We Should Get Married – Musikvideo
Im Rahmen der Roll-out-Kampagne für Jonny Breauxs Debüt-EP Photo Booth «Confessions» setzten wir ein Musikvideo für die finale Single «we should get married» um. Schnapp dir deine rosarote Brille and hold on tight. Es wird romantisch.
Das Making-of im Schnelldurchlauf:
Die Entstehung
Konzeption (James)
Dass «we should get married» ein Musikvideo braucht, wussten Jonny und ich von Anfang an. Doch worum soll es im Video überhaupt gehen? Die Botschaft des Songs ist klar, das verrät schon der Titel: Wir sollten heiraten. Aber sollten wir deshalb direkt eine Hochzeit planen? Einen Antrag?
Ich liebe Musikvideos mit einem simplen, aber starken Konzept. Die Videos von Billie Eilish zum Beispiel lassen sich meist in wenigen Worten zusammenfassen: Oft spielen sie an nur einem Ort, mit wenigen Einstellungen oder sogar als One-Take. Umso mehr bleiben die Bilder im Kopf hängen.
Idee (James)
Die erste Idee, die bei uns hängenbleibt: Fotoautomat + verliebte Päärli. Passt super, denn so können wir zugleich der EP wie auch dem Song selbst eine visuelle Identität geben. Jonny und ich überlegen weiter und erarbeiten ein simples Konzept, was ja auch genau das Ziel war.
Picture this: Jonny steht vor einem Fotoautomaten und scheint auf jemanden zu warten. Er schaut noch einmal zurück und steigt dann in die Booth. Er wirkt enttäuscht, stehengelassen. Er posiert zwar für ein paar Bilder, muss sich zum Lächeln aber regelrecht zwingen.
Nach und nach sieht man verschiedene Pärchen, die sich in die Booth setzen, während Jonny dazwischen immer wieder allein gezeigt wird. Die Couples machen Fotos, lachen und sind einfach herzig zusammen. Doch gerade als Jonnys letzter Funken Hoffnung zu verfliegen scheint, taucht Jonnys Braut auf und setzt sich zu ihm. Jetzt kann auch Jonny endlich wieder richtig lachen.
Planung (James)
Nach der Erstellung eines sehr rudimentären Previs konnte ich mit Gewissheit in die Planung einsteigen. Auch war mir mittlerweile klar, dass ich definitiv Hilfe mit der Kameratechnik brauchen würde. Ich fragte also Jule an, ob sie Lust hätte, mich beim Projekt zu unterstützen. Zu meinem Glück sagte sie mir direkt zu. Wir besprachen gemeinsam die technischen Aspekte des Projekts und legten die Shoot-Tage auf den 5. und 6. März fest.
Für die Szenen vor der Booth einigten wir uns auf den Fotoautomaten bei der Hardbrücke in Zürich. Alles, was in der Booth spielt, filmen wir dann bei mir zuhause vor einem Vorhang.
Kamera (Jule)
Ich stellte eine Materialliste zusammen, mit der FX6, viel Licht, z. B. auch farbigen LED-Tubes, und einem Nanlite, bei dem man einen Fotoautomat-Blitz-Effekt einstellen konnte.
Beim Dreh filmte ich alles im Log-Format, um nachher noch mehr Möglichkeiten fürs Grading zu haben.
In dieser Situation war ich extrem froh um die FX6, denn wir drehten praktisch im Dunkeln. Ohne die gute Kamera mit dem hohen Base-ISO hätten wir echt Probleme gehabt.
Beim Dreh fand ich es sehr cool, mit James zusammenzuarbeiten, da er eine genaue Vision hatte und ich dafür das technische Wissen, um diese filmisch umzusetzen.
Am ersten Drehtag drehten wir also das Intro und vereinzelte Outdoor-Shots. Das klingt nach wenig, war aber eine abendfüllende Aufgabe. Bis die besagte Vision endlich erfüllt war, war es bereits 23 Uhr.
Zusätzlich verzögert wurde alles durch anstehende Päärli, die den Ort ebenfalls als perfekten Spot für romantische Fotos entdeckt hatten.
Am nächsten Morgen bauten wir das Innere des Fotoautomaten auf. Dafür stellten wir zwei Kameras auf:
Die FX6 frontal von vorne – diese wurde später im Grading schwarzweiss und bekam den klassischen Fotoautomaten-Look – und eine Sony A7 IV als B-Cam, die die Protagonist*innen aus einer etwas näheren und anderen Perspektive zeigte.
Shoot (James)
Anstatt unsere Couples einzeln zum Dreh antanzen zu lassen, organisierte ich eine kleine Party bei mir zuhause. Wir arbeiteten mit groben Zeitslots, mehr so nach dem Prinzip «wer gerade Lust hat, kann filmen». Das funktionierte bei den fixen Päärli wunderbar, es kam jedoch auch zu spontanen Aktionen, wie beispielsweise Anji, die mit dem «Call Me»-Schild alleine vor der Kamera zu sehen ist.
Schnitt (James)
Dies war der mit Abstand zeitintensivste Arbeitsschritt von allen. Ich verbrachte Tage damit, die besten Momente und Takes aus dem Berg an Footage herauszupicken und daraus eine dramaturgisch sinnvolle Abfolge der Clips zu basteln. Da wir die Szenen mit den Couples nicht im Voraus gross gescriptet hatten, bereiteten mir diese, im Gegensatz zur Intro-Sequenz, besonders viel Arbeit.
Das Einzige, was man im Video als VFX bezeichnen könnte, ist das Auswechseln des deutschen «Fotoautomaten»-Schilds an der Aussenseite der Booth durch den englischen Schriftzug «PHOTO BOOTH». Dieser ist in drei verschiedenen Einstellungen zu sehen. Da sich die Kamera glücklicherweise nie bewegt, konnte ich die drei Shots einfach als Bilder exportieren und von Hand in Photoshop bearbeiten. Um den neuen Text möglichst realistisch einzubetten, nutzte ich eine Kombination aus Perspektiven-Verzerrung, Texturen und künstlichem Backlight. Anschliessend habe ich die Dateien wieder in Premiere Pro importiert und als Overlay über die jeweiligen Clips gelegt.
Color Grading (Jule)
Ich importierte den Schnitt, den ich von James bekommen hatte, ins DaVinci Resolve und begann mit dem Color Grading.
Die grösste Challenge war es, die Szenen im Fotoautomaten und die Szenen draussen visuell zusammenzubringen. Zusätzlich stellte sich heraus, dass es deutlich schwieriger war als gedacht, die A-Cam im Fotoautomaten wirklich wie ein Foto aussehen zu lassen. Ich arbeitete viel mit Kurven und bin mittlerweile recht zufrieden mit dem Ergebnis. Allerdings wurde der Kontrast des Vorhangs dabei ständig viel zu stark. Dieses Problem löste ich schliesslich – nach einer gewissen Menge Frustration – mit einer Kombination aus Skintone-Maske und Luminanzmasken.
Mit der Zeit begann mir auch der Feinschliff richtig Spass zu machen. Zum Beispiel habe ich die roten Schuhe, die aus dem Fotoautomaten herausschauen, einzeln selektiert und ihnen den exakt richtigen Rotton gegeben. Man weiss ja nie, ob jemand mit komischen Hobbys das Video frame-by-frame analysiert. Nach einem gefühlten Jahrhundert an Versionen trat dann tatsächlich ein Moment ein, mit dem ich kaum noch gerechnet hatte: Der Regisseur war zufrieden.
Zum Schluss schnitt ich noch verschiedene Teaser aus dem Intro für Social Media und exportierte zusätzlich 19:6-Stills für den YouTube-Thumbnail.
Upload
Das Musikvideo wurde am 3. April 2026 auf YouTube veröffentlicht.
Jonny Breaux – we should get married (Official Video)
Directed by James Marchant
Camera by Jule Buchmann
Made with Love
James
Das Video zu drehen, war für mich ein riesiges Vergnügen und hat mir aufs Neue gezeigt, wie wertvoll gute Planung ist. Ich musste bisher noch nie so viele (teils fremde) Menschen, Equipment und Abläufe gleichzeitig koordinieren, was mir ein neues Level an Kommunikation und geistiger Präsenz abverlangte. Genau da hat sich die Vorarbeit gelohnt: Die Leute waren rechtzeitig vor Ort, die Technik funktionierte und wir gerieten nie in Panik oder Stress. Vor allem bin ich Jule dankbar, sie hat nämlich schon beim ersten Gespräch verstanden, wie ich das Video umsetzen wollte und wusste genau, was wir dafür brauchen würden. Aber auch hier halfen das Previs und Moodboard, welche ich vorbereitet hatte. Je klarer die Vorstellung, desto besser wissen alle, was sie machen, desto reibungsloser wird die Umsetzung, desto besser wird das Ergebnis. Easy.
Was weniger gut lief:
Man kann eben nicht alles planen. Mit Überraschungen muss man rechnen, und wenn sie eintreffen, muss man schnell versuchen, das Beste daraus zu machen. Solche Überraschungen können zwar auch schön sein, wie die spontane Idee, das „Call-Me“-Schild für Anji zu basteln, weil sie kurzfristig allein kommen musste. Wenn andere Leute aber darauf warten, endlich vor die Kamera zu können, kann eine schöne Lösung für ein Problem trotzdem stressig sein.
Weniger smooth finde ich beispielsweise die zweite Kameraeinstellung in der Anfangsszene, die, in der Jonny von oben vor der Booth gefilmt wird. Das ganze Video besteht aus stabilen Stativ-Einstellungen, die Kamera bewegt sich eigentlich nie. Leider hatten aber weder Jule noch ich daran gedacht, ein genügend hohes Stativ dafür mitzunehmen. (Hinweis von Jule: So grosse Stative haben wir in der Technikausleihe gar nicht). So musste ich die Kamera nun mal einfach gut festhalten. Das Resultat davon ist der einzige shaky Shot im ganzen Video. Oh well.
Alles in allem eine 10/10-Experience.
Jule
Ich glaube, ich habe vor diesem Projekt noch nie mit jemandem zusammengearbeitet, der so eine genaue Vision und ein so klares Bild des Musikvideos im Kopf hatte wie James. Er wusste genau, was er wollte, und ich hatte das technische Wissen, genau das mit der Kamera umzusetzen.
Da ich nicht so viel Spass am Schreiben von Konzepten und Ausarbeiten von Ideen habe, sondern eher am technischen Part interessiert bin, haben wir uns bei diesem Projekt sehr gut ergänzt. Dank eines ausgearbeiteten Konzepts und guter Organisation hat die Zusammenarbeit beim Dreh viel Spass gemacht. So kam es auch nicht zu ewigem Herumprobieren und unnötigen Diskussionen. Danke James!
«Die Vision» hat mich später im Color Grading schon einige Nerven gekostet, ich bin mit dem Endergebnis aber sehr zufrieden. Ebenfalls: 10/10 would recommend.
Das grösste Learning war für mich, den technischen Teil eines Drehs anhand eines kreativen Konzepts ganz allein zu planen und umzusetzen, was zum Glück alles reibungslos funktioniert hat. Wir haben am Schluss keine Technik umsonst mitgeschleppt, sondern alles während des Drehs eingesetzt, aber auch nichts vergessen. I count that as a win.
Much love <3