Tour de Suisse – ein Spektakel zwischen Schmerz und Freude

Die Tour de Suisse gehört zu den Höhepunkten des internationalen Radsportkalenders. An der Schweizer Landesrundfahrt messen sich Weltstars auf spektakulären Strecken, während am Strassenrand Volksfeststimmung herrscht. Eine fotografische Reportage.

Acht Etappen, mehr als 1300 Kilometer und über 20’000 Höhenmeter. Das sind die Eckdaten der Tour de Suisse 2025. Die Schweizer Landesrundfahrt startete in Küssnacht am Rigi und endete sieben Tage später auf der Stockhütte im Kanton Nidwalden. Für mein Diggez-Projekt packte ich meine Kameraausrüstung und begleitete mehrere Etappen des Rennens fotografisch. Entstanden ist eine Fotoreportage mit kurzen Textelementen und einem dazugehörigen Magazin. Das Magazin mit der Fotoreportage findest du hier.

Prozess

Der Radsport zählt seit vielen Jahren zu meinen grossen Leidenschaften – ebenso die Fotografie. Weshalb sollte ich also nicht ein Diggez-Projekt dieser Leidenschaft widmen? Und wie es der Zufall wollte, war die Tour de Suisse in meinem Heimatdorf Küssnacht am Rigi zu Gast. Die ideale Ausgangslage für mein Projekt.

Das letzte Radrennen, das ich mit meiner Kamera begleitet habe, war schon eine Weile her. So habe ich mich entschieden, mehrere Etappen der Tour de Suisse fotografisch festzuhalten und daraus ein Magazin zu gestalten.

Zunächst studierte ich den Etappenplan der Tour de Suisse 2025 und glich ihn mit meinem Kalender ab. Für das Projekt wählte ich insgesamt vier Renntage aus: Zwei Tage in Küssnacht (Frauen und Männer) sowie eine Etappe in Heiden und die Schlussetappe in Emmetten. Anschliessend kümmerte ich mich um die nötigen Akkreditierungen. Neben der Fotografen-Akkreditierung konnte ich auch mein Auto akkreditieren lassen, wodurch ich die gesperrten Streckenabschnitte einfacher erreichen konnte.

Ausgerüstet mit meinem Fotorucksack, einer Canon EOS R6, einer Canon EOS 5D Mark III sowie verschiedenen Objektiven, machte ich mich schliesslich auf den Weg zum ersten Renntag.

In Küssnacht fand zunächst die Zielankunft der vorletzten Etappe der Tour de Suisse Women statt. Ich positionierte mich hinter der Ziellinie, um mit dem Tele-Objektiv die Zieleinfahrt festzuhalten. Danach rannte ich direkt ein paar Meter hinter die Ziellinie, um die Emotionen der Etappensiegerin einzufangen.

Am nächsten Tag standen gleich zwei Rennen auf dem Programm: die Schlussetappe der Frauen sowie die Auftaktetappe der Männer. Direkt nach der Zielankunft rannte ich zur Etappen- und Gesamtsiegerin Marlen Reusser, um den Moment des Triumphs festzuhalten.

Für die erste Etappe der Männer fuhr ich direkt nach dem Start mit dem Auto auf das Michaelskreuz, wo die Fahrer um den Bergpreis kämpften. Danach wechselte ich den Standort nach Lauerz, bevor ich rechtzeitig zur Zielankunft zurückkehrte.

Zwei Tage später reiste ich in das schöne Appenzellerland nach Heiden. Auch dort konzentrierte ich mich darauf, die Emotionen hinter der Ziellinie einzufangen.

Beim grossen Finale in Emmetten durfte ich dank meiner Akkreditierung die gesperrte Strecke bis zur Stockhütte befahren. Entlang der Strecke probierte ich verschiedene Fotospots aus. Als die Favoriten des Gesamtklassements das Ziel erreichten, war das Interesse der Fotojournalisten enorm. Als João Almeida die Gesamtwertung endgültig für sich entschied, musste man sich als Fotograf seinen Platz regelrecht erkämpfen.

Nach der Tour de Suisse begann die Nachbearbeitung der Bilder. Anschliessend gestaltete ich aus dem entstandenen Material das Magazin.

(mbi)

Dieses Projekt hat mir ziemlich viel Spass gemacht. Die Kombination aus Radsport und Fotografie verbindet zwei meiner Leidenschaften. Ich wollte im Rahmen des Diggez-Projekts die Chance nutzen, um mal wieder ein Radrennen als Fotograf zu begleiten.

Mit dem Ergebnis bin ich insgesamt zufrieden.
Dennoch gibt es einige Aspekte, die ich gerne besser gemacht hätte. Die fotografische Ausbeute hätte teilweise ergiebiger sein können. Nicht immer sass der Fokus perfekt, und gewisse Situationen hätte ich aus einer anderen Perspektive festhalten können. Bei mehreren hundert Aufnahmen gehören solche Erfahrungen jedoch dazu. Ich glaube auch, dass es sich gelohnt hätte, mehr Spots einzuplanen und mit dem Auto einen grösseren Teil der Strecke abzudecken.

Gerade in der Radsportfotografie ist es entscheidend, Rennsituationen vorauszusehen und im richtigen Moment auszulösen. Positiv in Erinnerung bleibt mir insbesondere der Augenblick nach der Zieleinfahrt von Marlen Reusser: Weil ich schnell reagieren konnte, gelang es mir, die Emotionen ihres Gesamtsiegs als einer der ersten Fotografen einzufangen.

Zu den grössten Learnings zählte ein Moment beim Schlusszeitfahren: Ich wartete oben am Berg auf die Fahrer und fotografierte von jedem Athleten die Zieleinfahrt. Mitten in der entscheidenden Phase erschien auf dem Display meiner Kamera plötzlich die Meldung: «Speicherkarte voll». Ich hatte eine Speicherkarte verwendet, auf der sich noch andere Bilder befanden. Es musste schnell gehen, denn ich wollte die Zieleinfahrt des Gesamtsiegers auf keinen Fall verpassen. Da die Bilder noch nicht gesichert waren, musste ich einzelne Aufnahmen löschen, um für die letzten Fahrer genügend Speicherplatz zu schaffen. Ich kam definitiv ins Schwitzen und dachte mir im Nachhinein: «So etwas sollte nicht passieren.»

Bei der Gestaltung des Magazins wollte ich darauf achten, dass es ein möglichst sauberes und aufgeräumtes Layout hat. Dazu habe ich kurze Texte geschrieben, die Kontext zu den Bildern liefern.