Behind the Seams: Visuelle Dokumentation einer Modekollektion
Behind the Seams gibt einen Einblick in den Entstehungsprozess einer Modekollektion – von den ersten Arbeitsschritten im Atelier bis zur finalen Präsentation. Im Rahmen einer Zusammenarbeit mit der Fashiondesignerin Simone Müller habe ich den Design- und Produktionsprozess visuell begleitet und dokumentiert.
Viele Ideen schwirren mir jeweils halbjährlich im Kopf herum, sobald es wieder heisst, einen digezz-Beitrag zu produzieren. Grundsätzlich bin ich froh, nicht ideenlos dazustehen – doch genau darin liegt auch die Herausforderung: zu entscheiden, welche Idee ich am Ende tatsächlich umsetzen will, fällt mir selten leicht.
Doch in diesem Semester war das anders. Nach einigen wenig überzeugenden Ansätzen kam mir die entscheidende Idee eher beiläufig, während ich im Schneideratelier meiner Freundin stand. Sie ist Fashiondesignerin und arbeitete zu diesem Zeitpunkt an einer neuen Kollektion, die Ende Dezember 25 im Rahmen der Ausstellung ART RUSH in Bern gezeigt wurde. Daraus entstand die Idee einer Zusammenarbeit. Kurzentschlossen stieg ich in den Entstehungsprozess der Modekollektion ein, mit dem Ziel, diesen visuell zu dokumentieren.
So entstand unsere Win-win-Situation: Ich durfte ein spannendes, kreatives Projekt begleiten, und meine Freundin verfügt nun über vielseitigen Content für die Social-Media-Kanäle ihres Modelabels blau212121.

Konkret habe ich drei Reels umgesetzt – zwei zum Design- und Herstellungsprozess und eines vom Ausstellungstag selbst.
Zusätzlich haben wir ein Shooting der fertigen Kollektion realisiert und alle Teile fotografisch festgehalten.
Einige Beispielbilder sind hier zu sehen, die vollständige Kollektion findet ihr auf der Instagram-Seite von blau212121.





(abb)
Konzeption und gestalterische Entscheidung
Für dieses Projekt habe ich mich bewusst von einer rein digitalen Arbeitsweise distanziert und für das Shooting auf analoge Fotografie gesetzt. Ziel war es, den Entstehungsprozess der Modekollektion entschleunigt und mit einer klaren gestalterischen Haltung zu dokumentieren. Diese Entscheidung war konzeptionell stimmig und führte zu einer Bildästhetik mit eigenständigem Charakter, die sich deutlich von gängigen, stark gefilterten Social-Media-Bildern abhebt. Gleichzeitig brachte sie aber auch klare Einschränkungen im Produktionsfluss mit sich.
Analoge Arbeitsweise: Chancen und Grenzen
Ich arbeitete mit drei analogen Kameras (Leica Mini 2, Minolta Riva Zoom und Leica M3), wobei insbesondere die Leica M3 durch den externen Belichtungsmesser ein hohes Mass an Aufmerksamkeit verlangte. In kontrollierten Lichtsituationen im (Studio)-Setting funktionierte dieses Setup gut, da sich die Belichtung kaum veränderte. Unterwegs und in dynamischen Situationen erwies sich diese Arbeitsweise jedoch als unpraktisch: Häufiges Nachjustieren der Einstellungen kostete Zeit und führte teilweise zu Unsicherheit, da eine direkte Bildkontrolle nicht möglich war. Diese Einschränkung wirkte sich punktuell auf die Sicherheit und Effizienz der Aufnahme aus.
Ein weiterer kritischer Punkt ist der finanzielle Aspekt der analogen Produktion. Filmmaterial, Entwicklung und Scans verursachen laufende Kosten, was den experimentellen Spielraum deutlich einschränkt und zu einer stärkeren Selbstzensur beim Fotografieren führen kann. Gerade im Kontext einer Social-Media-Produktion steht dieser Aufwand nur bedingt im Verhältnis zum Verwendungszweck und verlangt eine bewusste Abwägung zwischen ästhetischem Anspruch und ökonomischer Effizienz.
Licht und technische Umsetzung
Für die Studioaufnahmen entschied ich mich bewusst gegen externe Lichtquellen und arbeitete ausschliesslich mit dem kamerainternen Blitz. Diese Entscheidung führte zwar zu einem rohen, authentischen Look, offenbarte im Nachhinein aber klare Schwächen: Besonders bei Ganzkörperaufnahmen aus grösserer Distanz sind einige Bilder unterbelichtet geraten. Rückblickend hätte der Einsatz eines zusätzlichen Blitzes oder einer konstanten Lichtquelle die Bildqualität verbessert, ohne die gewünschte Ästhetik wesentlich zu beeinträchtigen.
Videoaufnahmen und Eventdokumentation
Für die Videoaufnahmen nutzte ich neben dem iPhone 15 eine Sony DCR-DVD 105E. Mit dieser Kamera war ich vertraut, was einen reibungslosen Einsatz ermöglichte. Die dunklen Lichtverhältnisse am Eventtag – die Ausstellung fand im Untergeschoss eines Berner Clubs statt – hatte ich jedoch unterschätzt. Entsprechend sind einige Aufnahmen dunkler ausgefallen als geplant. Dennoch konnte auch hier ein stimmiger, trashy Look erzielt werden, der zur Atmosphäre des Events passt. Der Import via DVD-Konverter und der Schnitt in Premiere Pro funktionierten technisch zuverlässig.
Zeitmanagement und Produktionsrealismus
Selbstkritisch betrachtet war der zeitliche Aufwand im Verhältnis zum Output – insbesondere für eine schnelllebige Instagram-Produktion – zu hoch. Die intensive Auseinandersetzung mit Technik und Stil war lehrreich, hätte jedoch zugunsten eines effizienteren Workflows reduziert werden können. Für zukünftige Projekte dieser Art würde ich bewusster zwischen gestalterischem Anspruch und Plattformlogik abwägen und meine Ressourcen gezielter einsetzen.
Fazit
Insgesamt konnte die gewünschte visuelle Stilrichtung erreicht werden, insbesondere durch den bewussten Einsatz analoger Medien. Gleichzeitig zeigt das Projekt deutlich, dass ästhetische Entscheidungen immer auch funktionale Konsequenzen haben. Die grösste Lernkurve liegt für mich im Zusammenspiel von Technik, Zeitmanagement und Anwendungszweck – ein Spannungsfeld, das ich in zukünftigen Produktionen präziser austarieren möchte.