Dias digitalisieren

Mein Gross- und Urgrossvater haben zwischen 1932 und 2010 über 7000 Dias aufgenommen und diese oftmals sehr sorgfältig beschriftet. Seit dieser Zeit liegen diese Dias ungenutzt in Schachteln. Deshalb habe ich mir die Aufgabe gestellt, sie zu sortieren, zu digitalisieren und sinnvoll zu benennen. Im Folgenden beschreibe ich meinen Arbeitsprozess. Ich konnte eine solide Grundlage schaffen, um das Projekt in den kommenden Jahren weiterzuführen.

Planung und Vorbereitung

Zu Beginn verschaffte ich mir einen Überblick über das gesamte Material. Dazu zählte ich alle vorhandenen Dias und stellte überrascht fest, wie umfangreich die Sammlung tatsächlich ist.

Anschliessend recherchierte ich verschiedene Möglichkeiten zur Organisation der digitalisierten Bilder. Mein Ziel war es, ein System zu entwickeln, mit dem sich die Fotos später einfach finden lassen. Ich entschied mich dafür, Adobe Bridge zu verwenden und die Bilder mit Tags zu versehen.

Zu Beginn erstellte ich folgende Hauptkategorien (Tags):

  • Architektur
  • Events
  • Familie
  • Freunde
  • Natur
  • Ort
  • Reise
  • Verwandtschaft
  • Sonstiges

Diese Liste wurde während des Projekts laufend erweitert. Dadurch entstanden später jedoch auch einige organisatorische Schwierigkeiten, da gewisse Kategorien nicht von Anfang an ausreichend durchdacht waren.

Zusätzlich entwickelte ich eine Ordnerstruktur im Explorer. Die Fotos werden nach Jahren geordnet. Besondere Reisen oder wichtige Ereignisse erhalten innerhalb eines Jahres eigene Unterordner. Dank der Tags können heute beispielsweise alle Bilder einer bestimmten Person über mehrere Jahrzehnte hinweg einfach gefunden werden.

Sortieren der Dias

Gemeinsam mit meiner Mutter nahm ich mir während einer regnerischen Woche Zeit, die Dias zu sichten und zu sortieren. Bereits dieser Arbeitsschritt beanspruchte deutlich mehr Zeit als erwartet.

Trotzdem bereitete mir dieser Teil grosse Freude. Mit einem alten Diaprojektor konnten wir die Bilder betrachten und ich erhielt einen spannenden Einblick in die Vergangenheit meiner Familie.

https://vimeo.com/1199806181?fl=tl&fe=ec

https://vimeo.com/1199806178?fl=tl&fe=ec

Während des Sortierens entschieden wir uns, einige Dias auszusortieren.

Als Ausschlusskriterium galt, dass weder Ort noch Zeitpunkt der Aufnahme bekannt waren. Solche Bilder konnten nicht sinnvoll eingeordnet werden. Glücklicherweise hatte mein Grossvater die meisten Dias sehr sorgfältig beschriftet, weshalb nur wenige entfernt werden mussten. Wir entschieden uns bewusst dafür, Fotos mit Personen, Reisen und historisch relevante Ereignisse zu priorisieren. Mein Grossvater hatte auch viele Kirchen und Gebäude fotografiert, diese sehen heute oft noch ähnlich aus. Die Familienfotos erschienen uns daher historisch und persönlich wertvoller.

Während des Sortierprozesses kam es immer wieder zu technischen Problemen mit dem alten Diaprojektor. Mehrmals mussten wir ihn öffnen und kleinere Reparaturen vornehmen, damit wir weiterarbeiten konnten.

Offener Diaprojektor

Vor der Projektion mussten die Dias jeweils in spezielle Schienen eingesetzt werden, da sie nur so in den Diaprojektor eingeschoben werden konnten. Glücklicherweise standen uns genügend Schienen zur Verfügung, sodass wir die Dias nach dem Sortieren darin belassen konnten.

https://vimeo.com/1199806182?fl=tl&fe=ec

Nach Abschluss der Sortierung konnten wir die ursprüngliche Sammlung von über 7000 auf rund 5000 Dias reduzieren und gleichzeitig Prioritäten für die spätere Digitalisierung festlegen.

Alle insgesamt 5000 Dias

Digitalisierung der Dias

Nach dem Sortieren begann der eigentliche Digitalisierungsprozess.

Jedes einzelne Dia musste in eine Schiene eingesetzt und anschliessend mit einem Diascanner digitalisiert werden. Die gescannten Bilder übertrug ich danach per SD-Karte auf meinen Laptop.

Je nach Motivation arbeitete ich unterschiedlich: Manchmal scannte ich grössere Mengen ein und benannte diese erst später. An anderen Tagen benannte ich die Bilder direkt nach dem Scannen.

Eine Schiene fasst 50 Dias. Für das Einscannen einer kompletten Schiene benötigte ich ungefähr 20 Minuten, dabei ist die Benennung nicht inbegriffen.

https://vimeo.com/1199806180?fl=tl&fe=ec

Benennung und Archivierung

Der zeitaufwendigste Teil des gesamten Projekts war die Benennung der Bilder. Der dafür benötigte Aufwand variierte jedoch stark. Während sich Serien mit gleichem Ort und Datum relativ effizient bearbeiten liessen, benötigten einzelne Aufnahmen mit unterschiedlichen Orten, Personen oder Zeitangaben deutlich mehr Zeit.

Bereits das Entziffern der handschriftlichen Beschriftungen meines Grossvaters stellte sich oft als Herausforderung heraus. Manche Angaben waren leicht lesbar, andere nur schwer zu erkennen.

Für die Dateibenennung entwickelte ich eine einheitliche Struktur, damit alle Bilder nach demselben Schema organisiert sind. Dadurch bleiben die Dateien langfristig übersichtlich und können einfacher durchsucht werden.

Bei grösseren Bildserien mit ähnlichen Namen nutzte ich die Software «Bulk Rename Utility». Damit konnte ich viele Dateien gleichzeitig umbenennen und musste jeweils nur die Unterschiede anpassen. Dies sparte viel Zeit.

Während der Benennung war ich häufig auf die Unterstützung meiner Mutter angewiesen, da ich nicht alle Personen auf den Bildern erkannte. Mit der Zeit wurde dies einfacher, da ich immer mehr Familienmitglieder identifizieren konnte.

Zusätzlich musste ich oft recherchieren, in welchem Land oder an welchem Ort bestimmte Aufnahmen entstanden waren. Gerade bei unklaren Ortsnamen war dies teilweise sehr aufwendig.

Nach jeweils 50 fertig bearbeiteten Dias verschob ich die Bilder in die endgültige Ordnerstruktur. Dieser Schritt war besonders motivierend, da die Fortschritte sichtbar wurden.

Aktueller Stand

Bis heute konnte ich rund 1200 Dias vollständig digitalisieren, inklusive benennen und einordnen.

Weitere etwa 800 Dias wurden bereits eingescannt, warten jedoch noch auf die Benennung und Archivierung.

Ich gehe davon aus, dass mich dieses Projekt noch viele Jahre begleiten wird. Es wird viele Jahre dauern, bis die gesamte Sammlung vollständig digitalisiert und organisiert ist.

Trotz des grossen Zeitaufwands bin ich sehr froh, diese Arbeit begonnen zu haben. Die Digitalisierung bewahrt nicht nur wertvolle Erinnerungen, sondern ermöglicht auch zukünftigen Generationen einen einfachen Zugang zur Familiengeschichte.

Hier einige Beispiele der digitalisierten Dias mit Benennung:

(mmi)

Positive Aspekte

Rückblickend bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Das entwickelte System ermöglicht eine strukturierte Ablage der Bilder und erleichtert das spätere Auffinden von Personen, Orten und Ereignissen erheblich. Besonders wichtig war mir, dass das System nicht von einer bestimmten Person abhängig ist. Dank der klaren Ordnerstruktur, der einheitlichen Benennung und der Verwendung von Tags in Adobe Bridge können auch andere Familienmitglieder die Arbeit problemlos weiterführen.

Zudem habe ich während des Projekts viel über die Geschichte meiner Familie erfahren. Das gemeinsame Sortieren mit meiner Mutter war für mich einer der wertvollsten Teile des gesamten Projekts.

Herausforderungen und Schwächen

Im Verlauf des Projekts wurde deutlich, dass ich die Tag-Struktur zu Beginn nicht ausreichend geplant hatte. Einige Kategorien erwiesen sich später als unpraktisch.

Ein Beispiel dafür ist der Oberbegriff „Ort“. Rückblickend wäre es sinnvoller gewesen, stattdessen direkt geografische Kategorien wie „Schweiz“ oder andere Länder als Haupttags zu verwenden. Da die Tags bereits auf viele Bilder angewendet waren, konnte ich diese Struktur später nicht mehr ohne grossen Aufwand ändern. Eine Anpassung hätte zu Unordnung und Inkonsistenzen geführt. Aus diesem Grund hätte ich mir vor Projektbeginn mehr Zeit für die Planung und Definition der Tag-Struktur nehmen sollen.

Ein weiterer bewusster Entscheid war der Verzicht auf eine nachträgliche Bildbearbeitung beziehungsweise eine Korrektur oder Grading der digitalisierten Dias. Obwohl eine solche Bearbeitung die Bildqualität teilweise verbessern könnte, hätte dies den zeitlichen Aufwand nochmals erheblich erhöht und den Rahmen dieses Projekts gesprengt. Mein Hauptziel war es, die Dias zunächst zu sichern, zu digitalisieren und sinnvoll zu organisieren. Eine nachträgliche Optimierung der Bilder bleibt jedoch eine mögliche Aufgabe für die Zukunft. So könnten besonders wichtige oder qualitativ wertvolle Aufnahmen später gezielt bearbeitet und restauriert werden.

Eine weitere Herausforderung war der enorme Zeitaufwand. Das Einscannen selbst war zwar relativ einfach, die Benennung und Einordnung der Bilder benötigte jedoch deutlich mehr Zeit als erwartet. Viele Arbeitsschritte wiederholten sich ständig, wodurch die Arbeit teilweise sehr monoton wurde.

Bewusste Entscheidung

Heute existieren Programme, die mithilfe von künstlicher Intelligenz Personen automatisch erkennen und Bilder entsprechend zuordnen können.

Ich habe mich bewusst gegen solche Lösungen entschieden. Dafür hätte ich die gesamte Sammlung in eine Cloud oder auf externe Plattformen hochladen müssen. Da es sich um private Familienfotos handelt, wollte ich diese Daten nicht an externe Anbieter weitergeben. Stattdessen habe ich mich für die aufwendigere, aber datenschutzfreundlichere manuelle Benennung entschieden.

Fazit

Dieses Projekt hat mir gezeigt, wie wichtig eine sorgfältige Planung und eine durchdachte Datenstruktur sind. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass langfristige Projekte viel Geduld und Ausdauer erfordern.

Auch wenn die Arbeit oft Geduld erforderte und teilweise sehr eintönig war, hat sich der Aufwand für mich gelohnt. Die Digitalisierung bewahrt nicht nur alte Fotos, sondern auch viele persönliche Erinnerungen und Familiengeschichten.