Digital Skills Coaching – Peer to Peer der BFH
Studierende fit für den digitalen Studienalltag machen.
Digitale Kompetenzen gehören heute selbstverständlich zum Studium. Trotzdem bedeutet der tägliche Umgang mit digitalen Werkzeugen nicht automatisch, dass diese auch effizient, sicher und reflektiert eingesetzt werden. Zwischen unzähligen Tools, neuen KI-Anwendungen, Kollaborationsplattformen und digitalen Arbeitsweisen entstehen immer wieder Fragen: Welche Werkzeuge helfen wirklich weiter? Wie organisiere ich mich digital? Und wie kann Technologie das Studium erleichtern, statt zusätzlichen Aufwand zu erzeugen?
Genau hier setzt das Digital Skills Coaching der Berner Fachhochschule an. Das Angebot unterstützt Studierende dabei, ihre digitalen Kompetenzen weiterzuentwickeln und digitale Herausforderungen im Studienalltag besser zu meistern.
Seit dem Herbstsemester 2025 bin ich als externe Fachperson Teil des Projekts und arbeite gemeinsam mit dem Team an der Entwicklung, Durchführung und Weiterentwicklung verschiedener Angebote. Dabei verbindet das Projekt technische Themen mit Kommunikation, Didaktik und praktischer Wissensvermittlung.
Anders als bei einem klassischen Studienprojekt entstehen die Inhalte nicht für eine einmalige Abgabe, sondern werden direkt im Hochschulalltag eingesetzt, evaluiert und laufend weiterentwickelt.
Link zur Projektwebsite der BFH
Neben der praktischen Umsetzung ist das Digital Skills Coaching Teil eines Forschungsprojekts der Berner Fachhochschule. Dabei wird untersucht, wie Studierende beim Aufbau digitaler Kompetenzen unterstützt werden können und welche Rolle niederschwellige Coaching-Angebote und der Peer-to-Peer-Ansatz dabei spielen.
SocietyByte-Artikel «Der Mythos der digitalen Generation: Erfahrungen aus dem Coaching-Alltag»
Einen Einblick in Erfahrungen aus dem Projektalltag bietet der veröffentlichte SocietyByte-Artikel. Dabei wird ein verbreiteter Irrtum aufgegriffen: Nur weil junge Menschen mit digitalen Technologien aufwachsen, bedeutet das nicht automatisch, dass sie diese auch effizient, kritisch und reflektiert einsetzen können.
Peer-to-Peer: Unterstützung aus Studierendenperspektive
Ein zentraler Bestandteil des Digital Skills Coachings ist der Peer-to-Peer-Ansatz. Die Idee dahinter: Unterstützung soll möglichst nah am tatsächlichen Studienalltag stattfinden.
Als Studierende kennen wir viele Herausforderungen aus eigener Erfahrung. Wir wissen, welche Probleme beim Organisieren eines Semesters entstehen können, wo digitale Zusammenarbeit kompliziert wird und welche Tools zwar viel versprechen, aber im Alltag nicht immer sinnvoll eingesetzt werden.
Diese Perspektive fliesst direkt in unsere Angebote ein. Statt klassische Softwareschulungen durchzuführen, versuchen wir konkrete Probleme zu lösen: Wie kann ich meinen Arbeitsprozess verbessern? Welche digitalen Werkzeuge unterstützen mich wirklich? Wie kann ich neue Technologien kritisch und sinnvoll einsetzen?
Dabei übernehmen wir als Coaches eine vermittelnde Rolle zwischen Technologie und Anwendung. Es geht nicht darum, möglichst viele Funktionen zu zeigen, sondern digitale Kompetenzen aufzubauen.
Vom Problem zum Lernangebot
Bevor ein Workshop, eine Anleitung oder ein neues Format entsteht, steht immer die gleiche Frage im Zentrum:
Welche digitale Herausforderung möchten wir lösen?
Gerade im digitalen Bereich besteht schnell die Gefahr, von einem bestimmten Tool auszugehen und anschliessend Anwendungsmöglichkeiten dafür zu suchen. Im Digital Skills Coaching versuchen wir jedoch, den umgekehrten Weg zu gehen: Nicht die Technologie steht im Zentrum, sondern die Bedürfnisse der Studierenden.
Daraus entstehen Konzepte für Workshops, Beratungen und Lernmaterialien. Themen werden recherchiert, strukturiert und anschliessend zielgruppengerecht aufbereitet.
Workshops entwickeln und durchführen
Ein grosser Bestandteil meiner Arbeit liegt in der Entwicklung und Durchführung von Workshops für Studierende verschiedener Departemente der BFH.
Der Prozess beginnt bereits lange vor dem eigentlichen Termin. Inhalte müssen recherchiert, priorisiert und didaktisch sinnvoll aufgebaut werden. Daraus entstehen Präsentationen, Übungen und Begleitmaterialien, welche anschliessend direkt eingesetzt und anhand von Rückmeldungen weiterentwickelt werden.

Ein Grossteil unserer Workshops findet online über Microsoft Teams statt. Dadurch können Studierende aus verschiedenen Departementen und Standorten der BFH unkompliziert teilnehmen. Gerade bei digitalen Themen bietet dieses Format viele Möglichkeiten: Inhalte können direkt demonstriert, Tools live ausprobiert und individuelle Fragen unmittelbar besprochen werden.

Neben den digitalen Angeboten führen wir auch Workshops direkt vor Ort durch. Diese entstehen teilweise in enger Zusammenarbeit mit einzelnen Studiengängen und werden spezifisch auf deren Bedürfnisse angepasst.
Ein Beispiel dafür ist der Pre-Bachelor der BFH Wirtschaft. Dort begleiteten wir Studierende direkt im Unterricht und entwickelten ein Format, welches auf ihre bevorstehenden Herausforderungen im Studium abgestimmt war.
Bei solchen Präsenzformaten steht besonders das gemeinsame Ausprobieren im Vordergrund. Digitale Kompetenzen entstehen nicht nur durch Zuhören, sondern vor allem durch aktives Anwenden.
Dafür nutzen wir unter anderem kollaborative Tools wie Miro. Die Studierenden arbeiten während des Workshops gemeinsam an digitalen Boards, sammeln Ideen, strukturieren Inhalte und testen neue digitale Arbeitsweisen direkt in der Gruppe.

Die Herausforderung liegt dabei häufig in der Anpassung an unterschiedliche Zielgruppen. Während einige Angebote offen für alle Studierenden funktionieren müssen, werden andere Inhalte gezielt für einzelne Fachbereiche entwickelt.
Sprechstunden: Unterstützung bei konkreten Fragen
Neben Workshops bietet das Digital Skills Coaching regelmässige Sprechstunden an.
Hier zeigt sich besonders stark, wie unterschiedlich digitale Herausforderungen sein können. Manche Studierende benötigen Unterstützung bei grundlegenden Fragen, andere bringen spezifische Anliegen aus Projekten oder Abschlussarbeiten mit.
Unsere Aufgabe besteht dabei nicht darin, einfach ein bestimmtes Tool vorzuschlagen. Vielmehr versuchen wir gemeinsam herauszufinden, welche digitale Arbeitsweise zum jeweiligen Problem passt.
Digitale Wissensplattform
Damit die Inhalte nicht nur während einzelner Veranstaltungen verfügbar sind, entwickeln und pflegen wir zusätzlich digitale Ressourcen.
Über Moodle entsteht eine zentrale Wissensplattform, auf der Studierende Informationen, Anleitungen und Tipps rund um digitale Kompetenzen finden können.
Auch hier steht die Nutzerperspektive im Vordergrund: Inhalte müssen schnell auffindbar, verständlich formuliert und direkt anwendbar sein.
Moodle-Seite «Digital Skills Coaching»
Sichtbarkeit durch Kommunikation
Neben Coaching und Workshops gehört auch die Kommunikation des Angebots zu unseren Aufgaben.
Dazu entwickeln wir verschiedene digitale und analoge Kommunikationsmittel. Von Informationsmaterialien über Beiträge bis hin zu Printprodukten geht es darum, Studierende überhaupt auf die vorhandenen Angebote aufmerksam zu machen.
Ein Beispiel dafür ist die Bewerbung unserer Angebote innerhalb der BFH. Dafür entstehen Flyer, digitale Beiträge und weitere Kommunikationsmittel, welche zielgruppengerecht gestaltet und über verschiedene Kanäle verteilt werden.

Ein Projekt im ständigen Wandel
Das Digital Skills Coaching ist kein abgeschlossenes Produkt. Neue Technologien, Bedürfnisse und Erfahrungen verändern laufend, welche Themen relevant sind.
Besonders Entwicklungen im Bereich künstliche Intelligenz zeigen, wie schnell sich Anforderungen verändern können. Deshalb besteht unsere Arbeit nicht nur daraus, Wissen weiterzugeben, sondern Entwicklungen einzuordnen und neue Angebote daraus abzuleiten.
Diese kontinuierliche Weiterentwicklung macht das Projekt besonders spannend: Inhalte entstehen, werden getestet, angepasst und erneut verbessert.
Fazit
Das Digital Skills Coaching verbindet für mich viele Bereiche meines Studiums: Kommunikation, Medienproduktion, digitale Technologien, Gestaltung und Wissensvermittlung.
Besonders wertvoll ist, dass unsere Arbeit direkt im Hochschulalltag eingesetzt wird. Jede Präsentation, jeder Workshop und jedes Kommunikationsmittel erreicht echte Nutzer:innen und wird aufgrund von Erfahrungen weiterentwickelt.
Die Mitarbeit über mehrere Semester ermöglicht mir, ein langfristiges Projekt aktiv mitzugestalten und Verantwortung über einzelne Aufgaben hinaus zu übernehmen.
Das Projekt zeigt mir immer wieder: Digitale Transformation ist nicht nur eine Frage der Technologie. Entscheidend ist, wie Menschen digitale Möglichkeiten verstehen, anwenden und kritisch reflektieren können.
(mbi)
Die Mitarbeit im Digital Skills Coaching ist eine besonders spannende Erfahrung, da das Projekt nicht nur digitale Technologien behandelt, sondern gleichzeitig stark von Kommunikation, Didaktik und dem Verständnis unterschiedlicher Zielgruppen geprägt ist. Gerade die Verbindung aus fachlicher Recherche, Konzeption und direkter Anwendung mit Studierenden macht das Projekt vielseitig. Gleichzeitig zeigt sich immer wieder, dass die Vermittlung digitaler Kompetenzen deutlich komplexer ist, als es auf den ersten Blick scheint.
Eine der grössten Herausforderungen besteht darin, Inhalte zielgruppengerecht aufzubereiten. Durch das eigene Studium und die tägliche Nutzung verschiedener digitaler Werkzeuge wirken viele Abläufe zunächst selbstverständlich. In der Entwicklung von Workshops zeigt sich jedoch, dass eigenes Vorwissen nicht automatisch auf andere übertragen werden kann. Gerade im Peer-to-Peer-Ansatz ist es wichtig, die Perspektive der Teilnehmenden einzunehmen und nicht von den eigenen Erfahrungen auszugehen. Inhalte müssen deshalb immer wieder reduziert, neu strukturiert und verständlicher formuliert werden.
Auch die Gestaltung der Workshops ist ein kontinuierlicher Lernprozess. Besonders bei Online-Formaten über Microsoft Teams zeigt sich, dass digitale Vermittlung andere Anforderungen stellt als ein Workshop vor Ort. Interaktion entsteht nicht automatisch und muss bewusst eingeplant werden. Einige erste Konzepte waren noch stärker auf reine Wissensvermittlung ausgelegt. Durch die gesammelten Erfahrungen wird deutlich, dass kürzere Inputs, praktische Übungen und aktive Elemente oft besser funktionieren.
Bei Präsenzformaten, beispielsweise in Zusammenarbeit mit einzelnen Studiengängen wie dem Pre-Bachelor der BFH Wirtschaft, entstehen wiederum andere Herausforderungen. Kollaborative Methoden mit Tools wie Miro ermöglichen eine aktive Zusammenarbeit, verlangen aber gleichzeitig eine flexible Moderation. Während einige Gruppen sehr schnell selbstständig arbeiten, benötigen andere mehr Anleitung. Für zukünftige Durchführungen nehme ich mit, unterschiedliche Wissensstände noch stärker einzuplanen und alternative Abläufe vorzubereiten.
Ein weiterer kritischer Punkt betrifft die schnelle Entwicklung digitaler Themen. Gerade im Bereich künstliche Intelligenz verändern sich Werkzeuge, Möglichkeiten und Diskussionen laufend. Inhalte, die einmal entwickelt wurden, bleiben nicht automatisch aktuell. Dies erfordert eine kontinuierliche Überarbeitung bestehender Materialien und eine kritische Auseinandersetzung damit, welche Entwicklungen tatsächlich einen Mehrwert für Studierende bieten.
Auch die Kommunikation des Angebots innerhalb einer grossen Hochschule bleibt eine Herausforderung. Obwohl viele Studierende digitale Fragestellungen im Alltag erleben, bedeutet dies nicht automatisch, dass sie aktiv nach Unterstützung suchen. Die Entwicklung von Kommunikationsmitteln wie Flyern oder digitalen Beiträgen zeigt, wie wichtig eine klare Positionierung und einfache Sprache sind. Der konkrete Nutzen eines Angebots muss schnell verständlich werden.
Insgesamt zeigt mir die Mitarbeit im Digital Skills Coaching, dass digitale Kompetenz weniger eine rein technische als vielmehr eine kommunikative Herausforderung ist. Erfolgreiche Unterstützung entsteht nicht allein durch Fachwissen, sondern durch die Fähigkeit, komplexe Inhalte verständlich aufzubereiten, unterschiedliche Bedürfnisse zu erkennen und flexibel darauf einzugehen. Besonders wertvoll ist die Möglichkeit, ein langfristiges Projekt über mehrere Semester mitzugestalten, weiterzuentwickeln und die Wirkung der eigenen Arbeit direkt im Hochschulalltag zu erleben.