Die Figur in meinem Kopf

Fünf Fotos, ein Charakter, viele Fragen. In diesem Projekt habe ich Illustration und Fotografie zu einer Serie verbunden, in der eine rote Figur nicht nur aus meinem Kopf kommt, sondern einiges darin auslöst.

Beschreibung des Projekts

Ich hatte diese Idee schon länger im Kopf: Foto und Illustration miteinander kombinieren. Zwei visuelle Welten, die zusammen mehr sagen können als getrennt. Was kann ich mit Zeichnung ausdrücken, das ein Foto allein nicht zeigen kann? Mit dieser Frage bin ich in das Projekt gestartet.

Ich wollte Bilder schaffen, die surreal wirken, vielleicht auch absurd. Und obwohl ich meine Werke ungern zu sehr erkläre, war mir klar, dass die Verbindung von Illustration und Foto in dieser Serie mehr sein sollte als ein grafisches Stilmittel.

Alle Bilder zeigen denselben Charakter: eine rote, teuflisch anmutende Figur, die aus meinem Kopf kommt oder ihn bedeckt. Für mich ist diese Figur ein Stilmittel, vielleicht auch eine Art unbewusstes Alter Ego. Sie steht für etwas Inneres, das nach aussen drängt. Etwas, das schwer in Worte zu fassen ist, aber sich visuell sehr klar zeigen lässt.

Mir war wichtig, dass die Bilder inhaltlich verbunden sind. Auch wenn es mir schwerfiel, Ideen zu finden, die aufeinander aufbauen, hat sich die Wiederholung der Figur als roter Faden durchgesetzt. Dadurch entstand eine starke visuelle Zusammenhängigkeit. Ich bin an das Projekt so herangegangen, dass ich versucht habe zuerst eine Idee zu finden, die die gewollte Aussage definiert und daraufhin ein Motiv zu gestalten.

Für die fotografische Umsetzung habe ich mit Andri Kummer zusammengearbeitet. Ich wusste sehr genau, was ich wollte, und konnte ihn entsprechend anleiten. Das Shooting war für mich auch eine wichtige Erfahrung: Wenn man wenig Zeit hat, muss man genau wissen, was man will. Die Planung war hier entscheidend.

Nach dem Shooting habe ich die Bilder mit Procreate illustriert. Ich hatte die Szenen bereits klar im Kopf, habe dann aber dennoch zuerst grob skizziert. Danach kamen die Farbschichten: Grundfarbe, Schatten, Highlights. Technisch habe ich so gearbeitet, wie ich es aus meiner bisherigen Praxis kenne, aber das Zusammenspiel mit realen Fotos war neu und sehr spannend.

Die Bilder im Detail

1. Der Staubsauger Das erste Bild zeigt mich mit einem Staubsauger, mit dem ich die rote Figur einsauge. Die Szene soll sofort Aufmerksamkeit erzeugen. Gleichzeitig gibt sie eine mögliche Erklärung dafür, warum die Figur in den weiteren Bildern über meinem Kopf erscheint.

2. Das Fenster Hier schlängelt sich die Figur in ein Fenster im dritten Stock. Die Pose ist aufdringlich, fast aggressiv. Die Aussage: Man sollte sich nicht in Dinge einmischen, die einen nichts angehen. Während des Shootings kam mir eine zweite Idee: Das Bild vor dem Rathaus zu machen, um es als Gesellschaftskritik zu lesen.

3. Der Burger Die Figur hat einen extrem hungrigen Ausdruck, der Kopf in Fastfood gedrückt. Dieses Bild kritisiert unsere Konsumgier und die Bereitschaft, Dinge in uns hineinzustopfen, von denen wir wissen, dass sie uns eigentlich nicht guttun.

4. Das Badezimmer Ursprünglich wollte ich mich einfach nur vor dem Spiegel zeigen. Dann entstand spontan die Idee, mich auf den Boden der Toilette zu legen. Die Figur zieht sich durch WC, Dusche und Wasserhahn und landet mit ihrem Gesicht im Spiegel. Das verzerrte Grinsen spiegelt sich als trauriger Ausdruck. Es geht um die innere Stimme, die uns einredet, nicht gut genug zu sein.

5. Die Befreiung Das letzte Bild sollte die Serie abrunden. Die Figur steigt aus mir heraus. Es ist der Moment, in dem man merkt: Diese negativen Gedanken müssen nicht für immer bleiben. Man kann sie loswerden.

Mehr davon ist auf meinem Instagram-Profil @pfyyl zu finden.

(abb)

Die Umsetzung dieses Projekts hat mir gezeigt, wie wertvoll Zusammenarbeit sein kann. Normalerweise mache ich Kunstprojekte allein, aber mit Andri zu arbeiten war eine Bereicherung. Ich habe gelernt, wie wichtig Planung ist, vor allem wenn man ein Ziel hat und wenig Zeit.

Ideen für grössere Projekte habe ich oft. Doch beim Starten scheitert es manchmal. Deshalb bin ich stolz, dass ich dieses Projekt wirklich durchgezogen habe. Es hat mir viel Spass gemacht, mich so tief hineinzugeben.

Ich habe das Projekt bisher noch niemandem gezeigt, freue mich aber sehr auf das Feedback.

Die Kombination aus Foto und Illustration hat für mich grosses Potenzial, und ich kann mir gut vorstellen, in Zukunft weitere Serien in dieser Art zu entwickeln. Vielleicht dann mit einem neuen Charakter.