Faszination Fliegen – ein Porträt

Eine Katana rollt auf der Startbahn, beschleunigt und wird immer schneller. Langsam löst sich das Bugrad vom Boden, das Kleinflugzeug hebt ab und fliegt der Sonne entgegen.

Ich muss zugeben, wenn ich ans Fliegen denke, dann immer nur an Berufspiloten, die Airbusse gefüllt mit Menschen in die Ferien fliegen, an Rega-Piloten oder auch Kampfjetflieger. Aber dass man auch als Privatperson eine Pilotenlizenz erwerben kann, war mir nicht geläufig.

Als ein guter Freund mir erzählte, dass er ein Kleinflugzeug fliegen kann, war ich fasziniert von diesem ungewöhnlichen Hobby. Ich löcherte ihn mit Fragen und kam dann auf die Idee, ein filmisches Porträt über ihn und das Fliegen zu erstellen.

Hier geht es zum Video:

(mou)

Pre-Production:
Ich wusste schon von Anfang an, dass das Interview die Basis meines Porträts sein wird, weshalb ich zuerst die Interview-Fragen erstellte. Anschliessend kümmerte ich mich um organisatorische Sachen: ich musste abklären, ob ich auf dem Flugplatz filmen konnte. Ich hätte gerne noch Aussenaufnahmen vom Flugzeug während dem Flug gehabt, aber leider war es nicht erlaubt, an einem Mietflugzeug GoPro-Kameras zu installieren. Für das Interview wollte ich etwas Neues ausprobieren bezüglich Leuchtsituation. Ich wollte den Protagonisten in einem dunklen Raum einleuchten, wo der Hintergrund dunkel gehalten wird mit wenigen Akzenten auf den Modell-Flugzeugen. Deshalb organisierte ich von einem Bekannten noch weiteres Licht-Equipment.

Dreh:
Für die Innenaufnahmen (Interview-Situation, B-Roll Modellbau und B-Roll Fotos durchschauen) waren wir eher flexibel, nur die Aufnahmen auf dem Flugplatz erwiesen sich etwas schwieriger zu organisieren. Mit einer Katana fliegt man auf Sicht, weshalb ein Dreh nur bei gutem Wetter möglich war und dann auch gleich ein Flugzeug frei sein musste. Deshalb filmten wir „in Etappen“. Einmal reiste ich an den Flugplatz, um die startenden und landenden Flugzeuge zu filmen und ein anderes Mal, um das Flugzeug-Prepping, B-Roll vom Flugplatz und den eigentlichen Flug zu filmen. Einmal flog ich dann auch mit, um Aufnahmen während des Fluges zu machen und ein anderes Mal installierte der Protagonist die Go-Pro Kamera in seinem Flugzeug, um noch eine Aufnahme zu machen, auf der er alleine im Flugzeug ist.

Post Production:
Als erstes durchforstete ich wie immer das Material, erstellte Select-Reels und ordnete die Aufnahmen. Ich benötigte viel Zeit, um das Interview zu synchronisieren, da ich zwei Kameras benutzte und zwei Mikrofone (ein LAV und ein Richtmikrofon). Dann widmete ich mich dem Interview-Schnitt, welcher die Basis des Videos sein sollte. Als ich eine erste Version des Interviews geschnitten hatte, suchte ich nach passender Musik und entschied mich dann für drei verschiedene Lieder. Anschliessend machte ich den Feinschnitt und reicherte das Video mit B-Roll Material an. Gegen Ende bearbeitete ich noch das Audio und pegelte alles aus. Ich hatte noch einige Fotos, die im Video integriert werden sollten. Da ich nicht den „Ken Burns“-Effekt nutzen wollte, recherchierte ich, wie ich Fotos in einem Video integrieren kann. Mir gefiel die Idee, einer „Fotoprojektor-Slideshow“. Auf YouTube fand ich ein Tutorial und baute dann die Foto Slideshow in AfterEffects nach und integrierte sie anschliessend wieder in der Schnitt-Timeline. Zum Schluss machte ich noch die Farbkorrektor und den Abspann des Videos.

Learnings:
Kamera/Aufnahmen: Nachdem ich das Interview abgedreht und das Material gesichert hatte fiel mir am Schnittplatz auf, dass eine Datei unwiderruflich beschädigt war (später fand ich heraus, dass es bei meinen Sony-SD-Karten einen Produktionsfehler mit einem Produkterückruf gegeben hat, was meine beschädigten / fehlerhaften Dateien erklärt hat). Mir fehlte nun die Interview-Totale einer 40minütigen Aufnahme. Also musste ich drei Wochen später das ganze Interview nochmals aufnehmen, was mich nochmals einen ganzen Drehtag kostete mit dem Einleuchten, etc. Es war auch schwierig, die Lichtsituation wie vorher hinzukriegen. Seither mache ich gerade bei Interviews nicht mehr so lange Aufnahmen und stoppe Zwischendurch wieder und kontrolliere auch sogleich, ob die Datei fehlerhaft ist.

Weiter hatte ich leider bei der B-Roll einige Aufnahmen, die überbelichtet waren. Gerade bei der Aufnahme des „Starten des Flugzeugs“ hatte ich nur eine einzige Aufnahme gemacht, weshalb ich diese dann – trotz schlechten Bildes – im Video verwendet habe. In Zukunft möchte ich mir gerade für solche Aufnahmen mehr Zeit nehmen oder den Protagonisten fragen, ob gewisse Sachen nochmals gedreht werden können. Hier wollten wir zwar den Motor des Flugzeuges nicht ständig an- und aus machen, weshalb wir das nur einmal gefilmt haben, aber wenn ich zuerst kurz eine „Probeaufnahme“ gemacht hätte, hätte der Fehler bestimmt vermieden werden können.

Auch das Starten und Landen der Flugzeuge erwies sich als schwierig zu filmen, da ich mit meinem Objektiv nicht so nah an das Objekt kam. Für ein anders Mal muss ich noch ein weiteres Objektiv besorgen für solche spezifischen Aufnahmen. Eine weitere Schwierigkeit bestand darin, im Flugzeug zu filmen. Die Katana ist ein kleines, sehr enges Flugzeug. Ich filmte mit einer Weitwinkel-Linse, was aber leider den Kopf des Protagonisten ziemlich verzog. Ein anders Mal muss ich mir im Vorneherein besser überlegen, wie ich unter solchen Situationen bessere Aufnahmen realisieren kann.

Schnitt: Beim Schnitt fiel mir zudem auf, dass mir einige Aufnahmen fehlten. Gerade beim Modell-Bau konnte ich kaum etwas schneiden, da ich nicht viele verschiedene Einstellungen gefilmt hatte. In Zukunft muss ich auch bei einem Porträt die Aufnahmen besser planen und eine Shotlist erstellen. Zudem fiel mir beim Schnitt auf, dass ich eine „Bild-Ton-Schere“ hatte bei einigen Aufnahmen. Es wäre deshalb wichtig, dass ich aufgrund der Interview-Aussagen gewisse Aufnahmen plane, damit ich diese dann auch entsprechend hineinschneiden kann.

Color Grading: Für die Interview-Aufnahmen benutzte ich zwei Kameras: eine Sony und meine Lumix GH5. Mit der GH5 filmte ich in V-Log, mit der Sony waren Flat-Aufnahmen jedoch nicht möglich. Die Aufnahmen hatten alle einen starken Rotstich, weshalb ich viel Zeit aufwenden musste, die verschiedenen Kameras aneinander anzugleichen. Wie vorher erwähnt, konnte ich überbelichtete Aufnahmen leider nicht „retten“.

Audio: Während des Interviews hatte ich einige Störgeräusche, die mir erst später auffielen. Auf ein paar Aufnahmen war ständig ein Surren zu hören. Ich versuchte es in der Post herauszufiltern, was nicht möglich war. Da ich mit zwei Mikrofonen aufgenommen hatte, war die eine Aufnahme glücklicherweise etwas besser, weshalb ich die schlechte dann stummschalten konnte. Für ein anderes Mal muss ich schon vor Ort auf solche Störgeräusche achten und versuchen, diese zu eliminieren.

Dieser Dreh war aufgrund einiger Sachen anspruchsvoll – hat aber grossen Spass gemacht. Einige Sachen hätte ich gerne nochmals nachgefilmt (gerade der Start der Flugzeuge und einige Aufnahmen auf dem Flugplatz), aber leider war ein Nachdreh aus organisatorischen/zeitlichen Gründen nicht mehr möglich. Mit dem Ergebnis bin ich trotzdem zufrieden und hoffe, meine Learnings bei einem anderen Video umsetzen zu können.