Eine Plakatserie zu digitalen Welten in der Musik
Wo das Internet zum Alltag gehört, ist es längst mehr als nur ein Werkzeug. Es prägt unterschiedliche Lebensbereiche und beeinflusst, wie wir kommunizieren, Informationen konsumieren und kreative Inhalte erleben. Nachrichten verbreiten sich in Sekundenschnelle, soziale Beziehungen werden zunehmend durch digitale Räume ergänzt und Bildschirme begleiten viele Menschen durch den Tag. Auch Musiker*innen greifen diese Entwicklungen auf und setzen sich in ihren Werken mit virtuellen Welten, Vernetzung und den Auswirkungen der Digitalisierung auseinander.
Ausgehend von diesem Spannungsfeld entstanden im Rahmen dieses Projekts zwölf Plakate zu Musikalben, die digitale Themen auf unterschiedliche Weise behandeln. Ziel war es, die Atmosphäre und Inhalte der Alben visuell zu übersetzen und dabei eigene gestalterische Interpretationen zu entwickeln. Zu jedem Album entstanden zunächst zwei Plakatentwürfe, aus denen später eine finale Version ausgewählt wurde. Die fertigen Arbeiten werden auf einer eigens gestalteten Website präsentiert, die als digitaler Ausstellungsraum funktioniert und Besucher*innen dazu einlädt, neue Musik zu entdecken oder bekannte Alben aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen.
Recherche und Plakatgestaltung
Am Anfang des Projekts ging es darum, 12 passende Musikalben zu finden, die einen Bezug zu digitalen Themen aufweisen. Dafür habe ich online recherchiert und zusätzlich in meinem Bekanntenkreis nach Empfehlungen gefragt. So konnten auch neue Alben entdeckt und ins Projekt aufgenommen werden. Zu jedem Album wurde eine Recherche durchgeführt und ein kurzer Text für die spätere Website verfasst.
Danach begann die gestalterische Arbeit an den Plakaten. Für jedes Album wurden unterschiedliche gestalterische Ansätze ausprobiert, wobei hauptsächlich in Photoshop und InDesign gearbeitet wurde. Einzelne Bildelemente wurden zusätzlich mit Illustrator oder Blender erstellt. Der grösste Teil der Zeit floss in diesen Gestaltungsschritt.
Teilweise fiel es mir schwer, einen direkten visuellen Zugang zur Musik zu finden. Wie kann diese Musik aussehen? Welche Bilder entstehen beim Hören und gibt es in den Songtexten visuelle Schlüsselelemente, die sich gestalterisch aufgreifen lassen? Gerade am Anfang habe ich sehr frei gearbeitet, wodurch viele Entwürfe später wieder verworfen wurden. Mit zeitlichem Abstand konnten die Entwürfe kritischer beurteilt und gezielter weiterentwickelt werden.
Während des Prozesses habe ich mir durch Internetrecherchen neues Wissen zu verschiedenen Stilrichtungen angeeignet, zum Beispiel wie Y2K-Ästhetik oder Swiss Style visuell funktionieren, und meine Kenntnisse in den Bereichen Farben, Typografie und Layout vertieft. Dadurch konnte ich mich auch intensiver mit Gestaltungsrastern und visueller Hierarchie auseinandersetzen und habe erstmals bewusst mit Texturen gearbeitet. Das Experimentieren mit Schriften und Effekten machte den Gestaltungsprozess abwechslungsreich. Eine besondere Herausforderung stellte das Layout dar, da es sowohl gut lesbar als auch visuell überzeugend sein musste.
Ein weiterer Aufwandspunkt war die Bildrecherche. Zu Beginn arbeitete ich hauptsächlich mit lizenzfreien Bildern, die ich in Photoshop bearbeitete und veränderte. Später habe ich teilweise auch Bilder von Musiker*innen verwendet, dabei aber nicht immer konsequent auf die Lizenzierung geachtet. In einzelnen Fällen mussten Plakate deshalb später angepasst oder neu gemacht werden, was zusätzlichen Aufwand verursacht hat.
Am Ende habe ich aus den 24 entstandenen Plakaten jeweils eine finale Version pro Album für die Website ausgewählt. Entscheidend war dabei, dass die Plakate die Stimmung der Musik möglichst gut transportieren.
Erstellung der Website
Für die Gestaltung der Website habe ich erste Ideen in Figma entwickelt. Da sich das Projekt mit digitalen Welten beschäftigt, entschied ich mich für ein Design in Schwarz-Weiss. Die beiden Farben nehmen Bezug auf das Binärsystem aus Nullen und Einsen, das die Grundlage digitaler Technologien bildet. Gleichzeitig entsteht so ein Kontrast zu den farbigen Plakaten, wodurch diese stärker hervortreten.
Kontraste griff ich auch in anderen visuellen Elementen auf, wie z.B. im Video auf der Startseite. So wurde in After Effects ein Video eines fliegenden Vogels bearbeitet, das sich schrittweise von einer natürlichen Darstellung hin zu einer verpixelten und abstrahierten Form verändert. Dadurch sollte der Übergang vom Organischen ins Digitale visualisiert werden. Das Ergebnis ist eine vierteilige Sequenz à jeweils vier Sekunden, in der der Vogel schrittweise stärker abstrahiert wird.
Der Titel «Echo» entstand aus der Idee, dass sowohl Musik als auch das Internet stark von Wiederholungen, Loops und dem ständigen Weiterverbreiten von Inhalten geprägt sind.
Da Musik ein zentraler Bestandteil des Projekts ist, wurde zusätzlich eine Audio-Komponente integriert. Dafür habe ich Vogelgeräusche mit einem Zoom H5 Audiorecorder aufgenommen und in Adobe Audition bearbeitet, um das Hintergrundrauschen zu reduzieren. Zudem habe ich mit Notch-Filtern experimentiert, um Frequenzen zu entfernen und andere zu betonen. Der Klang überzeugte jedoch nicht, weshalb das Audiostück in FL Studio weiterbearbeitet und mit Hall- sowie Glitch-Effekten ergänzt wurde. Parallel zum Video verändert sich auch der Sound, so dass das Vogelgezwitscher Schritt für Schritt zu einem verzerrten Klangbild wird. Damit der Ton flexibel genutzt werden kann, habe ich in Illustrator Icons für das Ein- und Ausschalten gestaltet.
Zusätzlich entstanden verschiedene Bildelemente für die Website in Photoshop, darunter verzogene CDs, ein iPod, schwarz-weisse Albumcovers sowie verpixelte Vogelbilder für den Ladeprozess der Galerie-Unterseite.
Die technische Umsetzung der Website erfolgte dann mit HTML, CSS und JavaScript. Für die verworfenen Plakate habe ich zusätzlich eine zweite Website im gleichen Stil wie die Hauptseite programmiert. Diese ist bewusst einfach gehalten und zeigt die Plakate in einer Loop-Ansicht.
Einblicke in den Entstehungsprozess:









Resultate
Hier geht es zu den verworfenen Plakaten: Entwurfsarchiv
Und hier findest du die finalen Plakate: Echo
(mbi)
Die Entwicklung spannender Layouts stellte während des gesamten Prozesses eine wiederkehrende Herausforderung dar. Dabei ging es insbesondere darum, Text und Bild so zu kombinieren, dass eine klare Leserichtung entsteht und eine stimmige visuelle Hierarchie aufgebaut wird. Da sich das Projekt an ein deutschsprachiges Publikum richtete, orientierte ich mich an gängigen Lesemustern wie dem Z- oder F-Muster, was mir half, die Kompositionen gezielter zu strukturieren. In diesem Bereich möchte ich meine gestalterischen Fähigkeiten künftig weiter vertiefen.
Zudem habe ich bei der Verwendung von externen Bildmotiven teilweise nicht konsequent auf die Lizenzierung geachtet, was zusätzlichen Aufwand verursachte. Rückblickend habe ich den Zeitaufwand für die Entwicklung und Überarbeitung der Plakate unterschätzt. Kreative Prozesse benötigen oft mehr Zeit als ursprünglich geplant, insbesondere wenn Entwürfe mehrfach überarbeitet oder verworfen werden. Dadurch entstanden gegen Ende des Projekts zeitliche Engpässe.
Grundsätzlich konnte ich viele neue Erkenntnisse gewinnen, insbesondere im Umgang mit Photoshop. Besonders gefallen hat mir die Vielfalt der eingesetzten Programme sowie die Möglichkeit, mit Ton zu arbeiten und damit zu experimentieren.