Das Airport Festival in Bildern
Am Freitag pulsierte der Flughafen Bad Ragaz mit einem Rave und am Samstag übernahmen Schweizer Acts die Bühne. Wir waren Mittendrin, als Teil des Media-Teams. Unsere Aufgabe war es das Airport Festival fotografisch und videografisch festhalten.
Wie der Kontakt zustande kam
Giulia kennt grosse Teile des OK-Teams persönlich. Eine kurze Anfrage genügte und wir bekamen die Zusage, inklusive vollem Medienzugang für beide Tage. André durfte ebenfalls mit an Bord, sodass wir das Projekt zu zweit angehen konnten. Im Verlauf der Gespräche bot uns das OK zusätzlich an, den Social-Media-Content für das Festival zu produzieren und die Kanäle während der zwei Tage zu betreuen.
Konzept und Idee
Der Auftrag war bewusst sehr offen formuliert: ein bisschen von allem. Fotos der Acts, Videos der Bühnenshows, Crowd-Aufnahmen, Eindrücke vom Festivalgelände. Das Foto- und Videomaterial darf das Festival anschliessend frei verwenden, hauptsächlich für Social Media und die Website. Wir dürfen das Material aber ebenfalls frei verwenden.
Visuell wollten wir dabei nichts inszenieren. Realität, Stimmung und echte Emotionen. Wir wollten zeigen, wie sich das Festival anfühlt.
Equipment
Da wir die meiste Erfahrung mit unserem bestehenden Setup hatten, blieben wir auch hier bei den beiden Sony-Kameras:
- Kameras: Sony A7 IV und Sony A7R V, DJI Drohne Mini 3
- Objektive: 24–70 mm f/2.8 (für Crowd, Stimmung, Weitwinkelaufnahmen) und 70–200 mm f/4 (für Bühnenaufnahmen)
- Licht: ausschliesslich Available Light. Kein Blitz und kein zusätzliches LED
- Stabilisierung: kein Gimbal, alles aus der Hand
Diese bewusste Reduktion auf zwei Bodies und zwei Objektive sollte uns Beweglichkeit verschaffen. Wir wollten schnell reagieren können, ohne zwischen Foto-Pit und Crowd grosse Setups umzubauen.
Die Festivaltage
An beiden Tagen waren wir von frühem Nachmittag bis spät in die Nacht vor Ort. Beide übernahmen sowohl Foto- als auch Videoarbeit und entschieden uns beide alles zu machen.
Am Freitag stand Techno im Fokus: Dario Blum, Animal Trainer und Twennys spielten ein langes Set, das wir mit viel Bewegung im Bühnenlicht und gezielten Detailaufnahmen begleiteten. Die Lichtshow lieferte hier extrem dankbare Motive mit Lichtstrahlen, Nebel, intensive Farbflächen.
Am Samstag wechselte das Programm in Richtung Schweizer Acts: Loco Escrito, Gigi Malua sowie Mimiks & L Cone brachten ein deutlich anderes Publikum und eine andere Bühnenenergie mit. Wir versuchten, jeden Act mindestens einmal im Photo Pit und einmal aus der Crowd zu fotografieren, um Performance und Publikumsreaktion gleichermassen zu dokumentieren.















Herausforderungen am Set
Die grösste Schwierigkeit war das Low-Light-Setting am Abend und in der Nacht. Ohne Blitz mussten wir die ISO-Werte teils stark hochziehen, was später in der Postproduktion deutlich mehr Arbeit nach sich zog. Sobald die Crowd dichter wurde, war das Filmen und Fotografieren in der Menge zudem eine logistische Herausforderung. Platz, Sichtachsen und Sicherheit für die Kameras spielten plötzlich eine Rolle.
Eine weitere Hürde lag im permanenten Switchen zwischen Foto und Video: Belichtungszeiten, Bildraten und Framerates unterscheiden sich grundlegend, jedes Umstellen kostet Sekunden. Hinzu kam der Anspruch, möglichst überall dabei zu sein, was zeitweise in Stress kippte.
Postproduktion
Nach den zwei Tagen lagen mehrere hunderte Aufnahmen auf den Speicherkarten. Die Auswahl, Bearbeitung und Endabgabe erfolgte in Adobe Lightroom, abgeliefert wurden schliesslich rund 120 finale Fotos.
Einen einheitlichen Look strebten wir bewusst nicht an. Stattdessen ging es darum, die jeweiligen Bühnenfarben korrekt und intensiv zur Geltung zu bringen. Das warme Orange während Mimiks› Auftritt, der satte Nebel über Gigi Malua, das tiefe Rot bei den nächtlichen DJ-Sets. Jedes Bild musste individuell beurteilt werden, so das pauschale Presets uns nicht ans Ziel brachten.
Die Postproduktion zog sich entsprechend in die Länge. Viele Aufnahmen mussten entrauscht werden, weil die hohen ISO-Werte aus den Nachtstunden ihre Spurenn hinterliessen. Auch der Weissabgleich war bei wechselnden Bühnenlichtern jedes Mal eine kleine Detektivarbeit.
Video als Rohmaterial
Da der Schwerpunkt unseres Auftrags auf der Fotografie lag und das Festival das Videomaterial vor allem für eigene Edits und Social-Media-Schnitte verwenden wollte, lieferten wir die Videoclips als Rohmaterial ab. Jedoch sauber sortiert, aber bewusst ungeschnitten.


















(mmi)
Was gut funktioniert hat:
Die grosse Freiheit, die wir vom Veranstalter bekamen, war ein Geschenk. Ohne enge Vorgaben konnten wir uns ausprobieren und mit dem Druck eines Live-Settings vertraut det. Wir hatten Spass und das sieht man dem Material an. Auch die Bandbreite unserer Bilder. Von intimem Porträt im Bühnenlicht bis zur Silhouette im Gegenlicht des Sonnenuntergangs zeigt, dass wir uns visuell nicht selbst eingegrenzt haben.
Was nicht so gut lief:
Ein Blitz wäre die wichtigste Lehre aus diesem Projekt. Gerade für die Crowd-Aufnahmen am späten Abend hätten wir mit gezieltem Off-Camera-Flash deutlich kontrastreichere und sauberere Bilder produziert und uns viel Arbeit beim Entrauschen erspart. Beim nächsten Mal definitiv im Rucksack.
Weniger ist mehr.
Wir haben overshoootet. Tausende Aufnahmen, davon viele beinahe identisch, machten die Auswahl mühsam und führten zu zusätzlicher Postproduktionszeit. Hier hätten wir uns mehr Disziplin auferlegen müssen, lieber gezielt warten, bis die Szene sitzt, statt im Sekundentakt durchzudrücken.
Klare Rollenverteilung hätte uns zudem geholfen. Da wir beide alles machten: Foto, Video, Acts, Crowd. Passierte es immer wieder, dass wir uns gegenseitig im Weg standen oder denselben Moment doppelt einfingen. Eine vorgängige Absprache, wer für welchen Act oder welchen Bereich primär zuständig ist, hätte uns Stress erspart und die Bandbreite an Perspektiven sogar erhöht.
Was wir gelernt haben:
Live-Event-Fotografie ist eine eigene Disziplin, sie verlangt schnelle Entscheidungen, technische Routine im Dunkeln und ein gutes Gespür dafür, wann man drückt und wann man wartet. Wir haben den Druck eines Festival-Shoots zum ersten Mal in dieser Intensität erlebt und nehmen viel daraus mit: Vorbereitung, Equipmentwahl und Selbstorganisation sind im Live-Kontext mindestens so wichtig wie das eigentliche fotografische Können.
Reaktion des Auftraggebers: Der Veranstalter ist mit dem Endresultat sehr zufrieden, und einige der Bilder sind bereits in der Festivalkommunikation im Einsatz. Eine Rückmeldung, die uns nicht nur freut, sondern auch motiviert, das nächste Festival mit den gelernten Lektionen noch gezielter anzugehen.