Alpine Artefakte 2.0 – Wie Objekte die Geschichte der Schweiz erzählen

Idee

Geschichte hat mich schon immer fasziniert, aber bestehende Schweizer Geschichtspodcasts überzeugten mich selten. Was mir fehlte, fand ich in True-Crime-Formaten: Spannung, Rätselhaftigkeit und das schrittweise Aufdecken von Zusammenhängen. Daraus entstand die Frage, ob sich dieser Erzählstil auf historische Objekte übertragen lässt. Gemeinsam mit Angus MacKenzie, einem Kollegen aus dem Videojournalismus mit Geschichtsstudium, entwickelte ich dieses Konzept weiter. Mit Alpine Artefakte wollen wir Geschichte nahbar machen, abseits grosser Männer und bekannter Ereignisse, durch Objekte, die die Geschichten aller Menschen erzählen.

Planung

Nach positiven Rückmeldungen zu unseren zwei Pilotepisoden entschieden wir uns, im Rahmen von Digezz zwei weitere Folgen zu produzieren. Ob eine Episode als Videopodcast oder als reine Podcastfolge umgesetzt wird, machen wir jeweils vom Thema abhängig. Für die dritte Episode wählten wir den Findling auf der Grossen Flue in Steinhof als das bisher zeitlich am weitesten zurückliegende Objekt. Da sich das Thema durch die Landschaft und den Fundort besonders visuell erzählen lässt, entschieden wir uns für eine Vodcast-Folge. Für die vierte Episode wählten wir Barry, den legendären Bernhardiner, als international bekannte Figur der Schweizer Geschichte. Da die Geschichte vor allem durch Archivmaterial und Erzählungen getragen wird, setzten wir hier auf eine reine Podcastepisode.

Recherche & Produktion

Zu Beginn des Projekts betrieben wir für beide Themen eine intensive Recherche. Für die Episode über den Findling konnten wir Prof. Naki Akçar, Professor für Glaziale Geologie, als Experten gewinnen. Nach einem ersten Gespräch an der Universität Bern reisten wir gemeinsam nach Steinhof, wo wir das Interview sowie B-Roll- und Drohnenaufnahmen realisierten.

Für die Episode über Barry ermöglichte uns Dr. Stefan Hertwig vom Naturhistorischen Museum Bern ein Interview im Archiv sowie einen Besuch der Ausstellung. Bei sämtlichen Dreharbeiten war ich für Kamera, Ton und Licht verantwortlich, während Angus die Interviews führte.

Skript, V/O & Musik

Aus den Interviews filterten wir die stärksten Aussagen und entwickelten daraus Skripte, die wir über mehrere Wochen hinweg in Absprache mit den Experten überarbeiteten. Da unsere bisherige Sprecherin nicht mehr verfügbar war und ich bei der Suche nach einer Nachfolgerin keinen Erfolg hatte, übernahm Angus, der als Sprecher bei TeleBärn arbeitet, das Voice-over. Anders als in der Vorgängerepisode Bronzehand von Prêles verzichteten wir auf Animationen und setzten stattdessen auf einen dokumentarischen Stil mit Aufnahmen vor Ort. Logo und Intro- und Outro-Musik übernahmen wir vom Vorjahr.

Weitere Mitwirkende: Logo: Nadja Siegrist (MMP23 Chur) | Musik: Enrico Fusaro (MMP24 Bern)

Postproduktion

Die gesamte Postproduktion lag bei mir. Beim Findling umfasste sie Rohschnitt, Feinschnitt, Color Grading und Sound Mixing. Bei Barry gehörte zudem ein umfassendes Sounddesign dazu, da es sich um eine reine Audioepisode handelte.

Ausblick

Wir haben die Möglichkeit erhalten, die Episoden demnächst Swissinfo zu pitchen, und haben uns darauf bereits vorbereitet. Inhaltlich arbeiten wir zudem bereits an weiteren Folgen.

Hier geht es zu den Episoden:

Ep. 03 Der Findling der Grossen Flue

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Ep. 04 Der legendäre Bernhardiner Barry

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(mmi)

Da es das erste Mal war, dass wir eine komplette Episode ausschliesslich draussen filmten, unterschätzten wir die Auswirkungen von Wetter und Licht auf die Produktion. Die wechselnden Lichtverhältnisse erschwerten die Dreharbeiten, und den Dreh für den Findling mussten wir aufgrund von Schneefall sogar zweimal verschieben. Auch die Terminfindung unter uns und mit den Experten erwies sich als aufwendiger als erwartet. Rückblickend hätten wir für dieses Projekt mehr Puffertage einplanen müssen.

Auch die Themenfindung nahm mehr Zeit in Anspruch als erwartet. Anders als bei den ersten beiden Episoden mussten wir mehrere potenzielle Orte anfragen, bevor wir unsere endgültigen Themen fanden. Rückblickend hätten wir diesen Prozess früher starten und direktere Kommunikationswege wählen sollen. Da Antworten per E-Mail oft lange auf sich warten liessen, entstand zusätzlicher Zeitdruck, der durch telefonische Abklärungen teilweise vermeidbar gewesen wäre.

Da wir bei diesem Projekt zum ersten Mal ohne Animationen arbeiteten, fehlte uns bei den Dreharbeiten teilweise die nötige Routine. Insbesondere bei der Episode zum Findling hätten wir mehr B-Roll-Material aufnehmen und eine detailliertere Shotlist erstellen sollen. Dadurch hätten wir in der Postproduktion weniger auf Stockmaterial zurückgreifen müssen. Zudem hätten wir bereits in der Konzeptionsphase genauer evaluieren sollen, ob sich das Thema visuell ausreichend umsetzen lässt und genügend Bildmaterial für eine abwechslungsreiche Darstellung vorhanden ist.

Zusätzlich hatten wir beim ersten Dreh technische Probleme mit dem Audio-Equipment. Der Receiver funktionierte unerwartet nicht, weshalb wir kurzfristig umdisponieren und das Mikrofon direkt an die Kamera anschliessen mussten. Die Situation war zwar lösbar, wirkte vor Ort jedoch unnötig hektisch und nicht professionell. Künftig würden wir das gesamte Equipment vor jedem Dreh noch gründlicher testen und mögliche Ersatzlösungen bereits im Vorfeld vorbereiten.