Zwischen Reichweite und Realität

Über Instagram und TikTok gelangen Kurzvideos sekundenschnell zu einem Millionenpublikum. Doch was davon bleibt und wie wirkt es? Politische Videos spielen in den sozialen Medien eine immer grössere Rolle. Doch der Einfluss reicht weiter ins Gesellschaftliche: etwa durch die Verbreitung von Dark Romance über TikTok, die feministische Überzeugungen und die Grenze zwischen Fiktion und Realität infrage stellt.

Die Thesis

Meine Thesis untersucht, wie junge Erwachsene im Alter von 18 bis 24 Jahren politische Kurzvideos auf Instagram und TikTok wahrnehmen und welchen subjektiven Erkenntnisgewinn sie daraus ziehen. Als Fallbeispiel dient die Schweizer Klimafonds-Initiative. Zur Beantwortung wurden sieben Videos unterschiedlicher Absenderinnen und Absender, von Medienhäusern über Parteien und einen Wirtschaftsverband bis zu einem Influencer, in einer systematischen Inhaltsanalyse ausgewertet und vier davon in problemzentrierten Interviews als Stimuli eingesetzt.

Die Befragten nehmen die inhaltliche, emotionale und formale Gestaltung zwar differenziert wahr, aber verdichten sie zu einem Gesamteindruck. Als verbindendes Element zwischen der Gestaltung eines politischen Kurzvideos und dem Erkenntnisgewinn erwies sich die Glaubwürdigkeit: Aufgrund der einzelnen Gestaltungselemente bewerten die Rezipierenden zunächst, wie glaubwürdig ein Video ist, und leiten erst daraus ihren Erkenntnisgewinn ab. Nur als sachlich und glaubwürdig wahrgenommene Videos erzeugten so einen inhaltlichen Erkenntnisgewinn.

Lehrprojekt

Auf gesellschaftlicher Ebene setzt das Lehrprojekt an. Die Reportage widmet sich Dark Romance, einem Buchgenre, das über die TikTok-Community BookTok grossgeworden ist und in dem Machtgefälle, toxische Beziehungsmuster und Stalking als romantisch inszeniert werden. Gelesen wird es vor allem von jungen Frauen. Um dem Phänomen näherzukommen, lese ich selbst eines dieser Bücher und schildere meine Leseerfahrung. Die Reportage fragt, welchen Einfluss diese Erzählungen auf ihre Lesenden haben, ob sich Fiktion und Realität dabei noch trennen lassen und wie sich die Faszination für das Genre mit einem feministischen Selbstverständnis verträgt.

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