Elegy: Ein Song mit 3D-Visualizer

Nach stundenlangem, genauen Hinhören beim Abmischen für meinen neuen Song, passiert es ab und zu, dass sich meine Augen etwas vernachlässigt fühlen. Schliesslich geht es hier bei MMP ja um audiovisuelle Medien. Mit dem Ziel, die Stimmung meines Songs in einer 3D-Animation einzufangen, machte ich mich hinter die Polygone.

Schon seit vielen Jahren verfolge ich meine Leidenschaft für die Musikproduktion und durfte so auch schon Teil einiger toller Projekte sein. Seit Längerem feile ich jedoch auch an einem eigenen Song: «Elegy». Der Track ist eine träumerische Mischung aus Synthwave, R&B, Bedroom Pop und … Yoshi’s Island?

Zugegeben, dieser Song entstand zum grössten Teil noch bevor Digezz überhaupt ein Thema war. Die Komposition, das Sounddesign und der Text waren alle schon vorhanden, doch für alle weiteren Schritte wie das Recording, Mixing und Mastering kam mir die freie Zeit für Digezz genau richtig.

Der Hauptteil meiner Arbeit nam jedoch die 3D-Animation ein. Ziel war es, eine kurze, sich loopende Szene in Blender zu erschaffen. Diese Render könnten dann beim kommenden Release als Spotify Canvas, Cover Art oder Lyrics Video wiederverwendet werden. Oder als Digezz-Titelbild, natürlich. Da der Loop nur einige Sekunden lang ist, entschied ich mich, zusätzlich ein kurzes Making-of zu kreieren.

(mou)

Konzept:

Im Text geht es um einen inneren Konflikt. Obwohl der Protagonist erkennt, wie atemberaubend das Leben und die Welt ist, fällt es ihm manchmal schwer diese Schönheit wertzuschätzen und dankbar zu sein. Auch die Produktion hat einen verträumten aber leicht melancholischen Touch. Der Song ist bittersüss, lebensfroh aber mit einer Prise Weltschmerz.

Für die Visualisierung wollte ich weniger eine wortwörtliche Darstellung des Textes, sondern eine impressionistische Neuinterpretation, inspiriert durch die Stimmung des Songs. Eine Szene die für sich alleine stehen kann, aber klar zur Musik passt. Die einzige direkte Parallele zum Songtext wäre wohl die Zeile „Now and then I look up to the sky and think I’m dreaming“.

Umsetzung:

Fokus des Bildes ist ein roter Mond verdeckt durch eine eigenartige Form, den Blick durch die lebendige Kulisse der Natur. Das gemeinsame Staunen beim Beobachten von Naturphänomenen wie einer Mondfinsternis, bei dem klar wird wie klein wir alle sind, war für mich eine perfekte Analogie für den Feel des Songs.

Als erstes fing ich an die Pflanzen und Bäume zu modellieren, während ich erste Skizzen anfertigte, um das Layout des Bildes festzulegen.

Danach ging es ans Texturieren und an erste Lighting Tests mit dem Mond. Als Render Engine entscheid ich mich für EEVEE, welche Licht nicht realistisch rendert. Natürliche Beleuchtung forderte so umso mehr Arbeit, aber dafür dankt der CPU. Um zum Beispiel eine realistische Mondfinsternis zu simulieren, reichte es nicht, dem Mond eine emissive Oberfläche zu geben. Der Mond wird seitlich von einer „Sonne“ beleuchtet, wie in echt. Mit EEVEE wird das diffuse Licht des Mondes nicht berechnet und muss gefaket werden. Ein weiteres gutes Beispiel ist die orangene Reflektion in den Blättern, welche mit einem speziellen Licht vorgetäuscht wird. Da ich aber sowieso auf einen leicht abstrahierten Stil zielte, machte die Entscheidung für EEVEE Sinn.

Der nächste Schritt waren alle volumetrischen Effekte. Ein blauer Nebel gibt der Nacht Tiefe und animierte Wolken umhüllen den Mond. Hier musste abermals die Beleuchtung und Dichte der Wolken bearbeitet werden, bis das Bild überzeugend war.

Die Animation der Pflanzen war realtiv simpel, ganz ohne Rigging. Schwierigkeiten ergaben sich jedoch, weil alle Bewegungen einen perfekten Loop ergeben mussten. Vorallem bei den Wolken musste ich auf einige knifflige Tricks zählen, doch schliesslich war die Animation bereit fürs Rendern.

Ein letzter, wichtiger Schritt nach dem Rendern waren Color Grading und VFX. Um den eher analogen vintage Sound des Songs zu untermalen setzte ich auf einen VHS-Kasetten Look. Die Farben sind leicht versetzt und das Bild ist etwas rauschig und verschwommen. Dies hilft zudem den künstlichen 3D-Look zu minimieren.

Learnings:

Durch dieses Projekt (und mit vielen Tutorials..) konnte ich eine ganze Bandbreite an Skills im Bereich von Mixing und 3D Animation vertiefen. Da zwischen Produktion des Songs und Mix einige Zeit verstrichen ist, war es interessant zu sehen, in welchen Bereichen des Mixings ich mich verbessert hatte und diese neuen Erkenntnisse gleich an einem älteren Song einzusetzen.

Diese Blender Szene war die erste, in der so viele eigenständige Elemente zusammenkamen. Volumetrische Objekte, Animation, Loops, Lighting etc. Diese zu koordinieren und optimieren war eine grosse Herausforderung, vorallem mit EEVEE, jedoch bin ich sehr zufrieden mit dem Endprodukt und habe viele neue Tricks für zukünftige Projekte erlernt.