Einkaufswagen-Chip Blender und 3D Druck

Bei einer Bekannten habe ich einen Einkaufswagen-Chip am Schlüsselbund gesehen und sofort gedacht: Das ist eigentlich genial. Kein Kramen nach Münz mehr an der Migros, kein Ärger, wenn man gerade kein Portemonnaie dabei hat, der Chip ist einfach immer da, wo die Schlüssel sind. Diese kleine, praktische Idee wurde zum Ausgangspunkt für mein eigenes Projekt.

Ich wollte das Ganze aber nicht einfach nachkaufen, sondern zum Anlass nehmen, um praktische Erfahrung im 3D-Design zu sammeln. Ich kenne jemanden mit einem 3D-Drucker, und damit war der Plan klar, ein eigenes Design entwerfen, in Blender umsetzen und am Ende ein fertiges, physisches Objekt in der Hand halten.

Dokumentation/Projektbeschreibung

Vom Konzept zum Design

Zu Beginn habe ich mich mit der grundlegenden Form auseinandergesetzt. Der Chip muss zwei Dinge gleichzeitig können: als Schlüsselanhänger funktionieren und gleichzeitig die exakte Grösse einer Ein-Euro-Münze haben. Ich gehe meistens in Deutschland einkaufen, da ich an der Grenze wohne und ein Euro passt erfahrungsgemäss oft auch bei Schweizer Einkaufswagen. So rastet der Chip zuverlässig im Einkaufswagen-Mechanismus ein. Für die ersten Gestaltungsideen habe ich KI-Tools eingesetzt, um schnell verschiedene Formen und Varianten durchzuspielen und ein Gefühl für die Proportionen zu bekommen.

Auf Basis dieser Entwürfe habe ich mich für eine klare, runde Grundform mit einer Lasche und Öse zum Anhängen entschieden schlicht, funktional und hoffentlich gut druckbar.

Umsetzung in Blender

Den eigentlichen Entwurf habe ich anschliessend in Blender von Grund auf nachgebaut. Dabei bin ich in mehreren Schritten vorgegangen:

  1. Grundform modellieren – zuerst die äussere Silhouette des Anhängers mit der integrierten Münzform.
  2. Öse hinzufügen – die Aussparung für den Schlüsselring, damit der Chip am Schlüsselbund befestigt werden kann.
  3. Detail und Charakter – als gestalterisches Element habe ich einen Stern als Aussparung in die Münzfläche eingearbeitet, dazu die Prägung «1 EURO», damit der Chip auch optisch als Münzersatz erkennbar ist.
Blender Zwischenstand

Massgenauigkeit

Ein zentraler Punkt war die Präzision. Damit der Chip tatsächlich funktioniert, musste er exakt den Massen einer Ein-Euro-Münze entsprechen mit einem Durchmesser von 23.25 mm und einer Materialstärke von 3 mm. Gerade beim 3D-Druck zählt jeder Zehntelmillimeter, da das Objekt sonst entweder nicht in den Mechanismus passt oder zu locker sitzt.

3D-Druck

Nach Fertigstellung des Modells habe ich die Datei für den Druck vorbereitet und in pink gedruckt.

(mbi)

Ich habe Blender zu Beginn definitiv unterschätzt. Grundformen modellieren ging relativ schnell, aber sobald es an die Details ging, wurde es deutlich anspruchsvoller als erwartet. Besonders die eingravierte «1 Euro» Beschriftung auf dem Chip hat mich viel Zeit gekostet. Die Schrift musste tief genug sein, um im Druck sichtbar zu bleiben, aber gleichzeitig sauber genug modelliert, um nicht zu verwaschen zu wirken. Das war ein Balanceakt, den ich so nicht auf dem Schirm hatte.

Dazu kam die Herausforderung der Präzision generell. Bei einem dekorativen Objekt wäre es weniger kritisch gewesen, aber hier musste der Durchmesser auf den Zehntelmillimeter stimmen. Das hat das Arbeiten in Blender nochmal anders beeinflusst, weil ich ständig kontrollieren musste, ob die Masse im Modell noch stimmen.

Ergebnis und Reflexion

Beim 3D-Druck hat sich dann gezeigt, wo die Grenzen lagen. Die Grundform und die Stern-Aussparung sind sauber herausgekommen. Die «1 Euro» Gravur war im Druck aber leider nicht mehr sauber lesbar. Auch waren an einigen Stellen kleine Unebenheiten sichtbar, was teils am Modell und teils an den Limitierungen des Druckers lag.

Trotzdem bin ich insgesamt zufrieden mit dem Ergebnis. Für ein erstes Projekt dieser Art ist ein Schlüsselanhänger, den ich tatsächlich benutze, ein guter Output. Ich konnte viel mitnehmen, wie man in Blender massgenaue Objekte modelliert, worauf man beim Vorbereiten für den 3D-Druck achten muss und wo die Grenzen zwischen digitalem Modell und physischem Druck liegen. Vor allem habe ich wieder Übung in Blender gefunden, was mir für kommende Projekte sicher zugutekommen wird.