Ein Plakat wie ein Comicheft
Comicstil, Pflanzen und Bingo. Klingt zuerst nach einer ziemlich seltsamen Kombination. Genau darum ging es bei diesem Projekt. Für das Treibhaus Luzern durfte ich mein erstes bezahltes Grafikprojekt umsetzen und dabei ein Eventplakat gestalten, das auffallen, humorvoll wirken und gleichzeitig zu meinem eigenen Illustrationsstil passen sollte.

Beschreibung des Projekts
Das Briefing war gleichzeitig simpel und schwierig: Ein Plakat für die «Eifachbingo: Pflanzen-Edition». Ich hatte grosse kreative Freiheit und genau das machte das Projekt spannend. Gleichzeitig bedeutete das aber auch, dass ich komplett selbst herausfinden musste, wie man Bingo und Pflanzen überhaupt sinnvoll miteinander verbinden kann.
Von Anfang an war mir klar, dass ich keinen klassischen Eventflyer machen wollte. Ich wollte etwas gestalten, das sofort Aufmerksamkeit erzeugt und sich visuell von typischen Veranstaltungsplakaten unterscheidet. Humor spielte dabei eine grosse Rolle, weil das stark zu meinem eigenen Illustrationsstil passt.
Das finale Plakat zeigt eine cartoonartige Figur, die glücklich eine grosse Pflanze umarmt und gleichzeitig einen Bingoschein in der Hand hält. Die Typografie orientiert sich an alten Comiccovern und das ganze Layout sollte wirken, als hätte man ein absurdes Magazin oder Heft vor sich. Die roten und gelben Elemente verstärken zusätzlich diesen lauten, leicht überdrehten Charakter.
Obwohl das fertige Resultat relativ simpel aussieht, steckte extrem viel Arbeit in der Ideenfindung. Insgesamt habe ich ungefähr 60 Skizzen gemacht. Viele davon gingen in komplett unterschiedliche Richtungen. Manche waren deutlich chaotischer, andere viel minimalistischer oder stärker auf das Thema Pflanzen fokussiert.
Gerade das war für mich einer der spannendsten Teile des Projekts. Ich wollte unbedingt eine Idee finden, die sich nicht wie die erstbeste Lösung anfühlt. Gleichzeitig wurde genau das irgendwann auch zum Problem. Je mehr Ideen entstehen, desto schwieriger wird es, sich festzulegen. Vor allem weil ich bei kreativen Projekten oft das Gefühl habe, noch etwas «Besseres» finden zu können.
Die finale Idee entstand erst während des Skizzierens. Ich arbeite oft so, dass die eigentliche Richtung nicht sofort klar ist, sondern sich erst durch das Zeichnen entwickelt. Sobald die Grundidee stand, begann ich damit, die Illustration sauber in Procreate umzusetzen.
Danach wurden die verschiedenen Formate in Adobe Photoshop und InDesign weiterbearbeitet und angepasst. Besonders wichtig war dabei, dass das Design sowohl als Plakat als auch als Instagram Story und Social Media Post funktioniert.
Der kreative Prozess
Die meiste Zeit floss nicht in die technische Umsetzung, sondern in die Ideenfindung. Gerade weil es mein erster bezahlter Auftrag war, hatte ich extrem hohe Ansprüche an mich selbst. Ich wollte unbedingt ein Resultat schaffen, das nicht nur funktioniert, sondern wirklich auffällt.
Rückblickend war das Projekt deshalb fast mehr ein Prozess des Suchens als des eigentlichen Gestaltens. Viele der frühen Ideen funktionierten zwar technisch, fühlten sich aber nicht richtig an.
Mein Illustrationsstil ist allgemein stark cartoonartig und leicht absurd. Deshalb war für mich schnell klar, dass ich diesen Stil nicht anpassen oder «professioneller» machen wollte, sondern bewusst genau so einsetzen möchte. Gerade beim Treibhaus passt eine etwas frechere und eigenständigere Bildsprache sehr gut.
Die Zusammenarbeit mit dem Treibhaus verlief sehr angenehm. Ich hatte grosse kreative Freiheit und bekam erst nach der finalen Umsetzung Feedback. Das war durchwegs positiv und hat mich besonders gefreut, da ich selbst lange unsicher war, ob das Resultat wirklich stark genug ist.
Hier eine Auswahl von Skizzen:









Die verschiedenen Formate
Neben dem finalen Plakat wurde das Design zusätzlich für verschiedene Social Media Formate adaptiert. Dazu gehörten Instagram Storys sowie Slides für Instagram Posts. Dadurch musste die Gestaltung flexibel funktionieren und gleichzeitig ihren Wiedererkennungswert behalten.
Besonders spannend fand ich dabei die Frage, wie man eine Illustration so gestaltet, dass sie sowohl aus Distanz auf einem Plakat als auch wenige Zentimeter vor dem Gesicht auf einem Smartphone funktioniert.
(mmi)
Kritik
Dieses Projekt hat mir gezeigt, wie schwierig Ideenfindung manchmal sein kann. Obwohl ich mit dem Endresultat zufrieden bin, habe ich während des Prozesses oft das Gefühl gehabt, dass die Idee noch nicht gut genug ist. Vor allem weil ich unbedingt etwas machen wollte, das sich besonders kreativ oder einzigartig anfühlt.
Rückblickend finde ich das finale Produkt zwar gelungen, aber die eigentliche Illustration selbst ist gar nicht extrem komplex oder revolutionär. Ein grosser Teil des Projekts bestand deshalb darin zu akzeptieren, dass nicht jede gute Gestaltung maximal überladen oder komplett neu gedacht sein muss.
Trotzdem bin ich stolz auf das Projekt, besonders weil es mein erster bezahlter Grafikauftrag war. Es hat mir gezeigt, wie viel Planung, Entscheidungsfindung und Selbstvertrauen hinter scheinbar einfachen Designs steckt.
Ausserdem hat mich das Projekt darin bestätigt, dass ich zukünftig noch mehr Auftragsarbeiten im Bereich Illustration und Grafikdesign umsetzen möchte.