Der weg ins Kino
Für den Schweizer Film «The Mindsetters» von Sandra De Vito und Gerry Hofstetter durfte ich das Filmplakat gestalten. Der Film beschäftigt sich mit politischer Bildung, Schweizer Geschichte und Berufsporträts, mit dem Ziel, junge Menschen für ihre Bildung und demokratischen Wurzeln zu begeistern. Ich freue mich, mit diesem Plakat einen visuellen Beitrag zu einer Kampagne zu leisten, die viele Menschen sehen werden.
Darüber hinaus durfte ich auch vor der Kamera dazulernen. Nachdem ich 2025 ein Spiel des EHC Arosa in der Sky Swiss Ice Hockey League kommentieren und dabei erste Erfahrungen vor dem Mikrofon sammeln durfte, ergab sich nun die nächste Gelegenheit, diesmal als Teil des Films selbst.















































Filmplakat
Sandra De Vito, eine Kundin von mir, fragte mich eines Tages, ob ich Lust hätte, als Darsteller in ihrem neuen Film The «Mindsetters» mitzuwirken. Da ich im Studium sowieso den ganzen Tag von Kameras umgeben bin, dachte ich mir, warum nicht? Eine spannende Gelegenheit, mal auf der anderen Seite zu stehen und viele neue Erfahrungen zu machen. Nach den Dreharbeiten fragte sie mich dann, ob ich auch das Filmplakat gestalten möchte und so wurde aus einem spontanen Ja plötzlich ein richtiges Projekt.
Zu Beginn hatten wir eine Online-Sitzung, in der Sandra mir alles Wichtige erklärte und mir bereits eine erste Gestaltungsskizze zeigte. Danach war ich auf mich und meine Kreativität gestellt. Ich orientierte mich an ihren Vorschlägen, brachte aber natürlich auch eigene Ideen ein, so entstand aus diesem Mix ein erster Plakatansatz. Nach den ersten Entwürfen dachte ich ehrlich gesagt: Wow, das ist richtig gut geworden, das muss ihr gefallen. Spoiler: So einfach war es dann doch nicht. In den folgenden Wochen kamen von Sandra De Vito und Gerry Hofstetter laufend neue Änderungswünsche und Anpassungen. Besonders frustrierend waren Momente mitten im Prozess: Wir hatten eine Version, die allen Parteien gefallen hatte, ich war überzeugt, dass das die finale Lösung war. Einige Tage später wurde jedoch auch dieses Plakat wieder über den Haufen geworfen und wir starteten in eine neue Richtung. Dies benötigte viel Durchhaltewillen. Am Ende hatte ich rund 48 Plakatversionen erstellt, eine Zahl, mit der ich zu Beginn wirklich nicht gerechnet hatte. Zu Beginn waren es noch grosse, grundlegende Änderungen, gegen Ende hin wurden es immer kleinere Feinheiten und Verfeinerungen. Genau dieser Prozess hat mir aber gezeigt, wie viel Arbeit wirklich hinter einem finalen Plakat steckt, und wie wichtig es ist, flexibel zu bleiben und nicht zu früh an einer Idee festzuhalten.
Kommunikation vor der Kamera
Vor der Kamera zu stehen war eine völlig neue Erfahrung und eine ganz andere als das Eishockeyspiel. Plötzlich war ich nicht mehr die Stimme im Hintergrund, sondern selbst das Bild: umgeben von riesigen Kameras, die nicht nur aufzeichneten, was ich sagte, sondern auch, wie ich es sagte, Mimik, Gestik, Gesichtsausdruck inklusive.
Der erste Drehtag fand beim Tagblatt in Zürich statt. Zusammen mit anderen Jugendlichen führten wir einen Demokratie-Talk über Werte, die Schweiz, Abstimmungen und die Frage, wie man in unserer Gesellschaft überhaupt über solche Themen spricht. Denn das ist gar nicht so einfach: Viele Themen rund um Demokratie sind heikel. Man überlegt sich zweimal, was man sagt, weil Worte schnell anders ankommen, als sie gemeint waren. Nach rund sechs Stunden Dreh, Gruppengespräch und Einzelinterviews war dieser Teil im Kasten.
Einige Wochen später folgte der zweite Einsatz: an der Universität Zürich. Dort durfte ich zusammen mit der Prorektorin und dem Rektor durch verschiedene Abteilungen der UZH gehen und ein längeres Interview führen über das Schwarze Loch, aktuelle Forschungsprojekte und wissenschaftliche Errungenschaften. Meine Aufgabe war es, als Interviewer aufzutreten: neugierig, präsent, spontan wirkend. Im Vorfeld hatte ich mir viele Fragen notiert und auswendig gelernt, damit sie vor der Kamera natürlich rüberkamen. Einige kamen dann tatsächlich spontan, das Gespräch trug sich irgendwann selbst. Auch dieser Tag dauerte rund sechs Stunden und war vollgepackt mit Eindrücken.




Wenn der Film Mitte September in die Kinos kommt, werde ich mich zum ersten Mal auf einer grossen Leinwand sehen. Das wird ein besonderer Moment. Aber ehrlich gesagt ist es der ganze Prozess, der mich so freut, dieses Kribbeln im Bauch, diese Nervosität vor jedem Dreh. Und rückblickend hat mir genau das geholfen: Heute stehe ich deutlich ruhiger vor Leuten als früher.
(mmi)
Reflexion / Kritik Plakat
Einfach war es nicht immer. Als Designer liebe ich es, mich kreativ auszutoben, wenn man dann aber etwas gestaltet, das einem selbst wirklich gefällt, der Kunde es jedoch ablehnt, kann das schon mal an der Motivation nagen. Solche Momente gab es während dieses Projekts einige, und ich musste mich jedes Mal neu aufraffen. Gleichzeitig habe ich auch gelernt, klar zu sagen, wenn mir eine Idee nicht gefällt. Mit über sieben Jahren Erfahrung in der Gestaltungsbranche darf und muss man dem Kunden gegenüber ehrlich sein, das ist letztlich auch ein Teil des Jobs. Diese offene Kommunikation hat den Prozess für beide Seiten weitergebracht. Gestalterisch habe ich meine Photoshop-Skills deutlich verfeinert, aber auch auf der zwischenmenschlichen Ebene viel mitgenommen. Meinungsverschiedenheiten professionell zu überwinden ist eine Fähigkeit, die man nur durch echte Projekte lernt und genau das hat mich enorm weitergebracht.
Was mir ebenfalls Schwierigkeiten bereitet hatte, war dass ich nicht derjenige war, der entscheiden durfte. Es gab öfters Gestaltungsvorschläge seitens des Kunden, welche ich nicht gut fand, aber umsetzen musste. Gerade bei einem so grossen Projekt wollte ich zeigen was ich kann, wenn man sich dann aber nach den wünschen des Kunden richten muss, kommt am Schluss nicht immer das raus was für einen am besten war. Mit dem musste ich auch lernen umzugehen.
Reflexion / Kritik Filmen
Was mir am meisten zu schaffen machte, war der soziale Druck, die Angst, etwas Falsches zu sagen. Man kennt das von Social Media: Dort lädt man nur die besten Momente hoch, die perfekten Ausschnitte. Bei einem Filmdreh funktioniert das nicht. Man kann nicht nachträglich ein anderes Bild wählen oder eine ungeschickte Aussage wegklicken. Man ist einfach da, wird gefilmt, und hat wenig Kontrolle darüber, wie man am Ende rüberkommt.
Genau das beschäftigte mich am Anfang: Wie werden Leute auf meine Aussagen reagieren? Sage ich etwas Kluges oder etwas, das niemand versteht, oder schlimmer, etwas Falsches? Diese Gedanken liefen im Hintergrund mit, während ich sprach, und das machte es phasenweise schwieriger.
Mit der Zeit lernte ich jedoch, diesen Druck loszulassen. Ich bin grundsätzlich jemand, dem es gelingt, sich nicht zu sehr daran aufzuhängen, was andere denken. Aber einfacher gesagt als getan, das war mir in diesem Prozess bewusster denn je.
Rückblickend habe ich viel gelernt, auch über mich selbst. Was ich beim nächsten Mal anders machen würde: noch selbstbewusster rangehen und noch entspannter sein, weil ich es jetzt kenne. Und beim Vorbereiten von Fragen würde ich mir lieber Themenpunkte notieren als Fragen auswendig lernen. Ich neige dazu, einfach loszusprechen und die Frage erst während dem Reden zu formulieren. Manchmal wäre es sinnvoller, erst zu denken und dann zu sprechen.