Visuelle Identität für einen leeren Raum (Bilder skalieren/komprimieren)
„Räume erzählen viel über die Menschen, die in ihnen leben – manchmal braucht es dafür nur wenige, bewusst gesetzte Akzente.“
Stell dir vor, du ziehst in eine komplett neue, leere Wohnung – zusammen mit drei fremden Mitbewohner:innen. Genau in dieser Situation befand ich mich zu Beginn des Semesters. Die Wohnung war funktional, aber wirkte kühl, leer und wenig persönlich. Mein Ziel war es, diese Atmosphäre zu verändern und mithilfe von selbst gestalteten Plakaten mehr Wärme, Identität und Persönlichkeit in unsere neue WG zu bringen.
Im Rahmen dieses Projekts gestaltete ich Plakate für drei unterschiedliche Räume: mein eigenes Zimmer, das Wohnzimmer und die Küche. Der Fokus lag dabei auf einem minimalistischen Stil mit klaren Typografien, kurzen Sprüchen und reduzierten grafischen Elementen. Insgesamt entstanden elf Plakate: vier für mein Zimmer, drei für die Küche und vier für das Wohnzimmer.
Der Gestaltungsprozess war bewusst länger angelegt und stark von Austausch geprägt. Zu Beginn sammelte ich gemeinsam mit meinen Mitbewohner:innen mögliche Motive, Begriffe und Stimmungen. Schnell wurde klar, dass es nicht darum ging, möglichst auffällige Designs zu gestalten, sondern einen Stil zu finden, der von allen mitgetragen wird und langfristig in der Wohnung funktionieren kann. In mehreren Gesprächen einigten wir uns auf eine minimalistische Bildsprache, die ruhig wirkt, aber dennoch Persönlichkeit zeigt.
Für die Umsetzung entschied ich mich bewusst für Adobe InDesign, obwohl ich bisher hauptsächlich mit Canva gearbeitet habe. Gerade in diesem Modul war es mir wichtig, meine gestalterischen Fähigkeiten gezielt weiterzuentwickeln und ein professionelleres Tool zu nutzen. Die Arbeit in InDesign stellte mich anfangs vor Herausforderungen – insbesondere in Bezug auf Layoutlogik, Typografie, Abstände und den Umgang mit Druckformaten. Gleichzeitig zwang mich das Programm dazu, strukturierter und präziser zu arbeiten als bisher.
Die Plakate entstanden in mehreren Iterationen. Ich holte regelmässig Feedback von meinen Mitbewohner:innen ein und passte die Entwürfe entsprechend an. Dieser Prozess war teilweise zeitintensiv, da oft nur kleine Details verändert wurden, diese jedoch eine grosse Wirkung auf das Gesamtbild hatten. Rückblickend habe ich gerade durch diese Feinjustierungen viel über visuelle Ruhe, Hierarchien und konsistente Gestaltung gelernt.
Die finalen Plakate befinden sich seit dem 7. Januar im Druck und sollen unserer bisher sehr weissen Wohnung künftig mehr Farbe und Charakter verleihen. Das Projekt zeigt für mich exemplarisch, wie Gestaltung im Alltag entstehen kann: aus einer konkreten Situation heraus, im Austausch mit anderen und mit dem Anspruch, sich gestalterisch weiterzuentwickeln statt bei gewohnten Tools zu bleiben.











(vha)
Rückblickend war dieses Projekt weniger ein rein gestalterisches, sondern vor allem ein kommunikativer und prozessorientierter Lernprozess. Eine der grössten Herausforderungen bestand darin, die unterschiedlichen Geschmäcker und Vorstellungen der Mitbewohner:innen unter einen gestalterischen Nenner zu bringen. Anfangs hatte ich eigene, relativ klare visuelle Ideen, musste diese jedoch mehrfach anpassen oder verwerfen, um einen gemeinsamen Stil zu finden, mit dem sich alle identifizieren können.
Die Entscheidung für einen minimalistischen Ansatz erwies sich dabei als sinnvoll, da dieser als gemeinsamer Konsens funktionierte und gleichzeitig genug Raum für individuelle Akzente liess. Trotzdem führte genau diese Reduktion dazu, dass jeder gestalterische Entscheid – Typografie, Wortwahl, Abstände oder kleine grafische Elemente – besonders bewusst getroffen werden musste. Gerade in der minimalistischen Gestaltung fällt jede Unsauberkeit oder Unsicherheit stärker auf.
Die Arbeit in Adobe InDesign ermöglichte mir ein strukturiertes und präzises Vorgehen, gleichzeitig verlangte der iterative Feedbackprozess viel Geduld. Mehrere Entwürfe wurden überarbeitet, teilweise nur in kleinen Details, was zeitintensiver war als ursprünglich erwartet. Im Nachhinein hätte ich gewisse Entscheidungen früher klarer festlegen können, um den Prozess effizienter zu gestalten.
Insgesamt zeigt dieses Projekt gut, wie ich meine Arbeitszeit genutzt habe: von der Ideenfindung über Konzeptentwicklung, Gestaltung, Feedbackschlaufen bis hin zur Druckvorbereitung. Besonders wertvoll war für mich die Erkenntnis, dass Gestaltung im Alltag oft nicht für ein anonymes Publikum entsteht, sondern für konkrete Menschen – und dass gute Gestaltung häufig ein Kompromiss zwischen eigener Handschrift und gemeinsamer Vision ist.