Hermès – 3D Brand Animation
Aus einem kurzen, 15-sekündigen Ident-Schulprojekt entstand aus purer Motivation ein erweitertes 45-Sekunden-Video mit tieferem Storytelling. Das 3D-Animationsprojekt «Hermes» verbindet aufwendiges Rendering in Blender mit gezielter Art Direction und atmosphärischem Sound Design.
Ausgangslage
Im Rahmen des 3D-Minors lag die ursprüngliche Aufgabe darin, ein kurzes, 15-sekündiges Ident zu kreieren. Da Nils dieses Projekt bereits in der Schule umgesetzt hatte, sahen wir grosses Potenzial darin, die Welt weiter auszubauen. Aus Spass an der kreativen Zusammenarbeit beschlossen wir, das Konzept zu erweitern, die Laufzeit auf 45 Sekunden zu verdreifachen und den Fokus massgeblich auf das Storytelling zu legen.
Exposé & Storytelling
Die Eröffnungsszene zeigt eine malerische Location in Frankreich, in der Ferne ist auf einem Möbelstück bereits eine Hermès-Tasche zu erkennen. Diese ruhige Einstellung wird plötzlich von einem Pferd durchbrochen, das durch den Fokus der Kamera galoppiert. Darauf folgen Kutschenräder, die von links nach rechts durch das Bild rotieren und durch ihre Bewegungsunschärfe (Motion Blur) Dynamik und Spannung aufbauen.
Schliesslich fällt die ikonische orange Box zu Boden. In einer weiten Einstellung ist die Box perfekt im Goldenen Schnitt platziert. Eine Detailaufnahme zeigt, wie eine Ecke der Schachtel zuckt, als wäre etwas Lebendiges darin gefangen. Der Deckel gibt nach und ein seidenes Hermès-Foulard entweicht. Das Tuch gleitet aus der Box, wird vom Wind erfasst und zu einer Spirale geformt. Diese kreisförmige Bewegung mündet in einem fliessenden Match Cut auf das Rad einer Pferdekutsche.
Die Kamera enthüllt das komplette Hermès-Logo in einer realistischen 3D-Umgebung, welches anschliessend durch eine Masken-Transition in das cleane Vektor-Logo auf orangem Hintergrund übergeht. Das Logo entpuppt sich als Aufdruck der ursprünglichen Schachtel, neben der nun das Herzstück prangt: eine Birkin Bag. In einer stimmungsvollen Komposition aus Tasche und Box gleitet das Foulard zurück ins Bild und wickelt sich sanft um den Griff der Tasche.
Zum Abschluss fährt die Kamera in einer Dolly-Bewegung zurück durch das warme, elegant beleuchtete Schaufenster eines Hermès-Stores bis auf die Strasse. Durch diesen Rückzug wird der Loop zur allerersten Einstellung nahtlos geschlossen.
Umsetzung & Workflow
Die Rollen für dieses erweiterte Projekt waren klar verteilt: Nils und Angelo (extern) übernahmen gemeinsam die komplette 3D-Animation und das Modeling der Assets. Beim Modeling nutzten wir zudem Künstliche Intelligenz – so wurde beispielsweise die Pferdekutsche mithilfe der KI-Plattform Meshy (meshy.ai) als 3D-Modell generiert.



Len fokussierte sich auf die visuelle und auditive Ausgestaltung. Das umfasste die Art Direction sowie das detaillierte Lighting direkt in Blender, um die richtige Stimmung für die luxuriöse Brand-Ästhetik zu setzen. Nach dem Rendering in Blender ging es in die Postproduktion: Das finale Color Grading wurde in DaVinci Resolve umgesetzt. Parallel dazu produzierte und mischte Len die Sound Effects (SFX), um dem Storytelling und den dynamischen Schnitten das nötige auditive Gewicht zu verleihen.
(mmi)
Die Entscheidung, ein 15-sekündiges Ident auf 45 Sekunden zu strecken, war ambitioniert, hat sich erzählerisch jedoch ausgezahlt. Die grösste Herausforderung lag darin, den Spannungsbogen über die längere Laufzeit aufrechtzuerhalten, ohne dass sich die Animation zieht. Die Einbindung von Meshy für die KI-Generierung von 3D-Modellen wie der Kutsche hat den Workflow im Vorfeld stark beschleunigt, erforderte aber dennoch präzises Feintuning, damit sich das Asset nahtlos in die Welt einfügt. Zudem hat die intensive Zusammenarbeit mit Angelo in Blender massgeblich zur hohen Qualität der Animation beigetragen.
Der Workflow von Blender zu DaVinci Resolve funktionierte technisch einwandfrei, jedoch erforderte das Feintuning des Color Gradings im Zusammenspiel mit dem In-Software-Lighting viel Präzision, um die spezifische Hermès-Ästhetik konsistent zu treffen. Auch das Sound Design nachträglich auf die fertigen Renderings abzustimmen, war ein iterativer Prozess, der uns gezeigt hat, wie stark Audio die wahrgenommene Qualität von 3D-Animationen beeinflusst. Rückblickend hätten wir die Pre-Visualisierung der Übergänge, besonders beim komplexen Match Cut des Foulards noch detaillierter planen können, um Renderzeit zu sparen. Insgesamt sind wir mit der dichten Atmosphäre, dem fliessenden Loop und der technischen Umsetzung aber sehr zufrieden.