Ein weiteres Semester mit @pfyyl – Illustrationen und Animationen auf Instagram
Mehr Reichweite, mehr Experimente und mehr Fragen. Dieses Semester habe ich versucht zu verstehen, wie Instagram funktioniert und dabei gemerkt, dass die Suche nach dem Algorithmus nicht immer zur Suche nach dem eigenen Stil passt.
Projektbeschreibung
Im vergangenen Semester entstand mein Instagram Account @pfyyl als digitales Portfolio für meine Illustrationen, Animationen und sonstigen kreativen Arbeiten. Damals stand vor allem die Frage im Mittelpunkt, wie ich meine Kunst überhaupt sichtbar machen kann. Dieses Semester wollte ich einen Schritt weitergehen.
Mich interessierte weniger die technische Umsetzung einzelner Beiträge, sondern vielmehr die Frage, wie Instagram eigentlich funktioniert. Warum werden gewisse Videos tausendfach angeschaut, während andere kaum Reichweite erhalten? Welche Rolle spielen Trends? Und wie viel von sich selbst muss man zeigen, damit Menschen Interesse entwickeln?
Mit diesen Fragen begann ich das Semester.
Ich recherchierte viel über Social Media Strategien, tauschte mich mit anderen Kunstschaffenden aus und las verschiedene Dokumente und Erfahrungsberichte darüber, wie kleine Kunstaccounts wachsen können. Dabei stiess ich immer wieder auf dieselben Empfehlungen: Trends nutzen, virale Formate übernehmen, möglichst regelmässig posten und sich selbst häufiger zeigen.
Also begann ich zu experimentieren.
Im Gegensatz zum vergangenen Semester standen diesmal nicht nur fertige Illustrationen im Fokus. Ich zeigte mehr Einblicke in meinen Arbeitsprozess, integrierte mehr Videomaterial aus dem echten Leben und versuchte bewusst, mich selbst häufiger vor der Kamera zu zeigen.
Gleichzeitig wollte ich die Inhalte stärker mit dem verbinden, was ich dieses Semester gelernt hatte. Deshalb flossen auch Arbeiten aus Blender, After Effects und anderen Projekten in den Account ein.
Ein Ziel aus meinem Exposé war es, jeden Sonntag ein Reel zu veröffentlichen. Dieses Ziel konnte ich nicht vollständig erreichen. Neben diesem Projekt liefen während des Semesters zahlreiche weitere Projekte, weshalb die verfügbare Zeit oft knapp wurde. Trotzdem gelang es mir, den Account kontinuierlich weiterzuführen und regelmässig neue Inhalte zu veröffentlichen.
Was funktioniert auf Instagram?
Eine der wichtigsten Erkenntnisse dieses Semesters war, dass sich Reichweite nur bedingt planen lässt.
Mein erfolgreichstes Reel erreichte rund 5500 Aufrufe. Das Video trug den Titel «This is why light matters». Die Idee dahinter war bewusst simpel. Zuerst wird ein Zwischenstand einer Illustration gezeigt, anschliessend das fertige Bild mit Licht und danach ein schwarzes Bild mit der Beschriftung «without light».

Die Idee war nicht einmal besonders originell. Ich hatte das Grundprinzip bereits bei anderen Creators gesehen und für meine eigene Arbeit adaptiert.
Gerade deshalb fand ich den Erfolg des Videos spannend. Es zeigte mir, dass gute Reichweite nicht zwingend mit dem kreativsten oder aufwendigsten Inhalt zusammenhängen muss.
Generell stellte ich fest, dass Videos besser funktionieren, wenn ich selbst darin auftauche. Offenbar interessieren sich Menschen nicht nur für das fertige Kunstwerk, sondern auch für die Person dahinter.
Trotzdem blieb vieles schwer nachvollziehbar. Einige Beiträge erreichten problemlos die Marke von 1000 Aufrufen, während andere deutlich darunter blieben. Einen klaren Zusammenhang konnte ich oft nicht erkennen.
Mein künstlerischer Prozess
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis dieses Projekts hat weniger mit Instagram zu tun als mit meiner eigenen Arbeitsweise.
Zu Beginn des Semesters wollte ich stärker verstehen, wie virale Inhalte funktionieren. Deshalb versuchte ich bewusst, Trends aufzugreifen und erfolgreiche Formate nachzuahmen.
Rückblickend merke ich jedoch, dass mich dieser Ansatz nicht wirklich glücklich gemacht hat.
Je mehr ich versuchte, erfolgreiche Inhalte anderer zu kopieren, desto stärker hatte ich das Gefühl, meine eigene Handschrift zu verlieren. Statt Inhalte zu produzieren, die ich wirklich spannend finde, begann ich teilweise Inhalte zu produzieren, von denen ich hoffte, dass sie funktionieren würden.
Dadurch entstand ein Konflikt zwischen Reichweite und Authentizität.
Während des Semesters wurde mir immer klarer, dass ich langfristig lieber Projekte machen möchte, die mir persönlich wichtig sind, selbst wenn sie vielleicht weniger Aufrufe erzielen.
Vielleicht muss nicht jedes Reel ein fertiges Kunstwerk zeigen. Vielleicht ist der Prozess manchmal interessanter als das Resultat. Vielleicht sind grössere Projekte spannender als viele kleine Posts.
Auf viele dieser Fragen habe ich noch keine endgültige Antwort gefunden.
(mmi)
Dieses Projekt hat mir gezeigt, dass Wachstum auf Instagram nicht automatisch bedeutet, dass man seinen eigenen Stil findet.
Zwar konnte ich rund 25 neue Follower gewinnen und mehrere Videos erreichten die angestrebte Marke von über 1000 Aufrufen. Gleichzeitig blieb das kontinuierliche Wachstum aus, das ich mir ursprünglich erhofft hatte.
Vor allem aber habe ich gemerkt, dass mich die ständige Suche nach Reichweite zunehmend frustriert. Oft war nicht nachvollziehbar, warum gewisse Inhalte funktionierten und andere nicht. Dadurch entstand schnell das Gefühl, sich stärker am Algorithmus orientieren zu müssen als an den eigenen Interessen.
Genau davon möchte ich mich in Zukunft wieder etwas lösen.
Für das nächste Jahr möchte ich weniger darüber nachdenken, wie ein Beitrag möglichst viele Menschen erreicht, und mehr darüber, welche Projekte ich überhaupt realisieren möchte. Statt ständig neue Inhalte zu produzieren, möchte ich grössere und hochwertigere Arbeiten schaffen.
Besonders interessieren mich dabei physische Produkte wie Postkarten, Sticker oder Tonfiguren. Langfristig kann ich mir sogar vorstellen, eigene Arbeiten an einer Kunstmesse zu verkaufen.
Gleichzeitig möchte ich weiterhin experimentieren. Eine Idee für die kommenden Monate ist beispielsweise, während eines Monats jeden Tag ein neues Gesicht zu zeichnen und zu veröffentlichen.
Ob das der richtige Weg ist, weiss ich noch nicht.
Vielleicht beschreibt folgender Satz den aktuellen Stand des Projekts am besten:
@pfyyl ist immer noch auf dem Weg, das zu werden, was ich wirklich von meinem Instagram Account möchte.