alle, die nicht den Weg nach oben zu Fuss machen möchten, aber trotzdem den schönen Ausblick geniessen wollen, ist das eine super Alternative. Auf der Spitze des Uetlibergs befindet sich auch das Hotel Uto Kulm, bei welchem es im Aussenbereich auch einen Kiosk gibt für eine leckere Verpflegung.


3. Stadtpanorama
Mein Spaziergang führte mich schliesslich auf den Panoramaweg – eine kleine, aber eindrucksvolle Wanderung, die am Fusse des Uetlibergs beginnt und bis nach Adliswil führt. Es ist ein Weg, der seinem Namen alle Ehre macht: Kaum hat man die ersten Höhenmeter hinter sich gelassen, öffnet sich die Perspektive und die Stadt liegt einem zu Füssen.


4. Die Schrebergarten Idylle
In dieser Fotoserie habe ich versucht, den ganz eigenen Zauber der Zürcher Familiengärten festzuhalten. Schrebergärten sind faszinierende Orte: Sie sind kleine, private Paradiese inmitten der urbanen Welt, geprägt von einer Mischung aus liebevoller Ordnung und wilder Natur. Mich hat das Zusammenspiel aus Ordnung und Wildnis angezogen. Da ist die akkurat geschnittene Hecke, die direkt an ein wild wucherndes Moosbeet grenzt. Diese kleinen Kontraste machen für mich den Charme der Schrebergärten aus.








5. Friedhof Sihlfeld
Der Friedhof Sihlfeld ist der grösste Friedhof in Zürich. Dementsprechend ist die Anlage sehr weitläufig und auch beliebt für einen Spaziergang. Folglich habe auch ich versucht, dort interessante Sachen einzufangen. Das Fotografieren im Sihlfeld hat eine fast meditative Qualität. Man achtet plötzlich auf die feinen Details – die Maserung des Steins, die Geräusche der Tiere oder die besondere Lichtstimmung in den einzelnen Abzweigungen.






6. Die Alfa Romeo Garage
Autos sind sehr fotogene Objekte, wovon viele gerne Fotos machen. Bei diesem Bild habe ich mir gedacht, was passt besser als ein optisch verzogenes Auto im Vordergrund zu haben und im Hintergrund die Auto Garage? Mit kleinen Anpassungen wollte ich die Farben etwas mehr hervorholen und den Effekt des durchfahrenden Autos verstärken.


Meine erste Erfahrung mit Adobe Lightroom Classic
Bisher blieben meine Fotos meist so, wie sie aus der Kamera kamen. Doch für meinen letzten Spaziergang durch Zürich habe ich mich zum ersten Mal an Adobe Lightroom Classic gewagt. Mein Ziel: Nicht nur zu dokumentieren, was ich sehe, sondern die Stimmung einzufangen, die ich vor Ort gefühlt habe.
Die Entdeckung der Grundeinstellungen
Am Anfang war ich von den vielen Möglichkeiten fast erschlagen, aber schnell habe ich gemerkt, wie viel Magie in den Grundeinstellungen steckt. Besonders bei meiner Serie „Schrebergarten-Idylle“ war es faszinierend zu sehen, wie ein Bild „erwacht“, wenn man nur ein wenig an den Tiefen und dem Kontrast dreht.
Ich habe gelernt, wie man mit dem HSL-Panel gezielt das Grün des Rasens oder das Lila der Blumen betont, ohne dass das restliche Bild künstlich wirkt. Das ist für mich sehr wertvoll auch für zukünftige Projekte.
Mein absolutes Highlight waren die Masken. Dass man mit einem „Radial-Filter“ oder dem Pinsel quasi Licht in einen dunklen Gartenweg malen kann, hat mich echt überrascht. Plötzlich bekommt das Bild eine Tiefe, die vorher einfach nicht da war.
Herausforderungen und kleine Erfolge
Es war gar nicht so einfach, einen einheitlichen Look für eine ganze Serie zu finden. Ich wollte, dass der rote Alfa Romeo in der Garage genauso „nostalgisch“ wirkt wie die alten Holzhütten in den Schrebergärten.
Mit nur kleinen Anpassungen kann man schon viel Veränderung im Bild feststellen, was einem schnell das Gefühl von Erfolg vermittelt. Ich konnte mit keiner vorrangigen Erfahrung aus den Bildern mal mehr und mal weniger herausholen. Das spricht auch für Adobe Lightroom Classic.
Mein Fazit als Lightroom-Neuling
Adobe Lightroom Classic hat mir geholfen, mehr in den einzelnen Fotos und somit auch dem Potential darin zu sehen. Mit nur ein paar kleinen Anpassungen kann man schon deutlich mehr herausholen, mehr Tiefe, mehr Struktur und eine stärkere Botschaft, die man vermitteln kann. Ich hatte anfangs ein bisschen Respekt davor, Bilder nicht unrealistisch oder fast schon fiktiv darzustellen. Aber ich habe dann meinen Weg gefunden, um meine Vorstellung im Kopf und die Gedanken zum Zeitpunkt der Aufnahme, auch in das Bild einfliessen zu lassen. Ich bin motiviert zukünftig auch auf privater Ebene meinen Fotos etwas mehr Zeit zu widmen, vor allem in der Nachbearbeitung.
Gut:
- Es war gut, dass ich mich getraut habe dieses Neuland zu betreten und einfach auszuprobieren. Das ist bei neuen Dingen meist die grösste Hürde.
- Ich bin geduldig geblieben, auch wenn es viel Zeit benötigt, um die Fotos zu bearbeiten.
- Ich habe bisheriges Wissen und mein Auge für Ästhetik/gute Frames bestmöglich eingesetzt und kann darauf aufbauen bei zukünftigen Fotos.
- Vor allem habe ich auch gelernt, dass Fotografie auch sehr individuell sein kann. Jede Person kann einen anderen Moment wahrnehmen und ein gutes Bild darin sehen.
Nicht gut:
- Im Vorhinein hätte ich mich etwas besser mit der Kamera (Sony A7 III) auseinandersetzen können. Ich habe zwar in RAW die Fotos geschossen, aber viel mehr habe ich bei den Einstellungen nicht beachtet, da ich sowieso im «Automatisch» Modus gearbeitet habe. Bei zukünftigen Fotos kann ich mich vielleicht an das «Manuelle» Schiessen von Fotos ran tasten.
- Beim letzten Bild-Duo der Schrebergarten Idylle hätte ich mehr auf die Frame-Position achten können. Es wäre schöner gewesen, wenn der Blick direkt durch die Masche geht, anstatt durch mehrere zusammen. Dann hätte es mehr dazu geführt, einen Fensterblick-Effekt zu erstellen.